Diango Hernández

Hernández nimmt eine kritische Haltung gegenüber den politischen und gesellschaftlichen Verhältnissen im sozialistischen Kuba ein. Teils greift der Künstler abstruse Alltagsrealitäten seines Heimatlandes auf, teils zeichnet er die Mangelwirtschaft und Überregulation als prägende Eindrücke des Landes.

Diango Hernández wird 1970 in Sancti Spíritus in Kuba geboren. Er studiert von 1988 bis 1994 Industriedesign am Havana Superior Institute of Design. Nach dem Abschluss begründet er eine Zusammenarbeit mit Künstlerkollegen unter dem Namen »Ordo Amoris Cabinet« (bis 2003). Diango Hernández arbeitet verschiedentlich als artist in residence an künstlerischen Institutionen, unter anderem 2012 in der Fondazione Brodbeck in Catania, Italien, 2010 in der Blood Mountain Foundation in Budapest, 1998 am Ludwig Forum für Internationale Kunst in Aachen und 1997 am Banff Centre for the Arts in Alberta, Kanada.

Hernández nimmt eine kritische Haltung gegenüber den politischen und gesellschaftlichen Verhältnissen im sozialistischen Kuba ein. Teils greift der Künstler abstruse Alltagsrealitäten seines Heimatlandes auf, teils zeichnet er die Mangelwirtschaft und Überregulation als prägende Eindrücke des Landes. In diesem Bild scheinen politische Veränderungen aussichtslos. Dieser harten Realität setzt Hernández etwas entgegen: Die poetische Kraft seiner Arbeiten. Er nutzt die Medien Zeichnung, Malerei, Collage und Video, seine wichtigsten Werkgruppen bilden jedoch Installationen und Plastiken, denn in ihnen verschmelzen seine Ideen unmittelbar mit den verwendeten Materialien – mit Fundstücken. Er nennt sie finds.

So zeigt er beispielsweise 2010 in der Blood Mountain Foundation: A kiss, a hat, a stamp. Dieser Titel bezeichnet bereits drei Merkmale von Hernández’ Kunst: Erstens die Art der Objekte – es sind Dinge des alltäglichen Lebens. Zweitens seinen Umgang mit diesen Objekten – er findet, sammelt und kombiniert sie, stellt sie aus. Und drittens die »Neutralität« der Präsentation – er belässt die finds ohne symbolische Aufladung, ohne Mythenbildung, ohne Attribute. Ihre »Magie« sieht der Künstler vielmehr in der Wirkung der Gegenstände: sie sind für ihn Transfermedien, indem sie die Erinnerungen der Betrachter wachrufen, Gedanken und Gefühle auslösen, Geschichten zutage fördern.

Hernández dokumentiert nicht die jeweilige »Biographie« des einzelnen Objekts. Somit spielt der Ursprung oder Fundort keine Rolle, sondern die finds stellen einen offenen Assoziationsraum her. Mit seiner Partnerin Anne Pöhlmann entwickelt er das Online-Projekt Lonely Fingers. Unter dem Motto »Disconnected Thinking in contemporary Art« sammeln mehrere Künstler unter anderem Bilder von Fundstücken und Fotos von Orten oder Situationen. Sie präsentieren sie in Rubriken wie »An Accidential Ensemble« oder »Konversationsstücke«.

Diango Hernández gewinnt 2012 den Miart-Preis des Rotary Clubs in Mailand, 2009 den Rubens-Förderpreis der Stadt Siegen und 2007 den Icona-Preis der Art Fair Verona. Er nimmt unter anderem 2005 an der Venedig Biennale und der Biennale in Sydney teil und stellt in der Kunsthalle Basel (2006), im Kunstverein Hamburg (2008), dem Haus der Kunst in München und der Hayward Gallery in London (2010) sowie im Museum Schloss Morsbroich in Leverkusen (2010) aus. Soloschauen zeigen 2013 die Galerie Capitain Petzel in Berlin, 2012 die Fondazione Brodbeck in Catania, Italien, 2009/10 das Museum für Gegenwartskunst Siegen, 2008 die Galerie Michael Wiesehöfer in Köln und 2007 der Neue Aachener Kunstverein.

Diango Hernández lebt und arbeitet in Düsseldorf.

Literaturauswahl

Diango Hernández. Living Rooms, a survey: Ausst.-Kat. Museo di Arte Moderna e Contemporanea di Trento e Rovereto, hg. v. Yilmaz Dziewior, Mailand 2011

Lonely Fingers. Diango Hernández: Ausst.-Kat. Skulpturenmuseum Glaskasten, Marl 2011

Dziewior, Yilmaz (Hg.): Wessen Geschichte. Vergangenheit in der Kunst der Gegenwart, Köln 2009

Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014 Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum Foto: Tobias Roch, Hagen Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger

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