Bram Bogart

Museale Ausstellungen seiner Werke sind obligat und das Besondere an Bogarts Farbkörperausstellungen ist, das sie riechen, wie Körper dünsten sie Öl- und Terpentingerüche aus. Ab 1972 quillt die Farbmasse über das Formatgeviert hinaus, die scheinbar kaum zähmbare Farbmasse bildet schrundige, irreguläre Bildränder, jedes der Bogartschen Farbakkumulationen wird zum eigenen Farbkontinent mit monumentaler Eigengesetzlichkeit und Eigenständigkeit..

Bram Bogart wird am 27. Juli 1921 in Delft geboren. Sein Vater, Abraham van den Boogaart, ein Schmied und seine Mutter Cornelia Stichter unterstützen ihren jüngsten Sohn, der früh beschließt, Maler zu werden. Er erhält eine Grundausstattung an Pinseln und Farben und kopiert zunächst Motive aus Zeitungen und Magazinen, doch 1932 entsteht auch bereits seine erste Komposition Vase mit Veilchen. Ab 1933 besucht Bogart in Delft die technische Schule für Kunst und Gewerbe, an der er eine fundierte farbtechnische Ausbildung erhält, ab 1935 folgt ein 2-jähriges Fernstudium der zeichnerischen Techniken. Bogart nimmt 1939 erfolgreich Kontakt zur Galerie Bennewitz in Den Haag auf, kann dort ausstellen, verkauft Arbeiten und lebt bereits von seiner Kunst. Seit 1940 orientiert sich Bogart an Vincent van Goghs Bildern, aber auch am erdfarbenen Expressionismus des belgischen Malers Constant Permeke, der 1947/48 eine große Retrospektive in Paris hat. Um dem Arbeitsdienst der deutschen Besatzung zu entgehen, geht Bogart 1943 an die Kunstschule in Den Haag. 1944 entsteht, ganz dem Expressionismus folgend, sein erstes Selbstporträt.

Per Anhalter reist Bogart 1946 nach Paris, das für die 50er Jahre sein Arbeitszentrum wird. Sein erster Aufenthalt gilt dem Selbststudium im Louvre, doch ist er auch an der »Akademie Le Grand Chaumiere« eingeschrieben. In den folgenden vier Jahren pendelt er zwischen Delft, Den Haag, Paris und Südfrankreich, wo er 1950 ein Atelier in Le Cannet hat. In dieser Zeit trifft er in Paris sowohl auf Künstler des Tachismus, des Informel und auf die Gruppe der Nouveau Realistes, mit denen er 1956 und »57 gemeinsam ausstellt. Doch zudem inspiriert ihn die zementartige, kalkige Rauputzoberfläche der Grimaldi-Architektur der Côte d’’Azur.

Ein besonderer Zufall scheint es, dass Picasso ab 1946 im ersten Stock des Château Grimaldi, das damals das städtische Museum von Antibes beherbergt (heute Musée Picasso), sein Atelier hat und aus nachkriegsbedingtem Materialmangel in dieser Zeit mit Asbestzement arbeitet und Sperrholzplatten als Malträger benutzt. In den Niederlanden und Belgien wiederum steht Bogart der Gruppe CoBrA nahe. Expressionismus, gestischer Tachismus, die alte Leonardosche Forderung, sich als Künstler von Mauerwänden inspirieren zu lassen, maltechnische Experimente wie sie zeitgleich Dubuffet, Picasso, Tàpies und auch Emil Schumacher ausführen, die eine veränderte Farboberflächengestalt und -wirkung zum Ziel haben, zusammen mit der heimischen Kultur der Fayencegefäße und -kacheln, dem typischen Delfter Blau und letztlich der malerische Delikatesse eines Vermeer van Delft bilden zunächst den Pool aus dem sich Bogarts künstlerische Anfänge speisen.

Ab 1952 signiert er konsequent mit Bram Bogart. Seine zunächst mittelformatigen Arbeiten zeigen heftigen, reliefierten, gestischen Farbauftrag mit Format füllenden geometrischen Grundformen wie horizontale oder vertikale Striche, oft auch als Farbgrenze gesetzt, Kreise, Quadrate und Kreuze. Diese monumentalisiert Bogart durch ihre Vereinzelung im Bildformat. Durch sein Temperament des gewichtig, wuchtigen Farbauftrages und durch die schiere Größe des isolierten Gestus entstehen die für Bogart fortan so spezifischen Farbkörper, deren Farbmaterieindividualität so kennzeichnend für seine Arbeit ist. Daneben entstehen lebenslang«geschriebene’ Zeichnungen, die die Vorlage zu Bogarts Carborundum-Radierungen sind. Seit 1950 kann Bogart seine Malerei kontinuierlich sowohl in Frankreich, z.B. in der Galerie Martin Cruson in Cannes als auch in Holland, immer wieder in der Galerie Bennewitz in Den Haag ausstellen. In diesem Jahr beginnt Bogart auchsein Experiment, zugleich mit Öl- und Wasserfarben zu arbeiten und diese Farben mit Zumischungen wie Marmormehl oder andere verfestigende Stoffe zu einer Art plastischen Masse zu formen. Die Materialität und Strahlkraft der Pigmente verdichtet und verfestigt sich drastisch zur Farbkörperhaftigkeit, zu einem farbräumlichen Gegenüber. Bogarts Farbauftragsschichten werden kontinuierlich dicker. Es entstehen Farbreliefs, deren Oberflächenstruktur wie plastisch erarbeitet erscheinen und eine materielle Farbformhermetik erzeugen, aber zugleich wie selbstständig gefügt, wie in einem Fließmoment erstarrt den Bewegungsprozess des Geformten transportieren. Eine vergleichbare, in ihrem Ausdruck so eigenständige Farbschichtplastizität erreicht gleichzeitig zu Bogart der französische Maler Eugene Leroy (1910 — 2000), der jedoch erst 1992 mit der Documenta IX durch Jan Hout regelrecht entdeckt wurde.

