Diana Thater

In ihre Videokunst integriert Thater stets Reflexionen über das Medium selbst: die Narration, die Technik, den Raum und die Rolle des Betrachters. Ihr Thema ist der Umgang des Menschen mit der Natur, Protagonisten ihrer stets stummen Filme sind vor allem Tiere und Pflanzen.

Diana Thater wird 1962 in San Francisco geboren. Sie studiert Kunstgeschichte an der New York University bis zum B.A. (1984), wechselt dann an das Art Center College of Design in Pasadena, Kalifornien, wo sie 1990 den Master of Fine Arts absolviert und von 1993 bis 2004 lehrt. 1998 ist sie »artist in residence« an der Art Pace Foundation für zeitgenössische Kunst in San Antonio, Texas, und im Jahr 2005 Stipendiatin der John Simon Guggenheim Memorial Foundation.

In ihre Videokunst integriert Thater stets Reflexionen über das Medium selbst: die Narration, die Technik, den Raum und die Rolle des Betrachters. Ihr Thema ist der Umgang des Menschen mit der Natur, Protagonisten ihrer stets stummen Filme sind vor allem Tiere und Pflanzen. Oo Fifi, fife days in Claude Monets Garden (1992) zeigt mit vier raumfüllenden Videos Blumen, wobei die Farben der Projektionen in Rot, Gelb und Blau aufgespalten sind. In Broken Circle (1997, heute im Museum für Gegenwartskunst Siegen) verzahnt die Künstlerin die Architektur mit Licht und Video: Die Fenster sind mit Folien beklebt und tauchen den Innenraum in farbiges Licht, wodurch eine unwirkliche Atmosphäre entsteht. Auf die Wände werden auf jeder Etage die Aufnahmen je einer von sechs Kameras projiziert, mit denen Thater eine Herde Pferde gefilmt hatte, die durch einen Canyon galoppiert. Die Farben der Videos sind wiederum in die RGB-Töne zerlegt. Die Architektur, das farbige Licht, das Ereignis im Film, die Videotechnik und die Schatten der Besucher auf den Wänden ergeben ein dichtes Zusammenspiel. The best space is deep space (1998) besteht aus zehn im Raum verteilten Monitoren, auf denen der Film eines dressierten Pferdes bei einer Aufführung läuft. Thater zeigt, »dass nicht Natur, sondern deren Darstellung sichtbar wird … indem sie die vermeintlich ursprüngliche animalische Welt durch ›Schauspieler‹, durch dressierte Tiere repräsentieren lässt« (Barbara Engelbach: RGB: Markierung des Nicht-Spezifischen, in: Diana Thater. Keep the faith. A Survey exhibition: Ausst.-Kat. Kunsthalle Bremen; Museum für Gegenwartskunst Siegen, hg. v. Barbara Engelbach u. Wulf Herzogenrath, Köln 2004, 18 29, 24).

Mit Bridget Riley made a painting (1998) bringt die Künstlerin eine weitere Bezugsgröße in ihr Werk ein: Auf zwei voreinander gelagerte Wände wird je eine Nahaufnahme von Zebras projiziert. Die Bewegungen der Tiere mit ihrem gestreiften Fell und die Verschränkung der Projektionsflächen erzeugen eine effektvolle optische Verdichtung. Mit dem Titel-Verweis auf die Malerin Riley, die unter anderem für geometrische schwarz-weiß-Kompositionen bekannt ist, stellt Thater eine Relation zwischen Natur- und Kunstbetrachtung her.

Thater erhält 1993 das National Endowment for the Arts Fellowship. 1995 wird sie mit dem Pries der Kwangju Biennale in Korea geehrt und 2006 verleiht die San Francisco Foundation ihr den James D. Phelan Art Award in der Kategorie Film und Video. 1991 zeigt die Dorothy Goldeen Gallery in Santa Monica Thaters erste Soloschau, 1993 folgt eine Einzelausstellung bei David Zwirner in New York. Eine Überblicksschau findet 1996 in der Kunsthalle Basel und im Kunstverein Hamburg statt, 2004 zeigen das Museum für Gegenwartskunst Siegen und die Kunsthalle Bremen zwei parallele Ausstellungen. 1997 ist Thater auf der Whitney Biennale in New York und bei den Skulptur Projekten Münster vertreten, 2001 im Museum of Modern Art in New York, in der Whitechapel Art Gallery in London und in der Staatlichen Kunsthalle Baden-Baden. 2002 stellt sie in der Fondation Beyeler in Basel, im Nicolaj Copenhagen Contemporary Center und der Österreichischen Galerie Belvedere in Wien aus. 2013/2014 zeigt die Punta Della Dogana in Venedig Arbeiten der Künstlerin.

Diana Thater lebt und arbeitet in Los Angeles.

Literaturauswahl

Diana Thater. Keep the faith. A Survey exhibition: Ausst.-Kat. Kunsthalle Bremen; Museum für Gegenwartskunst Siegen, hg. v. Barbara Engelbach u. Wulf Herzogenrath, Köln 2004

The best animals are the flat animals. The best space is the deep space: Ausst.-Kat. MAK Center for Art and Architecture, Los Angeles, hg. v. Peter Noever, Los Angeles 1998

The individual as a species, the object as a medium. Diana Thater. Selected works 1992 1996: Ausst.-Kat. Kunsthalle Basel; Kunstverein Hamburg, Basel 1996

Foto: Tobias Roch, Hagen Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014 Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum

Zu Sammlung hinzufügen…

×
×
×

Liebe Besucherinnen und Besucher,

seit 2006 gibt die museumsplattform nrw einen umfassenden Einblick in die Sammlungen und Aktivitäten ausgewählter NRW-Museen – und regt damit zugleich auch ein neues Publikum zum Museumsbesuch an. Monatlich 13.000 Besucher*innen belegen das Interesse an diesem einzigartigen Instrument zum interaktiven und kommunikativen Umgang mit Kunst im Netz.

Ein intensiv gepflegter und konstant ausgebauter Newsbereich mit Hinweisen zu Ausstellungen und Veranstaltungen oder Features aus der Kunstszene NRWs gehört ebenfalls dazu. 2013 erhielt die bereits seit zehn Jahren aktive Online-Plattform den bedeutenden Grimme Online Award.

Für den Ausbau dieses Online-Angebots sind wir auf den dauerhaften Beteiligungswillen der Museen angewiesen. Auch wenn die aktive Ausgestaltung derzeit nicht erfolgen kann, laden wir Sie doch herzlich ein, unser breites Angebot zum interaktiven und kreativen Umgang mit der Bildenden Kunst und ihren vielfältigen Formen medialer Vermittlung spielerisch zu erkunden.

Ihr NRW KULTURsekretariat