Alfonso Hüppi

In dem plakativem Farbspektrum bestimmten Objektfassungen von Alfonso Hüppi dokumentiert sich ein Interesse an den Wechselwirkungen von Fläche und Raum u.a. im Verhältnis von Figur und Grund und der Konfrontation zeichenhaft-linearer Elemente mit dem plastischen Wirkpotenzial der Malerei.

Alfonso Hüppi wird 1935 in Freiburg i.Br. geboren. Nach einer Silberschmiedelehre in Luzern (1950 — 54) arbeitet Hüppi vorübergehend als Hammerarbeiter bevor er 1959 das Studium der Bildhauerei an der Kunst- und Werkschule in Pforzheim ergreift und anschließend an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg Kalligrafie studiert. 1961 — 64 ist Hüppi Lehrbeauftragter für Schrift und Malerei an der dortigen Hochschule, bis 1968 Mitarbeiter der Staatlichen Kunsthalle Baden-Baden. 1974 erhält Hüppi eine Professur für Malerei an der Kunstakademie Düsseldorf, die er bis 1999 innehat.

Hueppis Arbeiten zeugen bereits Ende der 1950er Jahre von der Öffnung grafischer Zeichen in die Dreidimensionalität – Aspekte die wohl ebenso auf seinen Objektumgang als Goldschmied wie seine Interessen an der Kalligrafie zurückzuführen sind und in den frühen Naturstudien fassbar werden. Er beschäftigt sich seit den 1960er Jahren ganz grundsätzlich mit den Voraussetzungen, Grundlagen und Bedingungen von Kunst. Entscheidende Bedeutung für sein weiteres Werk fällt dem experimentellen Umgang mit Materialien wie Holz und Papier, z.B. in den Holzreliefs und bemalten Holzobjekten zu, die zunächst in seiner Zeit als Mitarbeiter der Kunsthalle Baden-Baden entstehen. Hier stehen die Grenzen der Zwei- zur Dreidimensionalität, die Reliefwirkungen und das Spannungsverhältnis von Fläche zu Raum auf dem Prüfstand, das Hüppi in der Folge auch in veränderten Medien – bis hin zu großen, schräg gestellten Tafeln bzw. installativen Objektkonstellationen – weiterverfolgt.
In Hueppis von plakativem Farbspektrum bestimmten Objektfassungen dokumentiert sich dieses Interesse an den Wechselwirkungen von Fläche und Raum u.a. im Verhältnis von Figur und Grund und der Konfrontation zeichenhaft-linearer Elemente mit dem plastischen Wirkpotenzial der Malerei (Knotentrommel, 1965;Bogenfeld, 1969). Hier entmaterialisiert und negiert zum Teil die Übermalung Material und Objekteigenschaften, behauptet eine neue, aus der bildhaften Überdeckung gewonnene Objektpräsenz und eine neue Bedeutungsdimension.

Seine Entwürfelungen der 1970er Jahre – Holzkisten, die Hänge hinunter gerollt, sich selbst zerlegen – weisen derart in Bretter oder Bretterreihen zurückverwandelt, aus der Fläche und Schichtung nur noch mittelbar auf die körperhafte Präsenz der früheren vollständigen Gegenstände zurück. Wie die Holzteppiche oderBogenfelder gewinnen sie in ihrer neuen Struktur und insgesamt abgeschwächten Farbigkeit veränderte reliefartige und lineare Eigenschaften, die aber noch an den früheren Verwendungskontext des Materials erinnern. Über ein weiteres Verfahren kann Hüppi dagegen auch jene Eigenschaften nutzen, die am ursprünglichen, vorgefundenen Gegenstand, z.B. einer Tür, vordefiniert waren (Hommage à Tadeusz Kantor, von 1966).

Bis zu den großen Maltafeln Ende der 1980er Jahre, deren Holz Hüppi ungrundiert bemalt, zum Teil auch stellenweise ganz frei lässt, bleibt das Material Malgrund und wesentlicher Bestandteil der objekthaften Arbeiten. Neben Holz tritt dann das Papier als Hueppis zweiter Materialschwerpunkt, treten Serigrafien und vor allem Zeichnungen, die bis heute sein Œuvre begleiten. Auch hier interessieren ihn die materialspezifischen Eigenschaften, die der Künstler in gerissenen, geknüllten, aufgeworfen strukturierten und bemalten Arbeiten und Collagen der 1980er Jahre untersucht. Immer wieder scheint in Hueppis Arbeiten ausgehend von den Zeichnungen auch das Interesse an der figürlichen Darstellung durch, so u.a. am ebenso spielerisch wie mit Sprachwitz behandelten Motiv des Kopfes (Zwei Holzköpfe, 1990) bis hin zu den formal reduzierten Scheibenköpfen der 1990er Jahre (Euro, 2000) und schließlich den Illustrationen und eigenen Aphorismen.

Erste Einzelausstellungen Hueppis finden u.a. 1964 in der Wuppertaler Galerie Parnass und der Staatliche Kunsthalle Baden-Baden, 1973 in der Kunsthalle Bern statt. 1970 ist er auf der Biennale di Venezia vertreten, 1977 nimmt er an der Documenta VI teil. In jüngerer Zeit sind Hueppis Arbeiten u.a. 1996 im Museum für Neue Kunst in Freiburg i.Br., 1997 im Kunstmuseum Solothurn zu sehen. Themenausstellungen widmen sich u.a. seinem Werk unter dem Aspekt der Materialität (Staatliche Kunsthalle Baden-Baden, 1976), im Hinblick auf das Verhältnis von Skulptur und Farbe (Gesellschaft für aktuelle Kunst, Bremen, 1983) oder auch unter dem Aspekt des Spielerischen (Karl-Ernst-Osthaus-Museum, Hagen, 1989).

Hüppi lebt und arbeitet in Baden-Baden.

Literaturauswahl

Teuber, D.: Alfonso Hüppi – Vom Malen, vom Sehen, vom Reisen und vom Schweigen, hg. v. d. Staatlichen Kunsthalle Baden-Baden, Baden-Baden 1997

4 Hueppi: Ausst.-Kat. Museum für Neue Kunst Freiburg i. Br. u. Kunstmuseum Solothurn, Freiburg 1996/97

Alfonso Hueppi, Marabut: Ausst.-Kat. Museum am Ostwall u.a.O., Dortmund 1991

Alfonso Hueppi, Tag- und Nachtstücke, Tafeln: Ausst.-Kat. Städtische Galerie, Baden-Baden 1989

Bilder und Objekte von Alfonso Hueppi: Ausst.-Kat. Galerie Medici, Solothurn 1985

Alfonso Hueppi, Bilder und Fetzen 1980 — 1984: Ausst.-Kat. Städtische Galerie im Park, Viersen 1984

Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014 Foto: Tobias Roch, Hagen Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum

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