Sol LeWitt

Ab 1965 entstehen die ersten modularen Arbeiten – meist gitter-käfigartige Gebilde, die aus sich wiederholenden offenen und geschlossenen Kuben in Holz oder Metall bestehen. Mit diesen Arbeiten wird LeWitt ebenso wie auch Donald Judd oder Carl Andre zur Minimal Art gezählt, deren Ziel die Darstellung grundlegender Wahrnehmungsgesetze mittels logisch anmutender rationaler Vereinfachungsstrategien ist.

Sol LeWitt wird 1928 in Hartford / Connecticut geboren. Nach seinem Studium an der Syracuse University (1945 — 49) zieht er nach New York und besucht dort die Cartoonist and Illustrators School, die spätere School of Visual Arts. Von 1955 bis 1960 arbeitet er als Grafiker, zunächst für den Architekten Leoh Ming Pei, dann als Grafikdesigner für ein Unternehmen. Schließlich setzt er seine Designertätigkeit am Museum of Modern Art fort, wo er 1960 — 65 arbeitet. Dort lernt er auch Lucy R. Lippard, Robert Mangold, Robbert Ryman und Dan Flavin kennen.

Sol LeWitt beginnt seine künstlerische Tätigkeit 1962 mit ersten Reliefskulpturen (OBJECTIVITY, 1962; LOOK, LOOK 1962) die in geometrischen Formen gestaltet sind. 1963 — 64 entstehen seine ersten dreidimensionalen Arbeiten, die noch deutlich von Bauhaus, De Stijl und dem Konstruktivismus beeinflusst sind. Zeitgleich beginnt er die Arbeit an der Museum of Arts School (1964 — 67). Ab 1965 entstehen die ersten modularen Arbeiten – meist gitter-käfigartige Gebilde, die aus sich wiederholenden offenen und geschlossenen Kuben in Holz oder Metall bestehen. Die modularen Systeme werden zunächst schwarz, später weiß lackiert und zu komplexen Rauminstallationen zusammengebracht, die ebenso Wände wie Böden einbeziehen (Floor Structure, Black, 1965; Modular Wall Piece with Cube, 1965; 47 Three-part Variations of Three Different Kinds of Cubes, 1967). Mit diesen Arbeiten wird LeWitt ebenso wie auch Donald Judd oder Carl Andre zur Minimal Art gezählt, deren Ziel die Darstellung grundlegender Wahrnehmungsgesetze mittels logisch anmutender rationaler Vereinfachungsstrategien ist.

Sol LeWitt hat diese Kunstauffassung um differenzierte Überlegungen zur Frage der Herstellung und Rezeption von Kunst erweitert. Seinen ersten Arbeiten entnimmt er das gedankliche Modell der Konzeptkunst, das er in seinem Text »Paragraphs on Conceptual Art« im Jahr 1967 veröffentlicht (Artforum, 10/1967). Die sinnliche Wahrnehmung versteht er demnach als Pendant, nicht als Stellvertreter eines seriellen Konzeptes, das sich in unterschiedlichster Weise äußern kann. Daher unterstützt seine Auffassung das pluralistische Experimentieren, für das es keine einheitliche oder einzige Lösung, sondern allein unzählbare Varianten gibt. LeWitt kann nicht, wie oftmals geschehen, als Vertreter rationalistischer Kunstauffassung gelten. Vielmehr rücken seine Werke in die Nähe der Rationalismuskritiken von Paul Feyerabend und Michel Foucault.

Spätere Werkgruppen zeigen Abwandlungen der Kuben in offenen und geschlossenen modularen Strukturen (Variations on a Cube (Forms Derived From a Cube), 1984) und führen schließlich zu den aus Steinen zusammengesetzten großformatigen modularen Formbildungen der »Concrete Block Structures«, die an architektonische Grundstrukturen wie Wände, Treppen und Häuser erinnern (Four-Part Piece 4:4 Walls forming a Square, 1992; Walls (Berlin), 1996, Irregular Double Negative Pyramide, 1998).

