Magdalena Abakanowicz

Ihr charakteristisches Arbeitsmaterial bezieht sie aus den weiblich konnotierten kunstgewerblichen und handwerklichen Traditionen ihres unmittelbaren Umfeldes. Bereits seit 1967 ist Magdalena Abakanowicz mit Einzelausstellungen in wichtigen europäischen und us-amerikanischen Museen vertreten.

Magdalena Abakanowicz wird 1930 in Falenty bei Warschau geboren. Nach dem Studium an der Akademie der Schönen Künste in Warschau ist sie 1965 — 1990 als Professorin an der Hochschule für Bildende Künste in Posen tätig. Ihr charakteristisches Arbeitsmaterial bezieht sie aus den weiblich konnotierten kunstgewerblichen und handwerklichen Traditionen ihres unmittelbaren Umfeldes.

Nach einer ersten malerischen Werkphase widmet sich Abakanowicz insbesondere den Gobelin- und Webtechniken, aus denen sie ästhetische Vorgaben für skulpturale Werke entnimmt. In der Monumentalisierung dieser in eigenwilliger Technik gewebten Gebilde gelingt ihr eine entscheidende künstlerische Neuerung, deren kompositorische Strenge u.a. Einflüssen des polnischen Konstruktivisten Henryk Stazewski verdankt ist. Die zunächst auf dem Webrahmen entstehenden Stoffe aus unterschiedlichen grobfaserigen Materialien wie u.a. Sackleinen, Sisal, Rosshaar erhalten bereits durch die bewegte und aufbrechende Oberflächenstruktur tastbare und körperhafte Qualitäten. In einem nächsten Schritt werden diese Gebilde dann nochmals durch gleichmäßige Wölbungen in dreidimensionale organisch erscheinende Objekte gewandelt. Meist hängend installiert, stellt die Künstlerin diese Gebilde seit Mitte der 60er Jahre in monumentalen und bis zu drei Meter hohen Environments aus, die die Bezeichnung Abakan tragen (Red Abakan, 1969).

Die Werkgruppe der Garments baut die bereits vorbereiteten körpersprachlichen Bezüge dieser Textilskulpturen aus, indem nun riesenhafte geöffnete Mantelformen die leibliche Präsenz bzw. Abwesenheit hünenhafter menschlicher Gestalten suggerieren (Black Garments 1969/74). Abakanowicz’ Arbeiten entstehen in einem Zeitraum, in dem die Arte Povera, aber auch Joseph Beuys und die Amerikanerin Eva Hesse in ähnlicher Weise mit der traditionsorientierten Verarbeitung schlichter natürlicher Materialien und deren robuster ästhetischer Eigenmächtigkeit experimentieren.

Bereits seit 1967 ist Abakanowicz mit Einzelausstellungen in wichtigen europäischen und us-amerikanischen Museen (Oslo, Eindhoven, Mannheim, Stockholm, Düsseldorf, Sydney, London, Paris, Chicago u.a.) vertreten, obwohl ihre eigene Reisetätigkeit aus politischen Gründen lange eingeengt bleibt.

Ihre Arbeiten mit den weichen Materialien münden schließlich in den Werken Heads (1973/75) und Embryologie (1978/81), die als zyklische Formvariationen biomorpher Ovaoide und Ballenstrukturen wie körperhafte Entwicklungsformen von Lebewesen anmuten. Hierbei spielt die Unterschiedlichkeit der einzelnen Gebilde eine besondere Rolle, hinter deren oftmals versehrten groben Stoffhüllen eingeweideartige Innenstrukturen sichtbar werden. Mit den Backs (1976/82) inszeniert Abakanowicz nun erstmals Objekte, die als hülsenartige menschliche Rückentorsi an die unmittelbare Tradition der Gattung Skulptur und die Darstellung des menschlichen Körpers anschließen. Ähnliche körperhafte Stoffhüllen gestaltet sie in der Werkgruppe der Incarnations (seit 1986) als Abformungen von Gesichtern von Tieren und Menschen, die teils aus Bronze, teils aus Jute gestaltet sind.

Seit 1985 entstehen Abakanowicz’ Installationen im öffentlichen Raum. Sie greift nun vornehmlich auf beständige Materialen zurück, so mit dem Zyklus Katharsis(1985), der aus 33 Bronzefiguren von ca. 3 Meter Höhe besteht und den sie im Areal eines Weinberges aufstellt. Diese Arbeit verfolgt sie in den 90er Jahren weiter, wobei zunehmend die Integration ihrer skulpturalen Zyklen in den Natur-Raum einer Kulturlandschaft in den Vordergrund tritt. Hier interessiert sie die ambivalente Deutung dieser Objekte als naturähnliche vegetative bzw. anthropomorphe Gebilde, die sie »figures of man-trees, man coffins« benennt (Negev 1987, Space of Dragon 1988, u.a.). In Installationen wie War Games (1989) kommt sie nochmals intensiver auf die Belegungen traditioneller Materialien der Skulptur, insbesondere des Holzes zurück. Dessen Wachstums- und Altersstrukturen legt sie wie Wundnarben offen. Auch den Formen der Vegetation, insbesondere der Bäume und ihren konstruktiven Vorgaben gilt ihr Interesse in ihrer jüngeren öffentlichen Auftragsarbeiten (Arboreal Architecture, 1991; Handlike Trees, 1992).

Magdalena Abakanowicz lebt und arbeitet in Warschau.

Literaturauswahl

Inglot, Joanna: The figurative sculpture of Magdalena Abakanowicz. Bodies, environments, and myths, Berkeley u.a. 2004

Verteidigung der Moderne. Positionen der polnischen Kunst nach 1945, Magdalena Abakanowicz, Jerzy Berés, Tomasz Ciecierski, Leon Tarasewicz u.a.: Ausst.-Kat. Museum Würth hg. v. C. Sylvia Weber, Künzelsau 2000

Rose, Barbara: Magdalena Abakanowicz, New York 1994

Magdalena Abakanowicz. Skulpturen 1967 — 1989: Ausst.-Kat. Städt. Galerie im Städelschen Kunstinstitut, hg.v. Klaus Gallwitz, Frankfurt/M. 1989

Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum Foto: Tobias Roch, Hagen Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014

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