Benno Elkan

Trotz des Malereistudiums tritt Benno Elkan von Beginn an als Bildhauer, u.a. von Grabskulpturen auf. Sein heftig diskutiertes Skulpturenprojekt der Menora, das zeitgleich mit der Gründung des Staates Israel entsteht und mehrfache Veränderung erfährt, wird als »Geschenk des ältesten an das jüngste Parlament« von England an Israel übergeben und nach provisorischer Platzierung, 1966 gegenüber dem Haupteingang der neu erbauten Knesset aufgestellt.

Benno Elkan wird 1877 in Dortmund geboren. Nach kurzer kaufmännischer Tätigkeit in Amsterdam, wechselt er zunächst ab 1897 an die private Kunstschule des Malers Walter Thor in München, dann 1898 in die Klasse Johann Herterichs an der dortigen Kunstakademie. Unterbrochen durch den Militärdienst, setzt er sein Studium der Malerei 1901 in Karlsruhe bei Friedrich Fehr fort.

Trotz des Malereistudiums tritt Elkan von Beginn an als Bildhauer, u.a. von Grabskulpturen Wandelnde (1904) auf. In Dortmund begegnet er der Pianistin Hedwig Einstein, der Schwester des Kunsthistorikers und Moderne-Theoretikers Carl Einstein (1885 — 1940), die er 1907 heiratet. Wie viele Künstler der Zeit bricht auch Elkan 1905 nach Paris auf, bezieht ein Atelier und beteiligt sich noch im gleichen Jahr an einer Ausstellung der »Société Nationale des Beaux-Arts«. Dort begegnet er auch Auguste Rodin, schließlich dem Maler Jules Pascin, mit dem ihn bald eine Freundschaft verbindet und den er um 1909 portraitiert. Elkan schließt sich keiner jener Künstlergruppen an, die in der Zeit das Kunstgeschehen in Paris prägen. Wenn hier auch beispielsweise mit der Grabmalsfigur Flötenspieler (1906) Arbeiten in der Nähe des Jugendstils entstehen, behalten seine vornehmlich für den Dortmunder Ostfriedhof gestalteten Grabreliefs und Skulpturen doch stark antikisierenden Charakter und folgen dem ikonografischen Kanon (Persephone, 1908; Todesgang, 1910; Kniender Mann mit erloschener Fackel, 1910). 1906 kann Elkan seine Skulpturen – vermutlich seinem Förderer Karl Ernst Osthaus verdankt – erstmalig in Dortmund ausstellen.

Auch mit den Medaillenaufträgen widmet sich Elkan einem eher traditionellen skulpturalen Genre. Die zahlreichen Portrait-Reliefs, vermitteln ein facettenreiches Bild v.a. des künstlerischen und literarischen wie politischen Klimas im Europa des beginnenden 20. Jahrhunderts. Offizielle Erinnerungsmedaillen entstehen für Hans Thoma (1909), Frank Wedekind (1914), Gerhard Hauptmann (1909), Alfons Paquet (1931) wie für zahlreiche Staatsvertreter und Industrielle in Rhein- und Ruhrgebiet.

Elkans Aufenthalt in Rom 1908 — 11 und die Italienreisen prägen die hier entstehenden Skulpturen und Reliefs, die nun stärkere Einflüsse der italienischen Kunst der Renaissance spüren lassen, aber auch von der Auseinandersetzung mit der antiken Architektur zeugen (Bergpredigt, 1909). An seinem neuen Aufenthaltsort in Alsbach an der Bergstraße arbeitet Elkan an der Gedenkmedaille Gustav Mahlers, den Portraitbüsten Frank Wedekinds und Alfred Flechtheims, aber auch an seinem ersten großen Steindenkmal für den jüdischen Friedhof in Mönchengladbach (Stein der Klage, 1912). 1908, 1910 und 1912 nimmt er in der Kunsthalle Bremen, 1915 in Wiesbaden an Ausstellungen teil.

