Allen Jones

Seine künstlerische Interessen, die er sowohl auf dem Feld der Malerei und Grafik wie auch mit Combine Paintings und seinen bekannten Skulpturen der 1960er Jahre verfolgt, verhandeln Sexualität und Pornografie. Allen Jones wendet sich konsequent und provozierend der Pin-Up-Ästhetik und den Körperkonstrukten der Medien zu.

Allen Jones wird 1937 im englischen Southampton geboren. Er studiert 1955 — 60 am Hornsey College of Art und am Royal College of Art in London, kommt dort mit den Studienkollegen R.B. Kitaj, Peter Phillips, Derek Boshier und David Hockney in Kontakt, die ebenso wie Jones Anfang der 1960er Jahre zu den wichtigsten Vertretern der britischen Pop Art zählen werden. Nach dem Studium beteiligt sich Jones 1961 an der legendären Ausstellung »Young Contemporaries«, die die Pop-Art bekannt macht. Zwischen 1961 und 1963 unterrichtet er Lithografie am Croydon College of Art, 1964 im Fach Zeichnen an der Chelsea School of Art. Ab 1964 lebt Jones für zwei Jahre in New York. Seit Beginn der 70er Jahre lehrt er an verschiedenen Kunstakademien in den USA, in Kanada und Deutschland, so u.a. an der Hambuger Hochschule für Bildende Kunst, der University of California, Los Angeles oder der Hochschule der Kunste in Berlin. 1986 wird Jones Mitglied der Royal Academy.

Jones’ künstlerische Interessen, die er sowohl auf dem Feld der Malerei und Grafik wie auch mit Combine Paintings und seinen bekannten Skulpturen der 1960er Jahre verfolgt, verhandeln Sexualität und Pornografie. Kurz nach dem wenig älteren britischen Pop Art-Künstler Peter Blake wendet er sich konsequent und provozierend der Pin-Up-Ästhetik und den Körperkonstrukten der Medien zu. Die Beziehungen der Geschlechter, aber auch der Waren- und Konsumcharakter vornehmlich des weiblichen Körpers sind Gegenstand seiner Werke, die oft zwischen den künstlerischen Gattungen der Skulptur und Malerei angelegt sind: Farbig bemalte Skulpturen, Objekt-Bild-Konstellationen, Übermalungen oder Collagen, auch unter Verwendung von Zeitschriftenmaterial. Neben dem weiblichen Körper und seiner Präsentation als pornografischem Vermarktungsobjekt nehmen seine Arbeiten auch reduziertere, an seine frühen abstrakt-kubistisch wirkenden Gemälde erinnernde Zeichen auf. Zu diesen zählen ebenso phallische Motive wie auch grellbunte Bilder von Alltagsgegenständen, wie Autos (Buses, 1964), Schuhen (Shoe Wheel, 1964/64) oder auch Schaufensterpuppen.

Ende der 1960er erregen Jones hoch provokante, lebensgroße weibliche Figuren aus farbig bemaltem Fiberglas mit Naturhaar, mit aufreizenden Leder-Accessoires und sexuellen Requisiten Aufmerksamkeit. Zu Möbelstücken, Tischen, Stühlen oder Kleiderständern mutiert, zeigt Jones standardisiert gestaltete weibliche Figuren in SM-Stellungen. Die Figuren entstehen tatsächlich im kommerziellen Kontext und werden nach Jones Anleitung und Zeichnungen in Schaufensterpuppen-Werkstätten von Skulpteuren gefertigt. Durch ihre aufreizenden Posen und ihre offenkundige Funktionalisierung als Gebrauchsgegenstand (als Tisch oder auch Sessel), aber auch als sexuelles Reizobjekt steigert Jones die Pin-Up-Ästhetik zur Pornografie und gibt die Figuren überdies im Ausstellungskontext den voyeuristischen Blicken der Betrachter preis (Hatstand, 1969; Chair, 1969; Table, 1969) – eine Präsentationsform, die dem Künstler auch Kritik der zeitgenössischen Emanzipationsbewegung einbringt.

In den 1970er Jahren entsteht ein verändertes, oft malerisch und grafisch gefasstes Werkspektrum, das zwar den Themenschwerpunkten der früheren Arbeiten folgt, nun aber teils deutlicher von dem Formenrepertoire und den Collage- wie Übermalungstechniken des Surrealismus und dessen tiefenpsycholgischen Erkundungen der Sexualität (Cut-a-Way, 1976) inspiriert ist. Auch die Zeitschriften-, Werbe- und Comicästhetik seit den 1920er Jahren (Ways and Means, 1976/77) dienen ihm als Fundus. Oft von wortspielerischen Werktiteln begleitet, zeugen Jones Werke nun überdies von einer eher ironischeren Verhandlung von Geschlechterrollen und Sexualität. Und auch seine aktuelleren Werke bleiben der Perspektive auf den menschlichen Körper verpflichtet, wenn sie sich nun thematisch auch stärker dem Sport, Tanz und der Bühne zuwenden. Die früheren puppenhaften Figuren weichen hier einer veränderten Figurenauffassung zwischen gegenständlichem und abstraktem skulpturalem Ausdruck in zum Teil monochrom-flächiger Farbgebung, zwischen Dreidimensionalität und Flächigkeit (Acrobat, 1993). Jones Œuvre umfasst auch großformatige im öffentlichen Raum platzierte Skulpturen.

Seit Beginn der 1960er Jahre ist Jones in internationalen Einzelausstellungen vertreten (u.a. New York, Köln, Mailand, Tokyo, Wien, Edinburgh, Düsseldorf, Basel, Venedig, Paris, Madrid), nimmt u.a. 1964 an der Documenta 3 und 1968 an der Documenta 4 teil. Große Retrospektiven werden ihm ausgehend von der Walker Art Gallery, Liverpool, dem ICA, London und dem Barbican, London gewidmet. Jones Werke sind in zahlreichen großen Sammlungen vertreten.

Allen Jones lebt und arbeitet in London.

Literaturauswahl

Allen Jones: Ausst.-Kat. Royal Academy of Arts, hg. v. A. Lambirth, London 2005

Allen Jones, Prints: München 1995

Allen Jones, Retrospective of paintings,1957 — 1978: Ausst.-Kat. Walker Art Gallery, Liverpool; Staatliche Kunsthalle Baden Baden, hg. v. H.-A. Peters, Chr. Klemm u. I. Bartsch, Baden Baden 1979

Livingstone, Marco: Allen Jones, Sheer magic, London 1979

Foto: Tobias Roch, Hagen Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014

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