Peter Zimmermann

So verbirgt der Künstler in seinen Bildern die Frage nach den Möglichkeiten der Wahrnehmung: Sieht man nur, was man zuvor weiß? Gibt es vorsprachliche Begriffe? Welche Form kann die Wahrnehmung haben, bevor sie bewusst wird? Welche Rolle spielen unsere Sinne beim Erfassen der Welt? 

Peter Zimmermann wird 1956 in Freiburg i. Br. geboren. Von 1978 bis 1983 studiert er an der Staatlichen Akademie für Bildende Künste in Stuttgart. Zwischen 2002 und 2007 hat er eine Professur an der Kunsthochschule für Medien in Köln inne.

Als Peter Zimmermann Kunst studiert, steht zunächst die abstrakte Malerei in seinem Fokus. Daran erinnert in seinen heutigen Bildern nichts mehr, jedoch prägt dieser Fokus seinen Blick: Zimmermann konzentriert sich auf die reinen Formen der Bildmotive und befreit sich von derer inhaltlicher Bedeutung. Er sieht diese Formen in erster Linie als Gebilde, nicht als Sinnträger, selbst wenn es sich um Schrift handelt. So wählt er beispielsweise Buchcover von Wörterbüchern, Lehrwerken und Reiseführern zu seinen Bildmotiven der Book Cover Paintings, die er in den 1980er Jahren schafft. In das Bild übertragen wird die Schrift auf einer metaphorischen Ebene wirksam: Nicht die Inhalte, sondern der Impetus wird wichtig, denn die Bücher sind didaktische Anleitungen zum Sehen und Verstehen. So verbirgt der Künstler in seinen Bildern die Frage nach den Möglichkeiten der Wahrnehmung: Sieht man nur, was man zuvor weiß? Gibt es vorsprachliche Begriffe? Welche Form kann die Wahrnehmung haben, bevor sie bewusst wird? Welche Rolle spielen unsere Sinne beim Erfassen der Welt? Ebenso verfährt er mit den Covern von Kunstbüchern, womit er seine Fragen präzise an die Malerei richtet: Was vermag das traditionelle künstlerische Medium heute? Wie kann man es in die Gegenwart transformieren?

Zimmermanns Methode – die Aneignung und Transformation von bestehenden Bildern – bleibt, seine Themen erweitern sich. Er wählt seine Vorlagen vor allem aus der Popkultur: Fernsehen, Computerspiele, Zeitschriften, Internet. Später werden auch visualisierte Algorithmen und andere reine Softwareprodukte zu seinen Bilderquellen. Er wählt sie, weil sie einen großen Teil der alltäglichen Wahrnehmung bestimmen. Der Künstler sagt: »Either TV-screens or computerscreens; that’s how the world comes into your brain.« [Peter Zimmermann, in: Video des Columbusmuseum of art, OH, USA. Verfügbar unter:www.youtube.com/watch; am 22.10.2015]

Und auch das Formen seiner Bilder produziert Zimmermann konsequenterweise am PC. Er wählt die gewünschten Vorlagen, komponiert einen Entwurf, legt diesen für eine festgelegte Fläche an und überträgt die Konturen der Farbfelder auf eine Leinwand. Er gießt mehrere Schichten von koloriertem Expoidharz auf die flach liegende Leinwand und verstreicht die sirupartige Masse mit breiten Pinseln. So entstehen stark glänzende, semitransparente, spiegelnde Oberflächen mit weich fließenden Farbverläufen, die fast psychedelisch schillern: Blob Paintings. Zimmermann nimmt die Ambivalenz der Medienbilder auf: Zwar misstrauen wir ihnen, weil wir sie alle für manipuliert halten. Zugleich aber erliegen wir ihrer gewissen Schönheit und ihrer Kraft. Sie nehmen uns also ein (vgl. ebd.).

Auf diesem gestalterischen Prinzip beruhen auch Zimmermanns Bodenarbeiten, zum Beispiel in den Ausstellungen Currents (Columbusmuseum of Art in Columbus, Ohio, USA, 2008) und Wheel (Kunsthalle Nürnberg 2007): Die Werke bedecken den Boden des gesamten Ausstellungsraums, so dass die Besucher das Bild betreten und sich von diesem direkt einnehmen lassen.

Peter Zimmermanns Arbeiten werden in zahlreichen internationalen Einzelausstellungen gezeigt, unter anderem in der Galerie Nunu Fine Arts, Taipeh und der Galerie Laleh June in Basel (2015), 2014 in der Galerie Perrotin in Paris sowie bei Nosbaum und Reding in Luxemburg oder 2013 bei Undertones, Wasserman Projects in Detroit, in der Johyun Gallery Busan in Korea, bei der Dirimart Galerie Istanbul oder 2012 in der Galeria Filomena Soares in Lissabon.

Peter Zimmermann lebt und arbeitet in Köln.

Literaturauswahl

To open eyes. Kunst und Textil vom Bauhaus bis heute: Ausst.-Kat. Kunsthalle Bielefeld, hg. v. F. Meschede und J. Hülsewig-Johnen, Bielefeld 2013

Hubertus Butin: Peter Zimmermann. Painting, Ostfildern 2007

Peter Zimmermann: Ausst.-Kat. Kunsthalle Erfurt, hg. v. K. U. Schierz, Erfurt 2001

Peter Zimmermann, Flow: Ausst.-Kat. Kunstverein Heilbronn 2001, hg. v. M. Löbke, Köln 2001

Peter Zimmermann: Eigentlich könnte alles auch anders sein. Ein Gespräch von Alexander Braun, in: Kunstforum Internationale Nr. 141, Juli–September 1998, 324 333.

Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014 Foto: Tobias Roch, Hagen

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