Donald Judd

1963 ist Judd gemeinsam mit Dan Flavin, Robert Morris, Frank Stella, Ellsworth Kelly in einer vielbeachteten Ausstellung in der Green Gallery, New York zu sehen. Die dort ausgestellten Exponate werden heute als Beginn der Minimal Art »avant la lettre« gefasst – erst 1965 wird der Begriff, den Judd für sich selbst stets ablehnte, als Stil-Begriff auf die genannten Künstler bezogen.

Donald Judd wird 1928 in Excelsior Springs/Miss. (USA) geboren. Das Studium der Philosophie und Kunstgeschichte führt ihn nach Williamsburgh und New York (1948 — 52). Währenddessen widmet er sich ersten malerischen und zeichnerischen Arbeiten, die sich vor allem auf ästhetische Umsetzungen vonRaumgestaltungen und komplexe räumliche Situationen beziehen (The Leage Stairwell, 1952). Doch wendet er sich rasch wieder von der gegenständlichen Malerei ab und beginnt 1955 mit ersten geometrisierend abstrakte Arbeiten. Von 1959 bis 1965 arbeitet Judd als Kunstkritiker für das Arts Magazine. Hier bietet sich dieMöglichkeit der theoretischen Auseinandersetzung mit Pop Art und Action Painting, die er erneut in seinem späteren Kompendium »Complete Writings« von 1975behandelt.

Der Übergang vom Bild zum Objekt vollzieht sich bei Judd zunächst über bildhafte Assemblagen. Er malt auf Hartfaserplatten und fügt ab 1961 geometrische Gegenstände in das Bild ein. 1962 gibt er die Malerei gänzlich auf und sucht nun nach Darstellungsprinzipien, die mit dem Illusionismus brechen. Reliefartige,rechtwinklige Holz- und Metallkonstruktionen mit geglätteten und bemalten monochromen Oberflächen, bald auch hohle Wandboxen, die Judd in vertikalen (Stacks) und horizontalen Reihen (Progressions) gruppiert, entstehen. Ihre getrennt oder zusammenhängend arrangierten konsolenartigen Einzelelemente sind bisweilennach den Maßgaben mathematischer Zahlenreihen (Fibonacci) angeordnet. 1963 ist Judd gemeinsam mit Dan Flavin, Robert Morris, Frank Stella, Ellsworth Kelly ineiner vielbeachteten Ausstellung in der Green Gallery, New York zu sehen. Die dort ausgestellten Exponate werden heute als Beginn der Minimal Art »avant la lettre« gefasst – erst 1965 wird der Begriff, den Judd für sich selbst stets ablehnte, als Stil-Begriff auf die genannten Künstler bezogen.

Im Jahr 1963 entstehen auch Judds erste freistehende Boxen, die weit deutlicher einen statischen und objekthaften Charakter als die Wandreliefs erzeugen. Wie sperrige Aufbewahrungskisten sind diese als sichtbare Hohlkörper in Quaderform konzipiert. Oft fehlt die Bodenplatte, schmale Kanten machen die Dünnwandigkeitder verwendeten Materialien deutlich sichtbar. Seit 1964 verwendet Judd statt des bemalten Holzes zunehmend Sperrholz und schließlich Industriemetalle(Walzblech, Messing, Aluminium), daneben auch Plexiglas.

In seinem Aufsatz »Specific Objects« definiert Judd die Grundlagen, die für sein nachfolgendes Werk Geltung haben werden (Arts Yearbook, 8/1965). Er betont insbesondere seine Distanz zur »europäischen Tradition«, deren »Kompositions-Effekte« (Radiogespräch mit Bruce Glaser, 1964) er als überholt ansieht. Auf der Suche nach einem grundlegenden, nicht-narrativen und nicht-hierarchischen Ordnungs-Prinzip ernennt Judd den Quader zur vorbildhaften Form. Teilungen und serielle Anordnungen bestimmen die jeweiligen Sinneseindrücke, in denen sich, so Judd, Gesetze der Gestaltwahrnehmung äußern. Bald geht der Künstler dazu über, die Boxen aus standardisierten Materialien anfertigen zu lassen, um handwerkliche bzw. industrielle Fertigung und ihre Standardisierungen vollständig vom künstlerischen Entstehungsprozess zu trennen – ein Verfahren, das in der Kunstwelt oft auf Kritik stößt.

Mit der programmatischen Ausstellung »Primary Structures: Younger American and British Sculptors«, die 1966 im Jewish Museum New York stattfindet, wird Judd imKontext einer Künstlergruppe wahrnehmbar, der u.a. auch Carl Andre, Sol Lewitt, Robert Morris und Tony Smith angehören. 1968 findet Judds erste Retrospektive im Whitney Musuem of American Art statt.

Seit 1969 entstehen Arbeiten, die zunehmend den Innen- und Außenraum reflektieren – sei es, dass Judd Objekte konstruiert, die Bezug auf konkrete Räumlichkeiten nehmen, sei es dass er sich selbst als Möbeldesigner und Architekt betätigt. Mit dem Erwerb eines Gebäudekomplexes in Marfa/Texas 1973 und der nachfolgenden Wandlung in eine Stiftung ruft Judd einen Ausstellungsort für eigene Arbeiten und die anderer Künstler der Minimal und Concept Art ins Leben.

Donald Judd stirbt 1994 in New York.

Literaturauswahl

Donald Judd: Ausst.-Kat. Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen Düsseldorf u.a., hg. v. Nicholas Serota, Köln 2004

Donald Judd. Architektur: Ausst.-Kat. Museum für Angewandte Kunst Wien, hg v. Peter Noever, Stuttgart 1991

Donald Judd: Ausst.-Kat. Staatl. Kunsthalle Baden-Baden, hg. v. Jochen Poetter, Baden-Baden 1989// Donald Judd. Paintings, Objects and Wood-Blocks 1960 — 1974: Ausst.-Kat. National Gallery of Canada, hg. v. Brydon Smith, Ottawa 1975

 

Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014 Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum Foto: Tobias Roch, Hagen Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger

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