Agnes Martin

Ihr Ziel ist es, alles aus dem Bild zu tilgen, was Assoziationen erlaubt. Ihr Fokus geht nach innen, jedoch nicht ins Private, denn »the worst thing you can think about when you’re painting is yourself.« (Martin im Interview mit Chuck Smith und Sono Kuwayama, November 1997)

Als Agnes Martin im Jahr 1912 in Maklin, Kanada, geboren wird, wird in Deutschland durch die revolutionäre »Sonderbund-Ausstellung« die Moderne endgültig eingeleitet. Während Martin von 1934 bis 1937 am Western Washington College in Bellingham auf Lehramt studiert, herrscht in der US-amerikanischen Malerei der anti-moderne Regionalismus vor. In der Zeit ihres zweiten Studiums in Fine Arts am Teachers College der Columbia University in New York 1941 bis 1946 (B.A.) und der folgenden Jahre als Lehrerin, entwickelt der gleichaltrige Jackson Pollock seine expressive und subjektive Malerei, inspiriert von der europäischen Avantgarde und der Kunst der Native Americans. Bis Agnes Martin US-amerikanische Staatsbürgerin wird (1950), den Master of Arts an der Columbia University absolviert und nach Jahren in Taos, New Mexico (1954 1957), in die junge New Yorker Kunstszene eintaucht, ist der »Amerikanische Expressionismus« zur einflussreichsten Kunstbewegung in den USA geworden. New York ist das Zentrum der Moderne, und in diesem Zentrum startet Agnes Martin ihre Karriere.

Hat sie bisher figurative, noch surrealistisch inspirierte Motive gemalt, wendet sie sich nun konsequent der abstrakten Malerei zu. So besteht Desert Rain (1957) ausschließlich aus nebeneinander gelegten, zarten Farbfeldern, die wie von einem Nebel überzogen sind; ein Effekt, den Martin durch Beimischen von Gips erzeugt. Sie gibt ihren Werken Titel wie Rain, Morning Star oder Aspiration. Sie verwendet stets ein Querformat und ordnet ihre Bilder immer stärker in Gitternetzen und Linien, wie man sie aus Schulheften kennt. Die Handschriftlichkeit bleibt jedoch erkennbar: der Ansatz des Pinsels, leichte Abweichungen von der Linie. Sie wählt helle Farbtöne, die sich oft nur durch Nuancen unterscheiden und die strengen Formen mit luftiger, fast sphärischer Stimmung füllen. Wo sie die Farbunterschiede fast zum Verschwinden bringt, entfalten Martins Bilder die stärkste Wirkung. Beim konzentrierten Hinsehen tauchen aus einem offenen Hintergrund Farben und Formen auf, ohne dass der Betrachter einen Punkt fixieren kann.

Ab 1967 pausiert Martin, reist durch Kanada und die USA, lässt sich in New Mexico nieder und zeigt sich erst wieder 1973 mit der Grafikmappe On a clear day. Ihr Ziel ist es, alles aus dem Bild zu tilgen, was Assoziationen erlaubt. Ihr Fokus geht nach innen, jedoch nicht ins Private, denn »the worst thing you can think about when you’re painting is yourself« (Martin im Interview mit Chuck Smith und Sono Kuwayama, November 1997, www.youtube.com/watch [13.05.2014]). Sie möchte das Gefühl erreichen: »Art ist responded with emotion«, sagt sie (ebd.).

1987 ist Martin artist in residence an der Skowhegan School of Painting in Maine. Ihre erste Soloausstellung zeigt die Betty Parson Gallery 1958 in New York. 1973 findet die erste Retrospektive (University of Pennsylvania, Philadelphia) statt. Soloschauen außerhalb der USA zeigen der Kunstraum München (1973), die Hayward Gallery, London, und das Stedelijk Museum, Amsterdam (1977). In Kanada stellt Martin zum ersten Mal 1982 aus (Centre Saidye Bronfman, Montreal). Ab 1992 tourt eine Retrospektive durch die USA und nach Madrid. 1997 gewinnt Martin den Goldenen Löwen der Venedig Biennale. Sie erhält viele weitere Auszeichnungen, darunter die Mitgliedschaft der American Academy New York (1989), den Jawlensky-Preis der Stadt Wiesbaden (1990), den Oskar-Kokoschka-Preis der Österreichischen Regierung, den Distinguished Artist Award der College Art Association und die National Medal of Arts (1998). Das Harwood Museum ihres Heimatortes Taos, New Mexico, widmet ihr 1997 die Agnes Martin Gallery.

Als Agnes Martin 2004 in New Mexico stirbt, ist sie längst die große alte Dame des Abstrakten Expressionismus geworden.

Literaturauswahl

Agnes Martin. Before the grid: Ausst.-Kat. Harwood Museum of Art of the University of New Mexico, hg. v. Tiffany Bell, Taos, New Mexico 2012

Agnes Martin: Paintings and Writings, New York 2000

Agnes Martin. Paintings and Drawings 1974 1990: Ausst.-Kat. Stedelijk Museum, Amsterdam, hg. v. Marja Bloem, Amsterdam 1991

Foto: Tobias Roch, Hagen Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014 Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger

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