Eduardo Chillida

Er realisiert nach eigener Angabe Anfang der 50er Jahre seine erste nicht-figürliche Eisenskulptur aus zerlegten landwirtschaftlichen Geräten. Die Schmiede- und Schweißarbeit kommt seiner eigenen künstlerischen Auffassung von Skulptur nahe, die sich vom plastischen Volumen hin zur konstruierten Raumgestaltung entwickelt. Gleichzeitig untersucht er in graphischen Arbeiten die zweidimensionalen Möglichkeiten räumlicher Illusion.

Edouardo Chillida wird 1924 in San Sebastian geboren. Das 1943 begonnene Architekturstudium am Colegio Mayor Jiménez de Cisneros bricht er ab und nimmt 1947 das Kunststudium an der privaten Kunstakademie Circulo de Bellas Artes in Madrid auf. Hier entstehen erste plastische Arbeiten aus Gips und Ton (Torso1948), die er bereits 1949/50 im Salon ausstellen kann.

Ein Parisaufenthalt erweckt sein Interesse für das Material Eisen. Chillida realisiert nach eigener Angabe Anfang der 50er Jahre seine erste nicht-figürliche Eisenskulptur aus zerlegten landwirtschaftlichen Geräten. Die Schmiede- und Schweißarbeit kommt seiner eigenen künstlerischen Auffassung von Skulptur nahe, die sich vom plastischen Volumen hin zur konstruierten Raumgestaltung entwickelt (Ilarik, 1951). Mit seiner Skulptur Desde dentro (1953) gelingt es ihm, die erwünschte dynamische und raumgreifende Wirkung durch vektorartig auseinanderstrebende dünne geschmiedete Eisenstäbe zu erzeugen, die nur noch eine reduzierte körperhafte Präsenz aufweisen. Gleichzeitig untersucht er in graphischen Arbeiten die zweidimensionalen Möglichkeiten räumlicher Ilusion. Im Jahr 1954 übernimmt er seine erste öffentlichen Auftragsarbeit, die Gestaltung von vier Toren für die Eingangsfassade der Basilika von Arantzazu / Onati. Eine weitere wichtige Phase seines Werkes ist von der expressiven Dynamisierung der verschlungenen Eisenbänder gekennzeichnet, die er durch Einschnitte erreicht (Hierro de temblor I, 1955).

Zunehmend arbeitet Chillida gegen Ende der 50er Jahre im monumentalen Format. Seine Skulpturen werden statischer, Oberflächenstrukturen, die als Resultate der Materialbearbeitung bis dahin eine besondere ästhetische Rolle spielen, werden zurückgenommen. Blockhafte und massive Eisenstrukturen bilden kubisch geschlossene Formen mit glatten Oberflächen aus, die verzahnte, gestapelte und verschlungene Gebilde formen. Ab 1959 wird das bis dahin verwendete Schmiedeeisen zunehmend durch Stahl ersetzt (Gnomon, 1965; Monument 1970/71). Daneben nutzt er die wirkästhetischen Qualitäten unterschiedlicher Materialkombinationen, u.a. von Eisen und Holz (Yunque de los Sueños, 1954 — 62) und versieht traditionelle Materialien wie Holz (Abesti Gogora III, 1962 — 64), Granit (Abesti Gogora V, 1966), Alabaster und Marmor mit neuen Belegungen. Die Lichtwirkung von Alabaster weiß er in seinem Werk Elogio de la Luz (1965) zu nutzen, das als begehbare Architektur zu seinen ersten Arbeiten im öffentlichen Raum zählt. Chillida experimentiert auch mit dem Material Beton, das er kostengünstiger als Stahl in seinen immer großformatiger werdenden Skulpturen einsetzen kann. Er nutzt dessen materialästhetische Eigenheiten, indem er Verschalungsabdrücke und Armierungen sichtbar belässt und die Schwere des Materials durch seine Hängung konterkariert (Lugar de encuentros III, Madrid 1971/72).

Neben Chillidas erster (1959) und den in den Folgejahren regelmäßigen Documenta-Beteiligungen finden wichtige Einzelausstellungen Chillidas ab 1962 in Basel, Duisburg, Amsterdam, München und Paris statt. 1971 wird er Gastprofessor am Carpenter Center for the Visual Arts an der Harvard University, Cambridge / Mass.

Chillidas Werk zeichnet sich in den Folgejahren dadurch aus, dass er u.a. Hommagen auf bekannte Künstler, Wissenschaftler und Philosophen seiner Zeit gestaltet. Meist lässt er sich dabei durch persönliche Kontakte inspirieren. Auch politische oder historische Ereignisse werden ihm zur Vorgabe künstlerischer Arbeiten. Seine Buchillustrationen für Martin Heideggers »Die Kunst und der Raum« (1969), aber auch La casa de Goethe (1986), eine Außenplastik aus Beton in Frankfurt/Main zählen zu diesem Werkkomplex. Und in ähnlicher Weise versteht sich auch seine Arbeit Toleranz durch Dialog (1993) in Münster als abstraktes Mahnmal und moralische Botschaft. Chillidas politisches Engagement bringt ihm zahlreiche internationale Auszeichnungen.

Eine weitere motivische Komponente in seinem Werk bildet die Auseinandersetzung mit den Grenzphänomenen von Musik und Skulptur, denen er in zahlreichen Arbeiten nachgeht (EUZKADI IV 1976, Gezna IV (1969), Gravitation S.14 (1991), Besarkada VI (1992).

Eduardo Chillida stirbt 2002 in San Sebastián.

Literaturauswahl

Schmidt, Sabine Maria: Eduardo Chillida, die Monumente im öffentlichen Raum, Mainz 2000

Chillida und die Musik: Ausst.-Kat. Sinclair-Haus Bad Homburg, hg. v. Christa Lichtenstern, Köln 1997

Koelen, M. van der: Eduardo Chillida. Werkverzeichnis der Druckgrafik 1986 — 1996, Mainz, München 1996

Chillida: Ausst.-Kat. Schirn Kunsthalle, hg. v. Thomas Messer, Frankfurt/M. 1993

Paz, Octavio: Chillida, Paris 1979

Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014 Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger Foto: Tobias Roch, Hagen Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum

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