Arno Rink

Heute verbinden sich mit dem Hochschulprofessor und Maler Arno Rink, der bis 2007 an der Leipziger Hochschule lehrt, Phänomene einer wiederbelebten Malerei in den 70er und 80er Jahren, der Malerei der »Leipziger Schule«, schließlich der »Neuen Leipziger Schule«, wie sie u.a. von Rinks Schüler und Assistenten Neo Rauch vertreten wird.

Arno Rink wird 1940 in Schlotheim/ Thüringen geboren. Während der Schulzeit wird sein Interesse an der Kunst geweckt, er beginnt zu zeichnen und bewirbt sich schließlich in der 10. Klasse an der Arbeiter- und Bauernfakultät (ABF) in Dresden, an der er 1958 — 61 bei Gerhard Stengel, Franz Tippel, Erich Hering und v.a. Gottfried Bammes ausgebildet wird. 1961 bewirbt sich Rink in Leipzig an der Hochschule für Grafik und Buchkunst, und kann, nach anfänglicher Ablehnung, 1962 dort sein Studium zunächst bei Werner Tübke, Hans Mayer-Foreyt und Harry Blume beginnen. Bald wechselt er in der Fachlasse von Bernhard Heisig, kommt auch in Kontakt zu den Studenten Hartwig Ebersbach, Heinz Zander oder Günther Glombitza. Über diese Zeit fasst Rink retrospektiv zusammen: »In der Fachklasse hat sich auf der Basis unserer Traditionslinie, die eine ganz andere als die in den alten Bundesländern war, immer mehr eine Absicht herauskristallisiert. Wir knüpften an die Manieristen, an Dürer, Kollwitz und Grünewald an. Hinter der Mauer waren wir auch vor Beuys geschützt. Wir, die Stelzmänner, die Rinks, die Tübkes, wie sie auch hießen, verfügten über alle Ruhe und Zeit der Welt. Wenn es darum ging, unsere Mittel zuhause zu erproben, da waren wir uns einig und auch stark. Nur auf der Biennale sah es ganz anders aus. Dort landeten wir flugs in einem Topf mit den Russen, den Bulgaren und Rumänen.« (Rink, in: KFI 176 (2005), 172).

Nach dem Studium arbeitet Rink in Leipzig zunächst als freischaffender Maler, dann wird er Assistent von Gerhard Eichhorn an der dortigen Hochschule für Grafik und Buchkunst, an der er 1972 auch selbst die Lehrtätigkeit aufnimmt. Ab 1978 leitet er die Fachklasse für Malerei und Grafik (bis 2005), wird von 1987 — 94 Rektor der Hochschule. Seit 1975 kann Rink regelmäßig ins Ausland reisen, u. a. in die ehemalige Sowjetunion, Italien, Indien, Kuba und mehrfach in die damalige Bundesrepublik Deutschland. Kunstpreise der DDR (1978, 1984) und seine Mitgliedschaft im Verband Bildender Künstler der DDR dokumentieren Rinks dortige Reputation und Rezeption ebenso wie seine Ausstellungspräsenz. Heute verbinden sich mit dem Hochschulprofessor und Maler Arno Rink, der bis 2007 an der Leipziger Hochschule lehrt, Phänomene einer wiederbelebten Malerei in den 70er und 80er Jahren, der Malerei der »Leipziger Schule«, schließlich der »Neuen Leipziger Schule«, wie sie u.a. von Rinks Schüler und Assistenten Neo Rauch vertreten wird.

Ende der 1960er entstehen im Rahmen von Rinks Diplomarbeit die figuralen Bilder Lied vom Oktober I und II, die seinem Bericht nach, der »Traditionslinie« seiner »Lehrer folgend«, auf die Beschäftigung »mit Phänomenen wie der ›Pariser Kommune‹ (vgl. Pariser Kommune, 1971/72, eine Auftragsarbeit für das Armeemuseum in Dresden; Spanien 1938, 1974) und die Tradition des Historienbildes zurück gehen. Zugleich fußen sie auf der Auseinandersetzung mit dem Medium des Films (Eisenstein) und den Darstellungsmöglichkeiten simultaner Ereignisse bzw. ›verschiedener Zeit- und Raumebenen‹ (ebd.), die für Rinks weitere Arbeit bedeutungsvoll bleiben.

Immer wieder bewegt Rink sich auch an der Grenze zu abstrakteren Bildfindungen. Gewollt bleibt der Bezug zum Figürlichen, Erzählerischen meist bestehen, wenn sich auch die Farbkompositionen der Gemälde bisweilen vom Gegenstand lösen und auch das grafische Œuvre oft von abstrakten Formfindungen gezeichnet ist (Die Nacht der Unabhängigen, 1976).

Rinks weitgefasstes Bildspektrum seit den 1970er Jahren, das auch die stetige Selbstreflexion des Künstlers im Porträt umfasst, lässt ebenso Bearbeitungen surrealistischer Bild- und Figurenkonzepte (Italienische Begegnungen, 1978) wie den Umgang mit kanonisierten, auch mythologischen Bildthemen – von ›Ritter, Tod und Teufel‹, ›Maler und Modell‹ bis Salome- oder Ledadarstellungen – und der christlichen Ikonografie erkennen. Mit freien Bildzitaten, ikonografischen Adaptionen und einer offenen Stilrezeption zeugen auch seine Gemälde der 1980er Jahre von der Auseinandersetzung vor allem mit der mittelalterlichen und neuzeitlichen Malerei und Grafik wie Kunst der Klassischen Moderne: Bezugspunkte lassen sich u.a. im Bildpersonal Hieronymus Boschs oder auch der Farb- und Figurenkompositionen Otto Dix’ oder Max Beckmanns finden (Der Aufstieg, 1985). Zunehmend verdichten sich auch fragmentierte und puppenhafte Körper und Figurengruppen in einer am Surrealismus Salvatore Dalis orientierten Bildsprache (Die Unabhängigen III (Narrenschiff), 1980/81; Anglerstrand, 1989/90), an die auch Rinks spätere, z.T. düstere, traumartig-visionäre und psychologisierend-erotische Motivik seit den 1990er Jahren anknüpft (Unterm Tuch, 1994; Versuchung, 1997; Lots Töchter, 2007).

Ausstellungen widmen sich den Arbeiten Rinks u.a. 1981 in den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, Albertinum, im Museum der bildenden Künste Leipzig (1982) oder in der Kunsthalle Rostock (1983). 1988 nimmt er an der Biennale in Venedig teil. 2005 werden seine Arbeiten in den Kunstsammlungen der Städtischen Museen Zwickau, 2006 im Rahmen von Themenausstellungen zur Leipziger und deutschen Malerei in der Sammlung Essl, Klosterneuburg und der Ludwig Galerie Schloss Oberhausen gezeigt.

Arno Rink lebt und arbeitet in Leipzig.

Literaturauswahl

Arno Rink, Bilder: Ausst.-Kat. Galerie an der Festhalle, Hohenaschau u. Galerie Schwind, Frankfurt am Main, Leipzig/ Frankfurt 2008

Arno Rink. Max-Pechstein-Ehrenpreis der Stadt Zwickau 2005: Ausst.-Kat. Kunstsammlungen der Städtischen Museen Zwickau u.a., Zwickau 2005

Arno Rink. Malerei und Zeichnung: Ausst.-Kat. Kunsthalle der Sparkasse Leipzig, Leipzig 2003

Arno Rink. Gemälde, Druckgraphik, Handzeichnungen: Ausst.-Kat. Staatl. Museum Schloss Burgk, Burgk 1984

 

Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014 Foto: Tobias Roch, Hagen Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger

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