André Derain

»Ich fühle mich keinem Prinzip verpflichtet – außer dem der Freiheit -, aber meine Vorstellung von Freiheit ist, dass sie der Tradition verbunden sein muss. Ich will nicht irgendwelche Theorien darlegen darüber, was in der Kunst zu tun sei. Ich male einfach so gut ich nur kann«.

André Derain wird am 10. Juni 1880 in Chatou bei Paris geboren. Bereits mit 15 Jahren malt Derain Landschaften, ab da gilt seine erste künstlerische Orientierung bis 1898 der Malerei von Camille Corot (1796 — 1875). Derain adaptiert die späte Landschaftsmalerei Corots, der als Pleinairist der Schule von Barbizon angehörteund als ein Vorläufer der Impressionisten gilt. 1898 bis 1901 besucht Derain die Akadémie Carrièrre in Paris und ist bereits eng mit Maurice de Vlaminck befreundet, mit dem er seit 1900 ein Atelier teilt. Zu Derain und de Vlaminck stößt Henri Matisse, der sich mit vergleichbaren gestalterischen Problemen zum Verhältnis von Farbe, Licht, Raum und Form befasst. Auch die Auseinandersetzung mit der Arbeit Manets, van Goghs, Gauguins und Cézannes ist den Künstlern gemeinsam. Matisse, de Vlaminck und Derain sind 1905 gemeinsam im Salon d’Automne in Paris beteiligt. Sie erhalten durch die Kritik den Gruppennamen der »Fauves«, der Wilden, wobei Derain tatsächlich die expressivste Position vertritt. Doch zunächst absolviert Derain drei Jahre Militärdienst und nimmt 1904 sein Studium an der Akadémie Julian in Paris wieder auf. 1905 schließt er dort ab und ist zu dieser Zeit von der Galerie Ambroise Vollard vertreten. In diesem Jahr tritt er auch seine erste London-Reise an, es entstehen Stadtporträts wie das Gemälde Regent Street, London und eine Serie von Themsebildern. Das Londoner Publikum nimmt Derains Arbeiten sehr positiv auf. 1905 lernt Derain Pablo Picasso kennen. Bei einem gemeinsamen Aufenthalt in Collioure entstehen expressive Kompositionen in der Auseinandersetzung mit Delacroix und Paul Signac. 1908 immer deutlicher unter dem Einfluss von Picasso und Braque und deren früher kubistischer Phase, wendet sich Derain nun von der starkfarbigen Buntheit des Kolorits der Fauves ab, reduziert seine Palette auf grau gebundene, erdige Mischtöne und rezipiert konzentriert das Werk von Cézanne. Im gleichen Jahr verbringt er mehrere Sommerwochen mit Picasso in Cadaquès in Spanien. Die dort entstehenden Landschaftskompositionen beider ähneln sich stark in ihrer blockhaften Reduktion. In Avignon kommt es 1910 nochmals zu einer gemeinsamen Arbeitsphase, doch folgt Derain Picasso nicht in dessen analytischen Kubismus. Im Gegenteil wendet sich Derain 1911 erneut der naturalistisch figürlichen Malerei und auch religiösen Themen wie dem des Letzten Abendmahls zu. Ständig setzt sich Derain mit Positionen der europäischen Malerei auseinander, ohne dabei jedoch die Entwicklung seiner Malerfreunde Matisse, Picasso und de Vlaminck außer Acht zu lassen. Je nach Thema, Motiv und Ausdrucksgehalt entscheidet er sich für einen Malstil oder kombiniert diese, was ihmbereits vor dem I. Weltkrieg in eine Sonderposition innerhalb der Pariser Avantgarde gibt. In den Jahren 1913/14 ist Derain international bei Ausstellungen vertreten, im ersten »Deutschen Herbstsalon« der Galerie Sturm in Berlin ebenso wie in der »Armory Show« in New York. 1912 hat er Kontakt zur deutschen Expressionisten-Gruppe Der blaue Reiter und stellt in München aus. Entstand 1907 Derains erste Steinskulptur, so illustriert er 1912 einen Gedichtband von Max Jacob. Schon vor dem I. Weltkrieg, an dem er aktiv teilnehmen muss, ist Derain Maler, Bildhauer und Grafiker. Wie Picasso entwirft auch Derain Kostüme und Bühnenbilder für Oper- und Ballettaufführungen von Serge Diaghilew, der mit seinem Ballett in ganz Europa gastiert. 1919 entwirft Derain die Kostüme und die Bühne für Diaghilews »La Boutique Fantastique«. Wiederum der Biographie Picassos ähnlich, bewirkt auch der Rombesuch Derains 1921/22 eine neue Klassizität besonders in seinen Porträts. Hatte er 1916 bei Paul Guillaume in Paris seine erste Einzel-Ausstellung , so folgt 1935 die erste große Retrospektive in der Kunsthalle Bern und ein Jahr darauf im Petit Palais in Paris. In der Jahren der deutschen Besatzung Frankreichs ab 1942 zieht sich Derain aus der Pariser Avantgarde zurück. Kollaboration kann ihm zwar nicht nachgesagt werden, doch befremdet noch heute seine Berlinreise 1944 die einer Ausstellung der Skulpturen Arno Brekers gilt und ihn im Zuge der Entnazifizierung gesellschaftlich isoliert. In seinem bildnerischen Schaffen nutzt er alle Sujets klassischer Malerei: religiöse Historien, Stillleben, Porträts, Akte, Landschaften und Interieur. Sein bildhauerisches Werk ist besonders durch die Rezeption afrikanischer und ozeanischer Stammeskunst und die Skulpturen der deutschen Expressionisten inspiriert. Seine Illustrationen stellt er in den Dienst des Textes. Sein künstlerisches Credo formuliert er folgendermaßen: »Ich fühle mich keinem Prinzip verpflichtet – außer dem der Freiheit -, aber meine Vorstellung von Freiheit ist, dass sie der Tradition verbunden sein muss. Ich will nicht irgendwelche Theorien darlegen darüber, was in der Kunst zu tun sei. Ich male einfach so gut ich nur kann«. Wenn für die französische Kunst der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts der Begriff Expressionismus zutrifft, dann für das künstlerische Werk von André Derain zu, dass bereits postmoderne Spuren aufweist. Von der Kunstöffentlichkeit vergessen stirbt André Derain am 8. September 1954 in Graches im Departement Haut-de-Seine an den Folgen eines Autounfalls. Posthum ist er auf den ersten drei Documenta-Ausstellungen in Kassel vertreten (I/1955, II/1959, III/1964). Erst 1994 widmet ihm das Pariser Musée d’Art Moderne in Paris eine umfassende Retrospektive. Literaturauswahl

André Derain: Ausst.-Kat. Statens Museum for Kunst, Kopenhagen, hg. v. J. Monod-Fontaine, Kopenhagen 2007

Whitfield, S.: André Derain – London, in: The Burlington Magazine, 148/2006, 1234, 44 — 45

Maier-Preusker, W.: Ecole de Paris, Wien 2005

Aufbruch in die Moderne: Ausst.-Kat. Museum Folkwang, Essen, hg. v. F.A. Baumann, W. Feilchenfeldt, Ostfildern-Ruit 2004

André Derain: Ausst.-Kat. Musée de l’Annonciade, hg. v. J.-P. Monery, Saint Tropez 2003

Kellermann, M.: André Derain. Catalogue raisonne de l’oeuvre peint. Bd. 1 — 3, Paris 1992/2000

Coray, P.: André Derain – Bildhauer, Berlin 1994

Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014 Foto: Tobias Roch, Hagen Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum

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