1919 übersiedelt Elkan nach Frankfurt und engagiert sich dort nun auf kulturpolitischem Parkett. Er wird Vorsitzender des Künstlerrats in Frankfurt, betätigt sich als Sammler, veröffentlicht kunsttheoretische Beiträge und Künstlerbücher (»Deutsche Kunst und Dekoration«; »Spanien. Von einem Künstler gesehen«, 1926) und verfasst 1927 das Libretto zu Ernst Tochs Oper »Die Prinzessin auf der Erbse«. Im Auftrag der Stadt arbeitet er hier zunächst an einer monumentalen Stele einesMahnmals für die Opfer des I. Weltkrieges, die unrealisiert bleibt. Die ersatzweise errichtete frühere Denkmalsskulptur (Heldenklage, 1913/14) gerät aufgrund ihres Hinweises auf die Opfer des Krieges in die Kritik vor allem des nationalistischen Lagers. Elkan hält jedoch an seinem Entwurf einer »allen Opfern« gewidmeten trauernden Frauengestalt aus Granit fest und übernimmt einen Auftrag der Stadt Völklingen mit gleicher Themenstellung: 1925 wird das Denkmal (auf den deutsch-französischen Krieg 1870/71 umgewidmet) dort realisiert, 1929 entstehen neue Varianten nahe Bauzen und auf dem Liberal Jewish Cemetery von Willesden Green in London. Mit diesen Arbeiten avanciert Elkan in den 1920er Jahren zu einem Spezialisten für öffentliche Denkmalsaufgaben, auch Kriegsdenkmäler in Deutschland. Seine Arbeiten werden nun im auch Kontext großer Moderne-Ausstellungen, so 1928 in Düsseldorf (»Deutsche Kunst«) gemeinsam mit Werken u.a. von Josef Albers, Willy Baumeister, Lyonel Feininger, aber auch zahlreicher Künstler aus dem Dunstkreis des »Jungen Rheinlands« bzw. der »Rheinischen Sezession« gezeigt.

Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten werden auch die Werke des jüdischen Bildhauers Elkan aus dem öffentlichen Raum entfernt. Die Familie wird schikaniert, die weitere künstlerische Arbeit in Deutschland wird für den Künstler unmöglich. Dem nach England und die USA fliehenden Sohn Wolf Elkan folgt die Familie mit einem Teil der Werke und Modelle um 1934 ins Londoner Exil. Hier entstehen bald erneut Porträtaufträge (John D. Rockefeller, 1934; Walter Stucki, 1935;Prince Edward of Kent, 1937; Lord Beverage, 1943), aber auch Elkans Tiergruppe Orang-Utan Family (1938; heute Zoo Edinburgh) oder das Erinnerungsrelief für den Autor des »Dschungelbuchs« Rudyard Kipling (1938) – Werke, die Elkan 1936 zum Teil im Rahmen einer Einzelausstellung in London ausstellen kann.

Kirchliche Auftragsarbeiten schließen sich an: Nun entstehen skulpturale Leuchter, teils mit christlichen Motiven – darunter auch zwei große Bibelleuchter für die Westminster Abbey, aber auch ein Davidsleuchter. Die Auseinandersetzung mit dieser Aufgabe führt Elkan bald zur Idee eines großen, für eine Hafeneinfahrt in Palästina geplanten Leuchters als Symbol des Judentums, später auch zu ersten Relief-Entwürfen einer »Geschichte des jüdischen Volkes von der biblischen Zeit bis zur Moderne mit der Gründung des Staates Israel« (Künzl, Die Menora in Jerusalem, o.O. o.J.). 1950 präsentiert der nun stärker an der Geschichtsdarstellung des Judentums interessierte Künstler in London die ersten vier, fast vollplastischen Reliefs der Menora, die zum Teil auf eine Holzschnittsammlung des 19. Jhs. zurückgehen. Das heftig diskutierte Skulpturenprojekt der Menora, das zeitgleich mit der Gründung des Staates Israel entsteht und mehrfache Veränderung erfährt, schließt Elkan 1956 mit der Präsentation in der Londoner Tate Gallery ab. Im gleichen Jahr wird die vielleicht am erkennbarsten an der Figurenauffassung Rodins orientierte Plastik als »Geschenk des ältesten an das jüngste Parlament« von England an Israel übergeben und nach provisorischer Platzierung, 1966 gegenüber dem Haupteingang der neu erbauten Knesset aufgestellt.

Nach seinem Exil wird der Künstler im Ausstellungskontext erst in den 1950er Jahren wieder wahrgenommen. In jüngerer Zeit widmen ihm die Städte Aalen, Frankfurt und Dortmund Ausstellungen.

Benno Elkan stirbt 1960 in London.

Literaturauswahl

Becker, A. (Red.): Das Denkmal Allen Opfern des Bildhauers Benno Elkan in Völklingen, Sonderausgabe zu Benno Elkans Mahnmal zum Gedenken an die Opfer des Ersten Weltkrieges, (Stadtarchiv Völklingen, Völklinger Schätze), Völklingen 2008

Menzel-Severing, H.: Benno Elkan – Ein Bildhauer zwischen Tradition und Moderne. In: Archiv für Frankfurts Geschichte und Kunst 69 (2003), 79 — 97

Hofmann, F.; Schmieder, P.: Benno Elkan. Ein jüdischer Künstler aus Dortmund. Essen 1997

Menzel-Severing, H.: Der Bildhauer Benno Elkan, Diss. phil. Dortmund 1980

Elkan, B.: Spanien. Von einem Künstler gesehen, München 1926

Elkan, B.: Die Große Reise der Tante Clementine (Kinderbuch), 1921

Elkan, B.: Polnische Nachtstücke, München 1918

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