Ulrich Erben

Ausstellungen wie »Geplante Malerei« im Westfälischen Kunstverein 1974 und seine Beteiligung an der Documenta 6 im Jahr 1977 machen Ulrich Erben als Vertreter einer neuen konkreten Kunst bekannt. Seine Arbeiten thematisieren die Farbe und ihre speziellen Eigenschaften, ihre Gesetzmäßigkeiten und raumorientierten Wirkungsfelder. Die Seherfahrung entspricht nach Erben der Farberfahrung.

Ulrich Erben wird 1940 in Düsseldorf geboren. Er studiert an den Kunstakademien Urbino und Venedig, widmet sich dort den grafischen Techniken, dem Fresko und der Malerei, die er in der Folgezeit auch an den Kunsthochschulen Hamburg, München und Berlin (Zeichnungen, Malerei) weiter verfolgt. 1980 — 2005 übernimmt Erben eine Professur an der Kunstakademie Münster.

Zunächst entstehen Landschaften. Mit der Serie der Weißen Bilder, die er 1971 erstmals der Öffentlichkeit präsentiert, gibt er jedoch Ende der sechziger Jahre deren Gegenstandsbezug auf. Ausstellungen wie »Geplante Malerei« im Westfälischen Kunstverein 1974 und Erbens Beteiligung an der Documenta 6 im Jahr 1977 machen Erben als Vertreter einer neuen konkreten Kunst bekannt.

Erben erweitert nun sein Bildkonzept, rekurriert stärker auf die räumlichen Effekte der Farbe, die sich zunächst vor allem dem Nebeneinander von gemalten und ungemalten Flächen verdanken. Der Entstehungsprozess des Bildes wird dabei verunklart, der Farbe wird ihre Stofflichkeit entzogen, sie verschwindet scheinbar. Zur Entfaltung der vollen Farbpalette kommt es Ende der siebziger Jahre in den Prima Vista-Arbeiten, bei denen Erben die Farbe »alla prima«, also in einem Zug aufträgt. Das vorbereitende Konzept wird ebenso wie die Spontaneität der Bearbeitung Teil des Bildes. Erbens Birten-Bilder schließen sich an und lassen lose Bezüge zur Gegenstandswelt wieder aufleben. Der Zyklus Farben der Erinnerung, den Erben Ende der achtziger Jahre beginnt, widmet sich landschaftlich, räumlich konnotierten Seherfahrungen, so dem Farbklima italienischer Landschaften in der Gegend um Rom, aber auch den »Farbklängen des Nordens« (Erben). Und auch mit den jüngeren Lackbildern, die 1998 zunächst in der Villa Massimo in Rom entstehen, stellt Erben – wenn auch hier in monochromem und in Schichten aufgetragenem neuem Farbmaterial – fragmenthafte Bezüge zum Entstehungsraum wie zur historischen Technik der Fresko-Malerei her. Nach Erben beruhten diese »auf Details einer ursprünglichen Landschaft, in die sich seit Jahrtausenden die Kultur eingemischt hat, ohne das Ursprüngliche löschen zu können«. So weisen auch die Titel seiner Ausstellungen (z.B. »Was ich sehe«, Von der Heydt Museum, Wuppertal 2004) auf jene Seherfahrungen hin, die der Künstler in unmittelbarem Bezug zur Landschaft im Medium Farbe entwickelt.

Erbens Arbeiten thematisieren die Farbe und ihre speziellen Eigenschaften, ihre Gesetzmäßigkeiten und raumorientierten Wirkungsfelder. Die Seherfahrung entspricht nach Erben der Farberfahrung. »Im Spannungsfeld zwischen Gegenstandsbezug und Abstraktion hat er so ein Gesamtwerk geschaffen, dessen Farbklänge und Farbakkorde sich wie zu einer symphonischen Komposition mit abgewandelt wiederkehrenden Motiven fügen« (Museum Wiesbaden, 2004). Erbens Arbeiten sind in zahlreichen Sammlungen, so im Hamburger Bahnhof, Museum für Gegenwart in Berlin, im Museum Abteiberg, Mönchengladbach und Von der Heydt-Museum in Wuppertal vertreten.

Ulrich Erben lebt und arbeitet in Bagnoregio bei Rom und Düsseldorf.

Literaturauswahl

Ulrich Erben: Ausst.-Kat. mit Text v. Volker Rattemeyer, Wiesbaden 2004

Liesbrock, Heinz: Ulrich Erben. Der andere Raum, Westfälischer Kunstverein, Münster 1999

Weiss ist Farbe, 1968 — 1978, Bilder von Ulrich Erben: Ausst.-Kat. Bielefeld 1998

Elementare Malerei, Bilder und Arbeiten auf Papier: Ausst.-Kat. Städtische Kunsthalle, Mannheim 1984

Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger Foto: Tobias Roch, Hagen Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014

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