Dani Karavan

»Hinter meiner Kunst steht die Idee, diese in den Ort so zu integrieren, dass sie Teil davon wird. Es geht weder darum, irgendwo etwas zu installieren, noch darum, einem Ort oder einer Landschaft etwas gewaltsam aufzupfropfen. Was ich mache, soll Teil dessen werden, wo es steht, und zwar so, als wäre es immer schon da gewesen und als könnte es gar nicht anders sein.« (Karavan, in: Kunstforum International, 150/2000).

Dani Karavan wird 1930 in Tel Aviv geboren. Nach dem Studium der Malerei in Tel Aviv und an der Bezalel-Kunstakademie in Jerusalem reist Karavan nach Italien und Frankreich. Er studiert die Freskotechnik an der Accademia di Belle Arti in Florenz und beginnt ein Zeichenstudium an der Académie de la Grande Chaumière in Paris. Im Jahr 1960 beginnt er seine Arbeit als Bühnenbildner, die er bis 1973 an Theatern in Israel, New York (u.a. für die Martha Graham Dance Company), Florenz und Spoleto ausübt.

1962 weitet Karavan seine künstlerische Arbeit auf skulpturale Formen aus und gestaltet Wandreliefs, bald in öffentlichem Auftrag, so u.a. auch das Wandrelief für den Justizpalast in Tel Aviv und für den Plenarsaal der Knesset in Jerusalem die Arbeit Jerusalem City of Peace (1965 — 66). Hier entsteht ein steinernes Flachrelief, dessen geometrische Formation mit spitzwinkligen und kreisrunden Mustern, konkaven und konvexen Einbuchtungen an eine Stadtsilhouette erinnert. Für seine weitere Arbeit jedoch richtungweisender werden die frühen architektonischen Environments, so das Negev-Monument (1963 — 68), das mit seinen Bestandteilen aus sandfarbigem Beton, Wüstenakazien, Windorgeln und Wasser eine monumentale Landschaftsarchitektur in der Negev-Wüste schafft. Das festungsartige Denkmal in der Nähe von Beerscheba – errichtet für den Sieg der Palmach-Brigade von 1948 – besteht aus einer skulpturalen Gruppierung kubischer Gebäude, schiefer Ebenen, schwingender Mauern und Kuppelräume, mit schmalen Durchlässen, die von einem 20 Meter hohen Turm überragt werden. Karavan vermittelt das Kriegsgeschehen und die damit verbundene Erinnerung, indem er die Raumerfahrung als Sprachform nutzt. Kommentare, Schriftzeichen oder Spuren menschlicher Abdrücke setzt er zur historischen Konkretisierung und Deutung des abstrakten Raumerlebens ein. Die hier gewählten Ausdrucksmittel werden auch in den folgenden Jahren zum wichtigsten Medium seiner Arbeit. »Hinter meiner Kunst steht die Idee, diese in den Ort so zu integrieren, dass sie Teil davon wird. Es geht weder darum, irgendwo etwas zu installieren, noch darum, einem Ort oder einer Landschaft etwas gewaltsam aufzupfropfen. Was ich mache, soll Teil dessen werden, wo es steht, und zwar so, als wäre es immer schon da gewesen und als könnte es gar nicht anders sein.« (Karavan, in: Kunstforum International, 150/2000).

Karavan wird im Jahr 1971 durch eine Einzelausstellung in der Galerie Bellini in Florenz zunehmend international wahrgenommen. Ab 1975 entwickelt er seine ersten Arbeiten für Museen und öffentliche Einrichtungen in New York und Mailand. Nach der Teilnahme an der Biennale in Venedig 1976, folgen Ausstellungen im Rahmen der Documenta 1977 und 1987.
Der öffentliche Raum wird bestimmendes Interesse in den Arbeiten Karavans, deren Formenvokabular die Orientierung am städtischen Grundriss und seinen Baukörpern auch in den folgenden Jahren beibehält und weiter variiert, so u.a. bei Kikar Levana (Weißer Platz), 1977 — 88 in Tel Aviv. Hier fungieren Blickachse, Platz und turmartige bzw. pyramidale und kugelförmige Elemente wie Teile eines Baukastenprinzips, die repräsentative, kommunikative und meditative Raumerlebnisse im zeitlichen Ablauf der räumlichen Erschließung hervorrufen. Weitere Transformationen städtischen Raums entstehen mit der Axe Majeur in Cergy-Pontoise von 1980, einer ca. 3 km langen, skulpturalen Landschaftsachse mit zwölf thematischen Stationen. Auch die Gestaltung des Museumsplatzes Ma’alot (Stufen), 1980 — 86 vor dem Museum Ludwig in Köln ist diesem Themenbereich Karavans verpflichtet.

