Bridget Riley

Statt Akte und Porträts zu zeichnen, erarbeitet sie strenge Schwarz-Weiß-Kompositionen mit geometrischen Elementen: Rauten, Quadrate, Linien, Zick-Zack-Muster, Streifen, Wellen und Spiralen. Sie erzeugen Illusionen von Bewegung.

Bridget Riley wird 1931 in London geboren. Sie studiert von 1949 bis 1952 am Goldsmiths College of Art, ab 1952 am Royal College of Art in London, und schließt 1955 mit dem Bachelor of Arts ab. Sie befasst sich intensiv mit der Kunst der Moderne und Alten Meistern. 1959 nimmt sie an der Summerschool von Harry Thunbron teil, 1960 reist sie nach Italien und besucht die Venedig Biennale, die sie, wie viele folgende Reisen, stark beeindruckt. Sie arbeitet fortan als freie Künstlerin.

Ab diesem Zeitpunkt lässt sie die akademischen Studien hinter sich. Statt Akte und Porträts zu zeichnen, erarbeitet sie strenge Schwarz-Weiß-Kompositionen mit geometrischen Elementen: Rauten, Quadrate, Linien, Zick-Zack-Muster, Streifen, Wellen und Spiralen. Sie erzeugen Illusionen von Bewegung. So besteht beispielsweise Movement in Squares (1961) aus einem Schachbrettmuster, das sich in der rechten Bildhälfte erst stark verengt und dann erneut weitet, als sei sein Untergrund gewölbt. Riley arbeitet mit starken visuellen Rhythmen, die wie ein Metronom den Takt anzugeben scheinen. Nach eigenen Angaben liegt ihr künstlerischer Ausgangspunkt im französischen Impressionismus. Zudem sensibilisiert ihre Mutter sie früh für die Licht- und Farbspiele in der Natur. Deren »Sehschule« prägt Riley so nachhaltig, dass sich die Effekte in ihrem gesamten Werk zeigen. Dieses große Feingefühl wird ergänzt durch eine rationale Arbeitsweise. Wie exakt, ja mathematisch Riley ihre Bilder vorbereitet, zeigen Skizzen auf Karopapier, mit denen sie die Wirkungen von Farben und Formen studiert, jede Einflussgröße genau bemisst und kontrolliert.

In den 1980er Jahren wendet Riley sich einem Farbreichtum zu, den sie ihre »ägyptische Palette« nennt. Inspiriert von antiken Malereien konzentriert sie sich neben Schwarz und Weiß auf milde Töne: Türkis, Blau, Grün, gebrochenes Rot. Das Bild November (1990) besteht aus Rauten und ist von Vertikalen und Diagonalen stark strukturiert, dennoch lässt es Tiefe und ein lebhaftes Flimmern entstehen. In Arcadia 1 (2007) setzt Riley geschwungene Formen ein, die in einer aufstrebenden, fast tänzerisch-leicht wirkenden Komposition zusammenspielen. Rileys Bildformate werden mit der Zeit raumfüllend groß, bisweilen arbeitet sie direkt auf Wänden, wie in den Varianten der Composition with Circle, in denen sie Kreisformen auf weißem Untergrund in situ anordnet.

1962 zeigt die Gallery One in London Rileys erste Solo-Ausstellung. Bereits 1965 nimmt sie an der großen Überblicksschau »The Responsive Eye« im Museum of Modern Art in New York teil, die Rileys internationalen Durchbruch begründet. 1968 ist sie auf der Biennale in Venedig, 1968 und 1977 auf der Documenta in Kassel engagiert. 1970 wird eine Retrospektive in Europa gezeigt, 1978 in Japan, Australien und den USA. Es folgen viele große Ausstellungen, unter anderem 2003 in der Tate Gallery in London, 2008 im Musée d’art moderne de la ville de Paris, 2010/2011 in der National Gallery, London und 2012 im Museum für Gegenwartskunst in Siegen.

Bridget Riley wird mit vielen Auszeichnungen geehrt: 1963 erhält sie den Preis der John Moore’s Liverpool Exhibition und den AICA Critics Prize, auf der Venedig Biennale 1968 den Internationalen Preis für Malerei und 1999 Order of the Companions of Honour. Die Universitäten Oxford (1993) und Cambridge (1995) verleihen ihr die Ehrendoktorwürde. Die Japan Arts Association in Tokyo würdigt sie 2003 mit dem Praemium Imperiale. 2004 wird sie Mitglied der Akademie der Künste in Berlin, 2009 bekommt sie den Goslarer Kaiserring und 2012 den Rubenspreis der Stadt Siegen.

Riley unterhält Ateliers in Frankreich und England.

Literaturauswahl

Kudielka, Robert (Hg.): Malen um zu sehen: Bridget Riley. Gesammelte Schriften 1965 2009, München 2012

Bridget Riley – From life: Ausst.-Kat. National Portrait Gallery, hg. v. Bridget Riley u. Paul Moorhouse, London 2010

Bridget Riley – New Work: Ausst.-Kat. Museum Haus Esters; Kaiser Wilhelm Museum Krefeld, hg. v. Martin Hentschel, Ostfildern-Ruit 2002

Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014 Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger Foto: Tobias Roch, Hagen

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