Emil Schumacher

Emil Schumacher zählt zu den Begründern einer neuen, auf wenige Linien und Farben reduzierten Malerei nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland und gilt als bedeutendster Vertreter des deutschen Informel.

Der 1912 in Hagen geborene Emil Schumacher besucht 1932 — 35 die Kunstgewerbeschule Dortmund, in der er eine Ausbildung als Werbegrafiker erhält. Von 1935 an arbeitet er als freier Maler. 1939 — 45 wird Schumacher als technischer Zeichner zur Arbeit in einem Hagener Rüstungsbetrieb verpflichtet.

Nach dem Krieg sucht Schumacher nach Möglichkeiten der Neuorientierung abseits der künstlerischen Tradition. Gemeinsam mit Thomas Grochowiak, Gustav Deppe und Heinrich Siepmann gründet er 1947 die Künstler- und Ausstellungsvereinigung »Junger Westen«, steht deren am Bauhaus orientierter Formensprache jedoch bald kritisch gegenüber. Schumacher reist 1951 nach Paris. Der Aufenthalt konfrontiert ihn mit der Bildsprache der gegenstandlos arbeitenden französischen Künstler (u.a. Fautrier, Dubuffet, Michaux, Mathieu, Riopelle), die 1951 in der Ausstellung »Significants de L’Informel« gezeigt werden. Die Arbeiten der École de Paris, des Tachismus und der amerikanischen Action Painting prägen in den Folgejahren seinen Malerei- und Bildbegriff wesentlich.

Die schweren Linienverläufe früher Arbeiten, die noch an den Expressionismus erinnern, nähern sich nun zunehmend den lichterfüllten Farbflächen der französischen Malerei an. Noch in den 50er Jahren erfasst Schumacher das Bild stärker in seiner Körperlichkeit und Materialität. Kurzzeitig schließt er sich 1955 »Zen«, der Vereinigung abstrakter Künstler, an.

Die Behandlung der Oberfläche als Nebeneinander von Farbfläche und Binnenzeichnung führt 1956 — 57 zu plastischen und reliefartigen Werken, die SchumacherTastobjekte nennt. Mit diesen reliefartigen Gebilden aus Drahtgeflecht, Gips oder Pappmaché lotet er die Grenzen des zweidimensionalen Bildes aus. Der Entstehungsprozess bleibt dabei stets sichtbarer Werkbestandteil. 1957 folgen materialorientierte Werke, in denen pigmentgesättigte Farbflächen mit schwarzen, heftig hineingerissenen Linien kontrastieren. Der gestische Duktus bezieht nun auch auf die Zerstörung des Bildträgers ein. Neben dem Materialaspekt werden für Schumacher zugleich Aspekte von Landschaft wichtig (Djerba-Serie, ab 1969), die Beziehungen von Spuren zu gestischen Einschreibungen herstellen.

1958 — 60 übernimmt Schumacher eine Professur an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg. Seine Bilder werden in zahlreichen internationalen Ausstellungen, so 1959, 1964 und 1977 auf der documenta 2, 3 und 6 präsentiert. 1966 — 77 lehrt er an der Akademie der Künste in Karlsruhe, 1967/68 an der Minneapolis School of Art. In den Hammerbildern, die ab 1966 entstehen, bearbeitet Schumacher anfangs Türblätter, dann Tischlerplatten mit dem Hammer. Durch den Zerstörungsprozess lenkt er den Blick in das Innere der Objekte und in die Tiefe des Materials. Papier, Sisalfäden oder Blei werden in die Bilder eingefügt. Neben Leinwand werden auch Holz, zerknittertes Papier und Blei als Bildträger verwendet (Paracelsus, 1967).

Die Farbigkeit früherer Arbeiten ändert sich in späteren Werken erneut. Vor allem kräftige Buntwerte, leuchtendes Ultramarinblau, aber auch feuriges Rot und grelles Gelb (Palau, 1985) bestimmen nun die Farbpalette. Zudem entstehen zahlreiche graphische Arbeiten auf Papier. In den Arbeiten der 90er Jahre treten gegenständliche Reminiszenzen auf.

Schumacher zählt zu den Begründern einer neuen, auf wenige Linien und Farben reduzierten Malerei nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland und gilt als bedeutendster Vertreter des deutschen Informel. Seit 1971 hält sich Emil Schumacher neben Hagen auch regelmäßig auf Ibiza auf. Dort stirbt er am 4. Oktober 1999.



Literaturauswahl

Informel: Forschungsprojekt Informelle Kunst, 3 Bde, hg. v. Museum am Ostwall, Dortmund 1999 — 2004

Emil Schumacher und das Materialbild: Ausst.-Kat. Kunsthalle Hamburg, hg. v. K. Bretschneider, Hamburg 1998

Emil Schumacher, Retrospektive: Ausst.-Kat. Haus der Kunst u.a., München 1998

Emil Schumacher, Malerei 1936 — 1991, Zum 80. Geburtstag: Ausst.-Kat. Städtische Galerie im Städel, hg. v. K. Gallwitz, K.u. R. Fuchs, Frankfurt/M. 1992

Brunner, R.: Emil Schumacher. Das informelle Werk, Gießen 1992

Emil Schumacher, Werke 1989 — 1992: Ausst.-Kat. Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, hg. v. J. Christian, Düsseldorf 1992

Emil Schumacher, Späte Bilder: Ausst.-Kat. Nationalgalerie Berlin, hg. v. M. Herrmann, Berlin 1988

Schmalenbach, Werner: Emil Schumacher, Köln, 1981

Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014 Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger Foto: Tobias Roch, Hagen

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