Ad Reinhardt

Er »plädiert (..), in Anlehnung an die suprematistischen Ideen Kasimir Malewitschs, für eine völlige Loslösung der Kunst von allen anderen lebensweltlichen Systemen«, für eine Kunst als »absolut autonomes Feld« und zugleich für »die letzten überhaupt noch malbaren Bilder« – jenes Diktum von »Kunst-als-Kunst«, das auch für die Minimal und Concept Art grundlegende Bedeutung gewinnt» (vgl. Hoppe-Sailer, Ad Reinhardt, in: Situation Kunst, Düsseldorf 2008, 47).

Ad Reinhardt wird als Adolph Dietrich Friedrich Reinhardt 1913 in Buffalo/ N.Y. geboren. 1931 — 35 studiert er Kunstgeschichte bei Meyer Schapiro an der Columbia University in New York und wechselt 1936 an die American Artist School, an der er bei Carl Holty und Francis Criss studiert. 1936 setzt er zeitgleich sein Studium bei Karl Anderson an der National Academy of Design fort. In der Zeit zwischen 1936 und 1939 arbeitet Reinhard für das WPA Federal Art Project. 1937 wird er Mitglied der ein Jahr zuvor gegründeten Künstlerorganisation »American Abstract Artists« (AAA), einer Bewegung, die sich um die Betty Parsons Gallery formiert und sich mit Ausstellungen und Veröffentlichungen der Förderung der bis dahin wenig akzeptierten abstrakten Kunst in den USA widmet. Seit Beginn der 1940er Jahre entsteht zugleich eine Vielzahl an Cartoons und Illustrationen, in denen sich Reinhardt auf humorvolle und provokante Art mit Kunst (How to Look at Art) und gesellschaftspolitischen Themen auseinander setzt.

Reinhardt verfolgt seine Studien 1946 — 1951 am New York University Institute of Fine Arts weiter. Er gewinnt nun zunehmend Einfluss als Künstler, als Lehrer und Autor kunstwissenschaftlicher und kunsttheoretischer Texte, in denen er eigene Arbeiten und die Gegenwartskunst behandelt und mit denen er ebenso die Minimal Art wie Konzeptkunst der 1960er Jahre stark beeinflusst. 1947 — 67 unterrichtet Reinhardt am Brooklyn College, 1950 lehrt er an der California School of Fine Arts in San Francisco. Die kontinuierliche Arbeit an Universitäten – an der University of Wyoming in Laramie (1951), an der Yale University in New Haven (1952/53) und am Hunter College in New York (1959 — 1967) – zeigt die grundsätzliche Bedeutung von Theorie und Lehre wie deren Wechselwirkungen mit Reinhardts künstlerischer Position.

Reinhardts frühe Bilder kennzeichnet die zunehmende Abkehr von bildlicher Repräsentation, gegenständlicher Referenz und und mit ihr ein Prozess zunehmender Konzentration der Bildsprache. Die intensiv-farbigen Kompositionen seit den ausgehenden 1930ern, die abstrakt-geometrischen Bildfindungen der 1940er Jahre, seine Auseinandersetzung mit dem Abstrakten Expessionismus oder die noch Anfang der 1950er entstehenden Brick paintings (Abstract painting, 1951/52) weichen bald der konzentrierten Arbeit mit einzelnen Farben und monochromen Farbmodulationen. Anfang der 1950er Jahre beginnt Reinhardt mit der systematischen Reduktion seiner Farbpalette bis zur monochromen Malerei der zunächst im roten, dann blauen und schließlich im schwarzen Farbspektrum gehaltenen Bilder.

Reinhardts ab 1953 entstehenden Black Paintings werden – neben den vergleichbar farbreduzierten Arbeiten von Robert Rauschenberg, Mark Rothko, Frank Stella oder Barnett Newman – wegweisend für die weitere Entwicklung der ungegenständlichen Malerei und Kunst. Entscheidende Impulse liegen in der Differenzierung minimaler Farb- und Lichtunterschiede bzw. tonaler Abstufungen. Durch sie fordern die Bilder – Reinhardts Hinwendung zu fernöstlichen Religionen gemäß als »Meditationstafeln« verstanden – die Wahrnehmung der Betrachtenden als gleichermaßen meditativen wie bewegten Akt in besonderer Weise heraus. Auf diese Weise erschließt sich zugleich deren raumzeitliche Dimension. »Sie behaupten das absolute Ende der Malerei als Illusion, als Fenster zur Welt. (..).« Tatsächlich »formulieren [sie] den Anfang einer Malerei als selbstständiges Objekt der Wahrnehmung. So beziehen sie den Betrachter mit ein und positionieren ihn neu.« (vgl. St. Rosenthal, in: Ausst.-Kat. Black Paintings, Ostfildern-Ruit 2006, 6)

Mit der Entwicklung zu den black paintings geht auch Reinhardts programmatische Abwendung einerseits von den Ausrichtungen der US-amerikanischen Gegenwartskunst, anderseits von den Mechanismen des Kunstmarkts einher. Er »plädiert (..), in Anlehnung an die suprematistischen Ideen Kasimir Malewitschs, für eine völlige Loslösung der Kunst von allen anderen lebensweltlichen Systemen«, für eine Kunst als »absolut autonomes Feld« und zugleich für »die letzten überhaupt noch malbaren Bilder« – jenes Diktum von »Kunst-als-Kunst«, das auch für die Minimal und Concept Art grundlegende Bedeutung gewinnt» (vgl. Hoppe-Sailer, Ad Reinhardt, in: Situation Kunst, Düsseldorf 2008, 47).

Seine ersten Einzelausstellungen finden 1943 am Columbia Teachers College und 1946 in der New Yorker Betty Parsons Gallery statt. 1966 widmet das Jewish Museum in New York Reinhardts Bildern eine Ausstellung. 1968 werden seine Arbeiten posthum auf der Documenta IV in Kassel gezeigt. Wichtige Etappen stellen auch die Ausstellungen der frühen Bilder in der Marlborough Gallery in New York (1970) und in der Kunsthalle Düsseldorf (1972) dar, die durch ganz Europa wandert. 1991 widmet ihm das Solomon R. Guggenheim Museum in New York eine umfangreiche Schau unter dem Titel »Reinhardt and Color«, im gleichen Jahr zeigt auch das Museum of Modern Art in New York eine große Schau. In jüngerer Zeit werden u.a. seine Black paintings im Haus der Kunst in München (2006) ausgestellt.

Ad Reinhardt stirbt 1967 in New York City.

Literaturauswahl

Black Paintings: Ausst.-Kat. Haus der Kunst, hg. v. St. Rosenthal, Ostfildern-Ruit 2006

Herskovic, M.: American Abstract Expressionism of the 1950s. An Illustrated Survey, New York 2003

Herskovic, M.: New York School Abstract Expressionists. Artists Choice by Artists, New York 2000

Ad Reinhardt: Ausst.-Kat. Staatsgalerie Stuttgart, hg. v. G. Inboden u. Th. Kellein, Stuttgart 1985

Kellein, Th. (Hg.): Ad Reinhardt, Schriften und Gespräche, München 1984

Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014 Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger Foto: Tobias Roch, Hagen Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum

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