Die Arbeit an Mahnmalen des Holocaust nimmt besonderen Raum in Karavans Arbeiten ein. So entsteht bereits 1972 das Holocaust Memorial im Weizmann-Institut in Rehovot. Auch mit den folgenden Orten der Erinnerung nutzt Karavan im Raum seiner Environments abstrakte skulpturale Zeichen, um auf Ereignisse und Einzel-Schicksale in der NS-Zeit hinzuweisen. In der Straße der Menschenrechte (1988 — 1993) in Nürnberg wird eine architektonische Achse u.a. von hohen Rundpfeilern gesäumt, die klassizistisches Formenvokabular aufgreifen und mit den Artikeln der Menschenrechtserklärung beschriftet sind. Seine Hommage à Walter Benjamin in Portbou / Spanien (1990 — 94) gestaltet Karavan als Abfolge von Passagen und Korridoren, die neben architektonischen Elementen auch das Zusammenspiel mit der vorgefundenen Landschaft und ihren Materialien berücksichtigen: »Ich hasse das Wort Monument, vor allem in Bezug auf diesen Mann, der sich auf der Flucht vor den Nazis das Leben nahm. Ich bevorzuge Hommage, statt Gedenkstätte. Ich mag es nicht, irgendwem Ratschläge zu erteilen. (…) Hätte man mich nicht zu einem Monument für Walter Benjamin ermuntert, so wäre ich wohl nie auf die Idee gekommen. Jedoch weigerte ich mich in der Vorbereitungszeit, Benjamin zu studieren, um nicht Gefahr zu laufen, zum Illustrator seiner Ideen und seiner Zeitkonzeption zu werden. Mir lag daran, etwas zu realisieren, was einen engen Bezug zur Natur und zum Ort hat und vielleicht auch eine Geschichte erzählt. Eine Geschichte, die über seine Geschichte hinausgeht.« (Karavan, ebd.).

In den 1990er Jahren entstehen zahlreiche weitere Arbeiten, u.a. in französischem Auftrag im Jahr 1993/94 eine Erinnerungsstätte in Gurs. In Regensburg wird im Jahr 2005 Dani Karavans Arbeit Misrach (Osten) eingeweiht. Ein begehbares Bodenrelief macht den Grundriss der Synagoge sicht- und begehbar, die im Rahmen des Regensburger Pogroms von 1519 zerstört worden war. Auch Karavans Beschäftigung mit der Landschaftsarchitektur dauert bis in die Gegenwart an, wovon u.a. sein Garten der Erinnerung (1996 — 99) im Duisburger Innenhafen zeugt.

Dani Karavan lebt in Tel Aviv, Paris und Florenz.

Literaturauswahl

Favole, P.: Plätze der Gegenwart. Der öffentliche Raum in der Architektur, Frankfurt/M. 1995

Straße der Menschenrechte, Dani Karavan: Ausst.-Kat. Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg 1993

// Restany, P.: Dani Karavan, München 1992

Dani Karavan, Dialog Düsseldorf-Duisburg: Ausst.-Kat. Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen Düsseldorf, Wilhelm-Lehmbruck-Museum Duisburg, Düsseldorf 1989

Brockhaus Chr.: Dani Karavan, Ma’alot, Museumsplatz Köln 1979 — 1986, Köln 1986

Foto: Tobias Roch, Hagen Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014 Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum

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