Adolf Luther

Das ästhetische Interesse an der Materialität und ihrem Verhältnis zum Licht, aber auch zunehmend an den Grenzbereichen von Malerei, Relief und Skulptur bestimmt seine Arbeit. Es führt Adolf Luther Anfang 1960er Jahre zu den »Entmaterialisierungen«, aber auch zu den aktionsartig entstehenden Assemblagen und Installationen zerstörter Materialien.

Adolf Luther wird 1912 in Krefeld geboren. 1914, nach dem Umzug nach Essen und dem Schulbesuch beginnt er 1934/35 eine Lehre in einem Architekturbüro, setzt seine Ausbildung jedoch schließlich im Verwaltungsdienst der Stadt Essen fort. 1938 holt Luther das Abitur nach und schreibt sich in Köln für das Jurastudium ein, das er 1941 abschließt. Während der Studien- und anschließenden Promotionszeit wird er zum Militärdienst eingezogen, nun entstehen erste Zeichnungen und Aquarelle (Sonnenlicht, 1942), in denen Luther sich autodidaktisch mit Phänomenen des Lichts auseinandersetzt.

In seinen Nachkriegszeichnungen hält Luther sein Arbeitsumfeld fest, beschäftigt sich jedoch zunehmend mit der impressionistischen Bildauffassung (Selbstportrait, 1949), bald mit der Malerei Picassos. Doch will er einen eigenen »Stil erfinden, der es mir ermöglicht, die jenseits der optischen Realität liegenden Wahrheiten darzustellen« (Luther, 1953), zu denen auch die aus der technisierten Gegenwart gewonnene veränderte Wahrnehmung des Lichts zählt. So findet Luther Anfang der 1950er Jahre zur abstrakten Malerei, beantragt 1957 seine Entlassung aus dem Staatsdienst, um sich nun ganz der künstlerischen Arbeit widmen zu können. Mitte der 50er Jahre entstehen zunächst informelle Experimente, die Luther jedoch nicht weiterverfolgt. Seine Suche nach geeigneten Ausdrucksmöglichkeiten führt ihn schließlich zur Farbfeldmalerei (Farbfeldbild, 1958), aus der 1959 auch reliefartige schwarzen Bilder mit Kreide, Öl und Pigment auf Hartfaserplatte hervorgehen (Licht und Materie, 1960). Das ästhetische Interesse an der Materialität und ihrem Verhältnis zum Licht, aber auch zunehmend an den Grenzbereichen von Malerei, Relief und Skulptur bestimmt seine Arbeit. Es führt ihn Anfang 1960er Jahre zu den »Entmaterialisierungen«, aber auch zu den aktionsartig entstehenden Assemblagen und Installationen zerstörter Materialien (Flaschenzerschlagungsraum, 1961), die ebenso Verbindungen zur Aktionskunst wie zu Zero aufweisen – zum »anschaulichen Nachweis der konkreten Qualitäten des Lichts« und der »Ablösung des Lichts von der Materie, durch die es sonst nur fassbar wird.« (Honnef 1979).

Anfang der 1960er Jahre entwickelt Luther mit Lichtschleusen aus Glasbruchstücken die ersten Lichtobjekte, schließlich die Brillenglas- und Linsenobjekte, mit deren optischen Gläsern er Licht und Bewegung fassen kann. Luther konzentriert sich nun vor allem auf Installationen, die das Licht durch die Sichtbarmachung physikalischer Effekte gleichsam materialisieren und dabei den Umgebungsraum einbeziehen. 1966 experimentiert er mit konkav und konvex gewölbten Hohlspiegeln, die auf dem Kopf stehende Bilder in den Raum projizieren. Die 1968 entstehende Arbeit Fokussierender Raum beispielsweise macht die Brennpunkte der von oben mit Scheinwerfern beleuchteten Hohlspiegel erkennbar, sobald Rauch in die Lichtkegel geleitet wird. Laserprojektionen mit strahlenförmigen Lichtprojektionen (Laser-Raum, 1970) oder lichtfacettierende kinetische Großplastiken (Lichtmaschine, 1970) folgen ebenso wie die Planungen für große Projektionen kosmischen Lichts in den Weltraum (Mondprojekt, 1976). Die Installationskonzepte raumgreifender Lichtobjekte oder raumstrukturierender Lichtwände (Sphärisches Hohlspiegelobjekt, 1971/72; Olympia, 1972; Sphärische Hohlspiegelwand, 1972) stehen in enger Beziehung zu Architektur und Umgebungsraum. Sie bereiten in dieser Hinsicht auch die späteren, meist quadratischen kleineren Spiegelobjekte und -kästen der beginnenden 1980er Jahre (Hohlspiegelobjekt, 1982ff.), aber auch die Installationen im öffentlichen Raum vor – so beispielsweise Luthers Hommage an Monets späte Seerosen-Gemälde, die Wasser-Linsen(1982/90) oder die Steh-Linsen von 1990. Wieder verdanken sich die optischen Effekte dem Einsatz von Spiegeln, nun aber auch im Umgang mit den wechselvollen Erscheinungen des natürlichen Lichts.
Neben den Gemälden, Objekten und Installationen arbeitet Luther auch an der Lichtführung und -inszenierung im Bühnenraum, so beispielsweise mit Bühnenbildentwürfen für »Tristan und Isolde« 1977 in der Frankfurter Oper.

1960 werden Luthers Bilder im Kaiser Wilhelm Museum, Krefeld gezeigt. Von da an finden sich seine Werke in zahlreichen Einzelausstellungen, so u.a. im Museum Schloss Morsbroich (1969), im Folkwang Museum, Essen (1971), in der Städtischen Galerie Aschaffenburg u.a. In Gruppenausstellung werden Luthers Werke vor allem im Kontext von Zero, aber auch konkreter lichtkünstlerischer, kinetischer wie architekturbezogener künstlerischen Tendenzen präsentiert (Kunsthalle Bern, 1965; Haus am Waldsee, Berlin 1968; Kunsthalle Nürnberg, 1975; Städtisches Museum Gelsenkirchen, 1995; Kunsthalle Baden Baden, 1999; ZKM Karlsruhe, 2005). In jüngerer Zeit werden ihm Einzelausstellungen in der Kunsthalle Krems (2006) oder 2007 im Museum Herakleidon gewidmet.

Adolf Luther stirbt 1990 in Krefeld.

Literaturauswahl

Adolf Luther, Licht sehen: Ausst.-Kat. Kunst-Museum Ahlen, hg. v. M. Broska u. B. Leismann, Ahlen 1996

Adolf Luther und seine Sammlung. Eine Kunst außerhalb des Bildes: Ausst.-Kat. hg. v. M. Broska, Ostfildern-Ruit 1993

Adolf Luther, Licht und Materie, Werke von 1958 — 1990: Ausst.-Kat. Mönchehaus-Museum, Goslar 1992

Broska, M.: Adolf Luther, Sein Werk von 1942 — 1961, Bochum 1991

Adolf Luther, Licht + Materie, Retrospektive aus Anlass des 75. Geburtstages: Ausst.-Kat. Kunsthalle Bremen, Bremen 1987

Luther: Ausst.-Kat. Städtische Kunsthalle Düsseldorf, Düsseldorf 1974

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