Duane Hanson

Seine ersten lebensgroßen Figuren und Figurengruppen aus Fiberglas und Kunstharz entstehen ab 1967 nach Abdrücken vom lebenden Modell, die anschließend bemalt und bekleidet werden. Der Künstler Duane Hanson nutzt die Illusionswirkung zur drastischen Sozialkritik. Soziale Brennpunkte der amerikanischen Gesellschaft, die »Rassenfrage«, krasse Armut und Gewalt werden neben doppelbödigen Moralvorstellungen zu Themen seiner Arbeit.

Duane Hanson wird 1925 in Alexandria/Minn. geboren. Er studiert an der University of Minnesota, an der er 1946 seinen Abschluss macht. 1950 schreibt er sich an der Cranbrook Academy of Art in Michigan ein, um sich nun ausschließlich der Bildhauerei zu widmen. Hansons erste Arbeiten verharren noch in ambivalenter Spannung zwischen Figur und Abstraktion. 1953 unternimmt er seine erste Europareise und entschließt sich dazu, für mehrere Jahre in Deutschland an Kunstschulen zu unterrichten, die der amerikanischen Armee angegliedert sind. Er bleibt vier Jahre in München, dann nochmal drei Jahre in Bremerhaven. Dort lernt er den deutschen Künstler George Gyro kennen, der in seinen Arbeiten die Materialien Polyesterharz und Fiberglas verwendet.

1961 kehrt Hanson nach Florida zurück und beginnt 1963 selbst mit Polyesterharz zu experimentieren. Hanson interessiert der lebensechte Eindruck dieses Materials, das eine unmittelbare Konfrontation des Betrachers mit einer täuschend echt erscheinenden Wirklichkeit verspricht. Hansons erste lebensgroße Figuren und Figurengruppen aus Fiberglas und Kunstharz entstehen ab 1967 nach Abdrücken vom lebenden Modell, die anschließend bemalt und bekleidet werden. Der Künstler nutzt die Illusionswirkung zur drastischen Sozialkritik. Soziale Brennpunkte der amerikanischen Gesellschaft, die »Rassenfrage«, krasse Armut und Gewalt werden neben doppelbödigen Moralvorstellungen zu Themen seiner Arbeit. Hansons Kritik am Staat und dessen politischem Scheitern u.a. im Vietnam-Krieg wird in seinen Skulpturen quasi-dokumentarisch festgehalten. Entscheidend ist dabei die bühnenartige Inszenierung der Figuren, die inmitten einer realen Gegenstandswelt an Environments des Künstlers Ed Kienholz erinnern (Abortion, 1965; War 1967; Gangland Victim 1967; Football Players 1968).

Hanson ist zunächst auf regionalen Ausstellungen vertreten. Mit seinem Umzug nach New York 1969 verändert sich sein thematischer Schwerpunkt. Nun wird das Alltagsleben mit seinem kitschigen Life Style und den von den Massenmedien beworbenen Erzeugnissen zum Ausstellungsgegenstand. Billiges und Hässliches wird akribisch festgehalten. Vom Lockenwickler bis zur Zigarette im Mundwinkel charakterisieren realistische Details ein Lebensumfeld, das von sozialen Misständen, von Verwahrlosung und Trostlosigkeit spricht. Und auch die Körper der Figuren werden zu Sinnbildern der Lebensumstände. Leibesfülle und Alterungsprozesse werden schonungslos an den erschreckend authentisch wirkenden Figuren ablesbar (Housewife, 1970; Tourists, 1970; Woman Eating, 1971).

1972 nimmt Hanson an der Documenta teil, wird international bekannt. Seine hyperrealistischen Skulpturen werden nun auch als Zeitphänomen erfahrbar. Erste größere Einzelausstellungen in Stuttgart, Hamburg und schließlich auch im Museum of Contemporary Art in Chicago (1974) folgen. Ab 1984 entstehen die ersten farbig bemalten Bronzeskulpturen Hansons, zunächst eine Folge von unterschiedlichen Cowboy-Typen (Rodeo-Cowboy, 1984). Dieser Materialwahl bleibt Hanson auch in den Folgejahren treu. Er entwickelt ein umfassendes Typenspektrum verschiedener Gesellschaftsgruppen, von Reisenden (Traveller, 1985) bis zu Geschäftsleuten (Executive in Blue Chair, 1988), von Bodybuildern und Security Guards bis zu Sonnenbadenden.

Hansons Arbeiten sind seit 1972 in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen präsent. 2001 werden seine Skulpturen im Rahmen einer großen Wanderausstellung gezeigt.

Duane Hanson stirbt 1996 in Boca Raton / Florida.

Literaturauswahl

Duane Hanson. More than Reality: Ausst.-Kat. Frankfurt u.a., hg. von Thomas Buchsteiner und Otto Letze, Ostfildern Ruit 2001

Breyhan Christine: Duane Hanson. Housewife. Triumph der Künstlichkeit: Ostfildern Ruit 2000

Duane Hanson, Skulpturen: Ausst.-Kat. Kunsthalle und Kunstverein Tübingen u.a., hg. v. Martin H. Bush und Thomas Buchsteiner, Stuttgart 1990

Ruhrberg, Karl: Duane Hanson, Stuttgart 1992

Foto: Tobias Roch, Hagen Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014 Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum

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