Sigrid Kopfermann

Sie arbeitet trotz der Naturräumlichkeit evozierenden Titel mit dicht neben- und übereinander gelegten Farbzonen und irregulären Konturen. So entstehen in sich verwobene Farbkörper, die durchaus Durchlichtung, Atmosphärisches, Temperaturen, Bewegungen und Gestimmtheiten vermitteln, ohne der gestischen, informellen Malerei anzugehören. Die Farbraumkörper gehorchen hier eigenen, bildinternen Gesetzen, die Sigrid Kopfermann steuert.

Sigrid Kopfermann wird 1923 in Berlin Lichterfelde geboren. Ihr Vater ist Architekt, ihr Großvater der Flugpionier Otto Lilienthal. Gegen den Willen ihres Elternhauses beginnt Kopfermann 1941 ein Studium an der Hochschule für Kunsterziehung in Berlin. Ihre Lehrer sind dort der Expressionist Willy Jaeckel und Bernhard Dörries, der eher dem Realismus zuneigt. Mit Kriegsende 1945 beschließt Kopfermann ihr Studium und heiratet den Maler Egon Neubauer. Bereits 1947 kann sie im Kunstverein Hannover ausstellen. Ihre frühen Werke setzen 1942 mit Unser Garten in Lichterfelde ein. Mit ihrem Stilleben von 1947, mit der Palme im Gewächshausdes gleichen Jahres und mit dem weiblichen Akt mit Blumen von 1948 ist sie formal und koloristisch dem Expressionismus verpflichtet.

1948 erhält Kopfermann erste Aufträge für Kunst am Bau. Sie entwirft und realisiert Buntglasfenster für Kirchen, deren fraktale Buntfarbigkeit auch die anschließenden malerischen Farbflecken beeinflussen. Bereits 1952 auf ihren ersten Italien- und Frankreichreisen gibt sie mediterranen Landschaften in deren Licht in Farbfleckrhythmen bildlichen Ausdruck. Die Bilder sind zwar an konkreten Natureindrücken orientiert, zeigen jedoch zugleich auch eigenständige Farbortfolgen. Besonders die Ibiza-Folge der Jahre 1952 und 1954 zerlegt in den kleinen Kompositionen überlichtete, fast weiße und mit bunten Farbtupfern übersäte Flächen in schlagschattenartiger Nachbarschaft zu sehr dunklen Farbflächen ohne Buntfarbenanteil.

Sigrid Kopfermann arbeitet trotz der Naturräumlichkeit evozierenden Titel mit dicht neben- und übereinander gelegten Farbzonen und irregulärem Kontur. So entstehen in sich verwobene Farbkörper, die durchaus Durchlichtung, Atmosphärisches, Temperaturen, Bewegungen und Gestimmtheiten wie das Fröhliche Bildvon 1956 vermitteln, ohne der gestischen, informellen Malerei anzugehören. Die Farbraumkörper gehorchen hier eigenen, bildinternen Gesetzen, die die Künstlerin steuert. Kopfermann kommentiert: »Malen ist für mich eine lebenslange, konstante, oft schwierige und manchmal beglückende Partnerschaft. Die Farben sind für mich das Wichtigste. Sie haben Körper und sie haben Raum« (zit. n.: D. Hansmann, Sigrid Kopfermann. Zum 80. Geburtstag, Köln 2003).

In den Jahren 1956 — 58 hält sich Kopfermann zu Studienzwecken in Paris auf, wo Picasso, Nouveau Realisme und tachistische Tendenzen beherrschend sind. Nach ihrer Rückkehr entsteht die freie, aber konzise Komposition Arpeggio des Jahres 1959. In diesen Jahren, in denen sie auch den Maler Heinrich Maria Davringhausen, einen Vertreter der Neuen Sachlichkeit und Mitglied des »Jungen Rheinland« kennenlernt, nähert sich Kopfermanns Malerei am deutlichsten der des abstrakten Expressionismus an. Kompositionen wie Strömungen VIII und Strömungen IX, beide von 1964 und relativ großformatig, sind Beispiele für diese Schaffenszeit. Zu ihrem Generalthema Farbe und zu ihrem grundlegenden künstlerischen Arbeitsprozessen stellt Kopfermann lapidar fest: »Mich fasziniert in der Malerei die Möglichkeit, ganz subjektive Dinge – Erfahrungen, Ordnungen, Risiken – zu objektivieren. Ich genieße es, in meinen Arbeitsprozess eingebunden zu sein, der mich festhält, der mich führt und den ich manchmal führe … Das Volumen der Farbe wird immer von der Farbe selbst bestimmt. Meine Themen kommen aus der Arbeit. Sie sind nicht vorher ausgedacht, sondern bieten sich an, wenn ich konzentriert arbeite und Glück habe. Glück ist wichtig. Meine Themen, die mich jeweils drei bis vier Jahre festhielten, hießen: Wald/Wachsen – Kreis/Wirbel – Strömungen« (zit. n.: Sigrid Kopfermann. Werkbiographie, m. einl. Essay v. K. Ruhrberg, Düsseldorf 1991). Die Sinnlichkeit, die Subjektivität und die Ganzheitlichkeit, zu der sich Kopfermann hier in ihrer malerischen Tätigkeit bekennt, ist in ihren Kompositionen bis hin zu ihren großen Loftbildern der Jahre 2000 — 2002 zu eigen.

Kopfermann bereist in den Jahren 1975 — 85 Südamerika, Indien und die USA. In Paris ist sie erneut 1991/92. Im Jahr 2000 mietet sie sich ein Atelier auf einem Schrottplatz in Brooklyn, New York. Ihr überzeugendes »Farbwissen« schlägt sich raumgreifend und vital auch in der Serie der großen Loftbilder, ihrem Alterswerk unverkennbar nieder, die ebenso von ihren kontinuierlichen Reisen inspiriert sind.

Sigrid Kopfermann lebt und arbeitet in Düsseldorf.

Literaturauswahl

Buckesfeld, S.: Getrennte Wege – Begegnungen zwischen Zeitgenossen. Sigrid Kopfermann, frühe Werke – Peter Royen, meditative Bilder, Wuppertal 2007

Hansmann, D.: Sigrid Kopfermann. Zum 80. Geburtstag, Köln 2003

Schmied, W. (Hg): Sigrid Kopfermann, Bilder 1990 bis 1998, Köln 1999

Sigrid Kopfermann. Werkbiographie, m. einl. Essay v. K. Ruhrberg, Düsseldorf 1991

Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger Foto: Tobias Roch, Hagen Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014

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