Alex Müller

Es sind schließlich »Gesamt-Kunst-Stücke«, die die Künstlerin jeweils am Ausstellungsort individuell entwickelt, also raumspezifisch konzipiert. So sind immer neue, nicht konservierbare Einflüsse wirksam, reale Gegebenheiten, Zufälle und Konditionen, auf die Alex Müller reagiert. Dadurch entstehen gattungsübergreifende Arbeiten, die den Betrachter überraschen, das Vertraute mit einem Mal befremdlich wirken lassen.

Alex Müller wird 1971 in Düren geboren. Sie absolviert zunächst eine Druckerlehre und studiert von 1997 bis 2004 an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig bei Raimund Kummer und John M. Armleder.

Wollte man ein Markenzeichen der Künstlerin Alex Müller benennen, müsste es wohl die Vielfalt sein. Vielfalt zeichnet die Motive und Erzählungen, Medien und Gegenstände, Themen und Quellen ihrer Werke aus. Müller arbeitet in Malerei, aber nicht allein auf »klassische« Weise auf Papier oder Leinwand, sondern ebenso auf zusammengenähten Stoffen, zusammengenagelten Brettern, vorhandenen Wänden. Sie baut Objekte, aber keine »klassischen« Plastiken, sondern vielmehr Möbel und Gegenstände aus der Alltagswelt, die sie verfremdet. Sie entwickelt Installationen, belässt es aber nicht bei einer Komposition, sondern entwickelt ganze Räume aus Bildern und Objekten, Wänden und Böden, Farben und Licht. Es sind schließlich »Gesamt-Kunst-Stücke«, die die Künstlerin jeweils am Ausstellungsort individuell entwickelt, also raumspezifisch konzipiert. So sind immer neue, nicht konservierbare Einflüsse wirksam, reale Gegebenheiten, Zufälle und Konditionen, auf die Alex Müller reagiert.

Dadurch entstehen gattungsübergreifende Arbeiten, die den Betrachter überraschen, das Vertraute mit einem Mal befremdlich wirken lassen. Zu diesem Effekt tragen die Titel maßgeblich bei: Müller leiht sie sich oft von Protagonisten aus Sagen und Legenden wie für die Rauminstallation Cassiopeia und der Alberich (Leopold-Hoesch-Museum, Düren 2009). Alberich, der Zwerg mit der Tarnkappe und Hüter des Schatzes aus dem Nibelungenlied oder Cassiopeia aus der griechischen Mythologie, die mit ihrer Hybris den Zorn der Götter auf sich gezogen hatte, kommen aber in den einzelnen Arbeiten nicht vor, sodass die Suche des Betrachters ins Leere läuft beziehungsweise er auf der Suche viel Unerwartetes findet. Andere Werk- und Ausstellungstitel haben narrativen Charakter wie Mischa hat alles für immer (Ausst. Düsseldorf, 2005), Die Marthas auf dem Weg zu Fritz (2009) oder aber sie sind aus Kunstworten gebildet. So hat der Titel Karamelmühle (2008) seinen Ursprung in Lewis Carolls »Alice im Wunderland«, dem imaginären Land, in dem die Fantasie regiert.

Auch in ihrer Aquarellmalerei setzt Müller auf den Verfremdungseffekt: Vor allem ihre Figurenbilder wirken auf den ersten Blick rasch durchschaubar: Farbintensive Porträts scheinen sich bereitwillig zu zeigen, wäre da nicht dieses Moment, das den Blick fängt, das uns länger hinsehen lässt: Die Figur im Bild sieht uns an, ihr Blick ist wie abwesend, verschleiert und zugleich durchdringend. Dies erreicht Müller teils durch die typischen Farbverläufe des Aquarells, teils durch mehrere Bildebenen, in denen sie klare Linien wie von einer deutlichen Vorskizze stehen lässt, zum Beispiel Im Hier und Morgen (2012). In Cissy und Bellamy (2011) entfaltet sich ein weiterer Effekt: das tiefe Rot des Bildgrundes ist leuchtend wie das Licht einer Dunkelkammer, und genauso erscheint die Figur, als würde sie wie in einem Entwicklerbad langsam auftauchen. So ist Müllers Kunst mit detektivischer Bestandsaufnahme aller Details und der Untersuchung ihrer Arbeitstechniken und -prozesse zwar analytisch beizukommen, wie tragend diese Rezeption aber ist, bleibt fraglich. Weiterführender verspricht das Angebot der Künstlerin an eine sinnliche Herangehensweise zu sein – das sich Hingeben an die Vielfalt.

Alexandra Müller nimmt seit 2003 an vielen Ausstellungen teil, so 2009 mit Shannon Bool in der Kunsthalle Baden-Baden, 2006 im Kunstverein Bonn und 2005 im Zentrum Paul Klee, Bern und im Kunstmuseum Stuttgart.

Sie lebt und arbeitet in Berlin.

Literaturauswahl

Alex Müller – Cassiopeia und der Alberich: Ausst-Kat. Leopold-Hoesch-Museum & Papiermuseum Düren, hg. v. Renate Goldmann, Berlin 2012

7 × 14. Georg Baselitz, Almut Heise, Imi Knoebel, Kriwet, Markus Lüpertz, Palermo und andere: Ausst.-Kat. Staatliche Kunsthalle Baden-Baden, hg. v. Karola Kraus, Köln 2009


Frischzelle 02. Alex Müller – Wände haben Mäuse, und Mäuse haben Ohren: Ausst.-Kat. Kunstmuseum Stuttgart, hg. v. Kunstmuseum Stuttgart, Stuttgart 2005

Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014 Foto: Tobias Roch, Hagen Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum

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