Naum Gabo

Für seine »Raumkonstruktionen« verwendet er leichte und transparente oder spiegelnde Materialien wie Glas, Zelluloid, Metall, Perspex und Kunststoff. Neben kinetischen Apparaten gestaltet er auch »Denkmäler«, die durch einen Elektromotor bewegt werden und Bühnendekorationen. Naum Gabos Arbeiten werden neben László Moholy-Nagys Licht-Raum-Modulator von 1922/30 als Vorläufer der Op Art und Kinetik angesehen.

Naum Gabo wird 1890 im russischen Briansk geboren. Noch während seines Medizin- und Ingenieurstudiums in München (1910 — 14) reist er nach Paris, Italien und Skandinavien und beginnt 1912 mit ersten plastischen Arbeiten.

1915 — 16 entstehen erste »konstruktive« Skulpturen, die noch deutlich unter dem Einfluss des Kubismus und Futurismus stehen. Zugleich weisen sie den Charakter einer nach strengen wissenschaftlichen Prinzipien gestalteten Ingenieursarbeit auf, die Räumlichkeit unter Verzicht auf gestaltete Masse erzielt. So ist GabosKonstruktiver Kopf Nr. 1 (1915) aus ausgesägten Sperrholzplatten wabenförmig zusammengesetzt.

Mit Ausbruch der Februarrevolution kehrt Gabo gemeinsam mit seinem Bruder, dem Künstler Antoine Pevsner, 1917 nach Moskau zurück, wo er 1920 das WerkKinetische Konstruktion gestaltet, das als konsequente Fortsetzung seiner Vorstellung von entmaterialisierter Skulptur anzusehen ist. Der Eindruck einer räumlich ausgedehnten Skulptur wird hier durch einen motorisierten schwingenden Metallstab erzeugt, der ein elliptisches Volumen auszubilden scheint. Das im selben Jahr veröffentlichte »Realistische Manifest« fasst Gabos Gedanken, die sich als revolutionäre Theorie und künstlerisches Credo zur Erneuerung überkommener Raum- und Zeitvorstellungen verstehen, zusammen. Im selben Jahr findet auch – in einem Orchesterpavillon – die erste und einzige öffentliche Ausstellung seiner Arbeiten in der UdSSR statt.

Zur Organisation einer Ausstellung reist Gabo 1922 nach Berlin und nimmt Kontakt zur Novembergruppe, bald zum Bauhaus und De Stijl auf. Für seine nun entstehenden »Raumkonstruktionen« verwendet er leichte und transparente oder spiegelnde Materialien wie Glas, Zelluloid, Metall, Perspex und Kunststoff. Neben kinetischen Apparaten gestaltet er auch »Denkmäler« wie die Säule (1922/23), die durch einen Elektromotor bewegt wird und Bühnendekorationen (La Chatte, 1926/27). Die Arbeiten dieses Zeitraumes werden neben László Moholy-Nagys Licht-Raum-Modulator von 1922/30 als Vorläufer der Op Art und Kinetik angesehen. Bis 1932 entstehen zahlreiche Arbeiten im öffentlichen Bereich, u.a. auch einen Entwurf für einen Palast der Sowjets (1931).

Nach Aufenthalten in Paris und England emigriert Gabo 1946 in die USA. Bereits während seines Englandaufenthaltes entwickelt er eine Formenprache, die seinem Wunsch nach immer größerer Transparenz und der Gestaltung fließender Bewegungseindrücke – orientiert an mathematischen Modellen – entgegenkommt. Sich biegende transparente Vibrations-und Dehnungs-Flächen im Raum entstehen zunächst durch Ritzungen des transparenten Kunststoffes (Sphärisches Thema: Transparente Variation, ca. 1937) Schließlich verwendet er lichtreflektierende, dünne Nylonfäden, die auf Kunststoffstäbe gespannt werden (Lineare Raumkonstruktion Nr. 1, 1942/45 — 49).

Nach dem Zweiten Weltkrieg setzt Gabo diese Experimente fort und integriert zunehmend mechanische, magnetische und elektrische Apparaturen. Erste monumentale Skulpturen vermitteln seine bereits anfangs erkennbare Idee des monumentalen Denkmals (Hängende Raumkonstruktion, Baltimore 1950/51). Das nicht ausgeführte Projekt einer Skulptur für den Esso-Konzern inspiriert ihn zu seiner Skulptur Lineare Raumkonstruktion Nr. 2 (1949/58). Weitere monumentale Werke enstehen in den Folgejahren (Bijenkorf-Konstruktion, 1956 — 57; Rotierende Drehung, Brunnen, 1972 — 73).

Auf Einladung von Walter Gropius hält Naum Gabo 1953 — 54 Vorlesungen an der Harvard University, Cambridge/Mass. 1958 sind seine Werke in Einzelausstellungen in Rotterdam und Amsterdam zu sehen. In den Jahren 1965/66 erhält er eine umfassende Retrospektive in Amsterdam, Mannheim, Duisburg, Zürich, Stockholm und London.

Naum Gabo stirbt 1977 in Waterbury / Connecticut.

Literaturauswahl

Hammer, Martin; Lodder, Christina: The Art and Career of Naum Gabo, New haven, London 2000

Merkert, Jörn (Hg.): Naum Gabo. Ein russischer Konstruktivist in Berlin 1922 — 1932, Berlin 1989

Merkert, Jörn; Nash, Steven A. (Hg.): Naum Gabo – Sechzig Jahre Konstruktivismus, München 1986

Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014 Foto: Tobias Roch, Hagen Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger

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