Alf Lechner

1957 entsteht seine erste abstrakte Stahlskulptur, mit der sich die ausschließliche Konzentration auf die konzeptuelle Stahlbildhauerei in den 60er Jahren vorbereitet. Grundlegend für Lechners Skulpturen sind die geometrischen Grundfiguren des Kreises, der Kugel, des Rechtecks und der Quader.

Alf Lechner wird am 17. April 1925 in München geboren. Nach Kriegsteilnahme und Gefangenschaft lernt er in den Jahren 1945 — 48 bei dem spätimpressionistischen Landschaftsmaler Alf Bachmann in Ambach am Starnberger See. 1948 beginnt Lechner eine Schlosserlehre, gründet einen eigenen Betrieb und arbeitet in Personalunion als Maler, Graphiker, Lichttechniker und Stahlarbeiter. In den 1950er Jahren wendet er sich auch dem Industriedesign zu, entwirft Stühle, Lampen, erfindet und produziert spezielle Operationslampen. 1957 entsteht Lechners erste abstrakte Stahlskulptur, mit der sich die ausschließliche Konzentration auf die konzeptuelle Stahlbildhauerei in den 60er Jahren vorbereitet.

Grundlegend für Lechners Skulpturen sind die geometrischen Grundfiguren des Kreises, der Kugel, des Rechtecks und der Quader. Additive Skulpturenblöcke, deren einzelne Elemente in rechnerischer Proportionalität zueinander gesetzt sind, bestimmen zunächst seine Arbeit. Die schweren Stahlquader, Stahlgitter, Kreisumfangsegmente und tragenden Stahlplatten montiert Lechner so, dass für die Anschauung nahezu der Grenzwert möglichen Gleichgewichtes erreicht ist und der schwere, groß dimensionierte Stahl eine frappierende Leichtigkeit zu erhalten scheint. Das gewichtige Ausgangsmaterial wird von Lechner gewalzt, gebogen, geschmiedet oder geschweißt, letztlich geschliffen, poliert oder gebürstet. Überwiegend erscheint die Skulpturenoberfläche in einer patinierten Rostfarbe. Bei Skulpturen im öffentlichen Raum nimmt Lechner durch Formen und Dimensionen immer Bezug zum architektonischen Umfeld, stellt Beziehungen zwischen Materialien und Formen her.
Ähnlich konsequent wie der jüngere James Reineking, der als Stahlbildhauer der amerikanischen Minimal Art zugerechnet wird und seit 1980 in Deutschland lebt und arbeitet, variiert Lechner immer wieder die Grundformen der euklidischen Geometrie und ist dem Konzept des skulpturalen Minimalismus verpflichtet. Beide Bildhauer begegnen sich später an der Kunstakademie in München in den 90er Jahren.

1965 erhält Alf Lechner ein Arbeitsstipendium des BDI. So entstehen für die Linde AG raumgreifende Würfelskelettkonstruktionen, wie sie Lechner auch für den Park des Skulpturen Museums in Marl als Rahmenkonstruktion von 1972 erarbeitet. Hier werden vier riesige Gitterquadrate kombiniert, unten stehen zwei nahtlos nebeneinander, ein drittes ist aufgesetzt, das vierte in der Diagonalen auf die Spitze gestellt und in den Leerraum des unteren eingekantet. So überragt seine gegenüberliegende Eckkante das gesamte Viererensemble. Bei aller Monumentalität dieser Skulptur erreicht Lechner hier eine anschauliche Leichtigkeit, als hätten Giganten mit Gitterwürfeln gespielt.

In den 70er Jahren entstehen die Werkreihen Konjunktionen, 1974 und 1976/77 die Flächenentwicklungen. Nun setzt Lechner zur Stabilisierung seiner Stahlgitter auch Glas ein, so dass sowohl die zeitgleiche Stahlskelettarchitektur reflektiert wird, als auch das skulpturale, verglaste Stahlskelett durch seinen abgeschlossenen Innenraum ein nicht begehbares Raumvolumen definiert. Für die IGA in München schafft Lechner 1983 eine Brunnenskulptur, die Wasser über einen quadratischen Rahmen führt und so eine fließende Wasserwand entsteht – ein Prinzip das 2008 durch Olafur Eliasson mit seinen Wasserfällen an Brücken in Manhatten weiter gedacht wird. Additiv einander zugeordnete Kuben und Quadratgitter werden oft so weit in die Diagonale oder in spitze Winkel gekippt wie dies die Statik der Materialmassen gerade noch zulässt.

1990/91 ist Lechner Gastprofessor und später Honorarprofessor an der Münchner Kunstakademie und wird 1995 Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste. In Deutschland ist Alf Lechner vielenorts mit Skulpturen im öffentlichen Raum vertreten. Vor der Alten Pinakothek in München steht seit 1996 seine Skulptur Zueinander, die aus drei, in ihrer Größe unterschiedlich proportionierten und in die Schräge gekippten Quadern besteht und kann durchaus als abstrakter Kommentar zur Struktur des Sammlungsbestandes der Alten Pinakothek aufgefasst werden.

In seinen Zeichnungen und Druckgrafiken geht Lechner in der Fläche den gleichen Aufgabenstellungen nach wie in seinen plastischen Arbeiten, wie die drei Aquatinta-Blätter der Kunstsammlungen der Ruhr-Universität Bochum zeigen. 1999 gründet Lechner eine Stiftung und kann 2002 das Alf-Lechner-Museum in Ingolstadt gründen. 2005 ist er mit einer elegant geschwungenen, raumgreifenden Stahllinie auf der Skulpturenmeile in Hannover vertreten.

Seit 1968 hat Alf Lechner jährlich Einzelausstellungen in bundesweiten Galerien und ist im Sammlungsbestand zahlreicher Museen und wichtiger Skulpturensammlungen vertreten. Er lebt und arbeitet in einem ehemaligen Hüttenwerk in Obereichstätt im Altmühltal.

Literaturauswahl

Bauer, M.: Auf der Suche nach der Form – Alf Lechner zum 85. Geburtstag, Sendung des Bayerischen Fernsehens vom 8.8.2010

Alf-Lechner-Stiftung (Hg.): Alf Lechner – Feuer und Flamme, Ingolstadt 2005

Zeller, U. (Hg.): Alf Lechner. Zeichnungen und Skulptur, Stuttgart 1998

Alf Lechner. Skulpturen 1990 — 1995: Ausst.-Kat. Wilhelm-Lehmbruck Museum u.a.O., hg. v. C. Brockhaus, Duisburg 1995

Alf Lechner, Zeichnungen, Ausst.-Kat. Wilhelm-Hack-Museum Ludwigshafen, hg. v. R.W. Gassen, Ludwigshafen 1990

Honisch, D.: Alf Lechner – Skulpturen, Werkverzeichnis, Nürnberg 1990

Foto: Tobias Roch, Hagen Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014 Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum

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