Seit 1968 entstehen Sol LeWitts Wandzeichnungen und –malerei, die zum Teil nach seinen Anweisungen am Ausstellungsort von Assistenten ausgeführt werden. Geometrisch angeordnete monumentale Farbfelder aus den stets gleichen vier Tuschfarben Gelb, Rot, Blau und Grau werden in transparenten Schichten übereinander mit eingerollten Baumwollfetzen und kreisenden Handbewegungen direkt auf die Wand des Ausstellungsortes aufgetragen. Auch hier zählt der systematische Zugriff, der die Farbabfolge jedes einzelnen Farbstreifens und damit die Gesamtfarbigkkeit bestimmt. In der Arbeit Continous Forms with Color and Gouache superimposed von 1988 gestaltet sich der Farbauftrag beispielsweise in mehreckigen Farbfeldern. Für seine meist ephemeren Wall Drawings bietet der Künstler im Handel Zertifikate an, die sich als konzeptuelle Gebrauchsanweisung für die Nachbildung verstehen. Und auch die von ihm gestalteten Künstlerbücher, konzipiert er vor allem als preiswerte und leicht erschwingliche Arbeiten für einen breiten Käufermarkt.

Lehrtätigkeiten führen Sol LeWitt an die Cooper Union (1967/68), an die School of Visual Arts (1969/70) und die Abteilung für Kunsterziehung an der New York University (1970/71). Erste Einzelausstellungen finden 1969 in Krefeld, 1973 in Oxford, 1974 in Brüssel, Amsterdam und Otterlo statt. Im Jahr 1978 wird ihm eine Retrospktive in den großen Museen der USA und Kanadas (New York, Montreal, Chicago, La Jolla) gewidmet. Eine umfassende Ausstellung seiner Zeichnungen wandert 1992 — 94 an viele Museumsorte.

Sol LeWitt lebt und arbeitet in New York.

Literaturauswahl

Sol Lewitt, Concrete Block Structures: hg. v. Susanna Singer, Mailand 2002

Sol LeWitt. Structures (1962 — 1993): Ausst.-Kat. Museum Villa Stuck München u.a., 1993

Sol LeWitt, Catalogue Raisonné of the Wall Drawings 1984 — 1992: Bern 1992

Sol LeWitt. Wall Drawings 1968 — 1984: Ausst.-Kat. Stedelijk Museum, hg. v. Susanne Singer, Amsterdam 1984

Sol LeWitt. Prints 1970 — 1986: Ausst.-Kat. Tate Gallery, London 1986

Sol LeWitt, Books 1966 — 1990: Ausst.-Kat. Portikus, Frankfurt/M. 1990

Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014 Foto: Tobias Roch, Hagen Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger

Zu Sammlung hinzufügen…

×
×
×

Liebe Besucherinnen und Besucher,

seit 2006 gibt die museumsplattform nrw einen umfassenden Einblick in die Sammlungen und Aktivitäten ausgewählter NRW-Museen – und regt damit zugleich auch ein neues Publikum zum Museumsbesuch an. Monatlich 13.000 Besucher*innen belegen das Interesse an diesem einzigartigen Instrument zum interaktiven und kommunikativen Umgang mit Kunst im Netz.

Ein intensiv gepflegter und konstant ausgebauter Newsbereich mit Hinweisen zu Ausstellungen und Veranstaltungen oder Features aus der Kunstszene NRWs gehört ebenfalls dazu. 2013 erhielt die bereits seit zehn Jahren aktive Online-Plattform den bedeutenden Grimme Online Award.

Für den Ausbau dieses Online-Angebots sind wir auf den dauerhaften Beteiligungswillen der Museen angewiesen. Auch wenn die aktive Ausgestaltung derzeit nicht erfolgen kann, laden wir Sie doch herzlich ein, unser breites Angebot zum interaktiven und kreativen Umgang mit der Bildenden Kunst und ihren vielfältigen Formen medialer Vermittlung spielerisch zu erkunden.

Ihr NRW KULTURsekretariat