Bram Bogart kann nicht nur bereits in den 1950er Jahren europaweit ausstellen (Paris, Frankfurt/M., London, Brüssel, Düsseldorf, Rom), sondern findet 1953 in Steef De Vries auch einen von vielen weiteren mäzenatischen Sammlern. Ende der 50er entstehen erste monochrome Farbschichtreliefs. 1961 lässt sich Bogart in Brüssel nieder, 1962 ist er erstmals in Schweden. Mittlerweile sind seine Bildträger Holzplatten, deren Rückseite durch Metallstreben verstärkt sind, damit sie den Farbmassen standhalten und noch für die Wandhängung geeignet sind. Das Farbschichtrelief erreicht mittlerweile eine Höhe von 20 bis 30 cm – dasaussagekräftige Gewicht von Bogarts großen Formaten liegt zwischen 250 und 300 kg. Das arbeiten im 1. Stockwerk wird für Bogart zum statischen Problem.

1963 verlässt er Brüssel und geht nach Ohain ins wallonische Brabant. Ein Jahr später ist er mit der Arbeit Lokland (1963) in einer Guggenheim-Ausstellung in New York präsent, wo er bis heute neben seiner Galerienpräsenz museal vertreten ist. 1969 wird Bram Bogart belgischer Staatsbürger und hat über Skandinavien, Deutschland, Frankreich, England und Italien beste Künstler-, Sammler- und Galeriekontakte. Museale Ausstellungen seiner Werke sind obligat und das Besondere an Bogarts Farbkörperausstellungen ist, das sie riechen, wie Körper dünsten sie Öl- und Terpentingerüche aus. Ab 1972 quillt die Farbmasse über das Formatgeviert hinaus, die scheinbar kaum zähmbare Farbmasse bildet schrundige, irreguläre Bildränder, jedes der Bogartschen Farbakkumulationen wird zum eigenen Farbkontinent mit monumentaler Eigengesetzlichkeit und Eigenständigkeit. 1977 verlegt seine Galeristin Marianne Hennemann in Bonn die Monographie von Manfred de la Motte über Bram Bogart. Im Boymans-van Beuningen Museum in Rotterdam hat Bogart 1984 seine erste große Retrospektive, die seine Arbeiten der Jahre 1950 bis 1983 zeigt. 1987 verlässt er Ohain, zieht vorübergehend nach Brüssel, um sich 1991 in Kortenbos niederzulassen. Dort werden seine Formate erneut größer und erreichen eine gewaltige, auratische Raumpräsenz. 1992 entsteht ein Film über sein Schaffen. Mit seinen Farbmassen schon immer skulptural denkend entstehen 1994 zwei mehr als 16 Meter hohe Skulpturen für den Platz vor der VSB-Bank in Utrecht. 2005 ist ihm in der städtischen Kunsthalle Recklinghausen eine umfassende Werkschau »Bram Bogart: Malerei 1950 — 2005« gewidmet.

Bram Bogart lebt und arbeitet in Kortenbos.

Literaturauswahl

Bram Bogart: Malerei 1950 — 2005: Ausst.-Kat. Städtische Kunsthalle Recklinghausen, hg. v. F. Ulrich, H.-J. Schwalm, Recklinghausen 2005

Drijveren: Armando en de Informel; Bram Bogart, Henk Peters u.a.: Ausst.-Kat. Armando Museum Amersfort, bearb. v. H. Westgeest, Amersfort 2003

Antwerpen / Bruxelles ’60: Bram Bogart u.a.: Ausst.-Kat. Kunstmuseum Winterthur, hg. v. D. Schwarz, Winterthur 2002

Schwarz, W.; de la Motte, M. (Hg.): Das graphische Werk. 1996 — 1999, Bram Bogart, Pulheim 2000

Bram Bogart: retrospectief: Ausst.-Kat. Museum voor Moderne Kunst, Ostende, hg. v. W. van den Busche, B. Bogart, Brügge 1995

Bram Bogart: Official Web Site (Stand 2008)

Foto: Tobias Roch, Hagen Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014

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