Jürgen Partenheimer

Bereits früh wird die Zeichnung in Bleistift, Tusche, Aquarell und Öl zum zentralen Medium von Partenheimers künstlerischen Arbeit, die stets auch von der theoretischen Auseinandersetzung mit naturwissenschaftlichen und philosophischen Modellen der Welterkenntnis bestimmt ist.

Jürgen Partenheimer wird 1947 in München geboren. Er beginnt 1968 das Studium der Kunstgeschichte, Geschichte, Philosophie und der freien Kunst, das ihn bis 1976 von München nach Tuscon (Arizona), Guadalajara (Mexico) und Paris führt. Nach der Promotion in Kunstgeschichte an der Ludwig Maximilians Universität München übersiedelt er 1977 nach Düsseldorf. Im Jahr 1979 ist seine erste Einzelausstellung in der Richard Demarco Gallery in Edinburgh zu sehen. Nach einer Gastprofessur in Montréal 1982 ist er ein Jahr später Gastdozent am San Francisco Art Institute. 1983 bis 1986 lehrt Partenheimer als Gastdozent an den Akademien in Düsseldorf, Davis (Kalifornien) und Houston.

Bereits früh wird die Zeichnung in Bleistift, Tusche, Aquarell und Öl zum zentralen Medium seiner künstlerischen Arbeit, die stets auch von der theoretischen Auseinandersetzung mit naturwissenschaftlichen und philosophischen Modellen der Welterkenntnis bestimmt ist. Seinem spirituellen künstlerischen Verständnis entspricht es, dass er sich seit 1983 insbesondere mit universalen Kulturvorstellungen befasst und die mythischen Zeichenrepertoires und Materialien asiatischer oder nordamerikanischer Herkunft untersucht. Die umrisshafte Linie, die Formen bezeichnet und damit begriffliches Denken assoziiert, wird im Werk Partenheimers zur zarten, stets von der Gerade abweichenden und vagabundierenden zögernden Umfahrung. In Formationen von einzelnen geometrisierten Motiven entfaltet er ein bezugsreiches sprachähnliches System auf der Bildebene, dessen rhythmisierte Interaktionen Denk-Ordnungen und anschauliche Sehmodelle zu beinhalten scheinen. Beispielhaft gilt dies für seine frühen Arbeiten in Bleistift auf Papier, so Die Quelle der Wörter (1985) und MEMORIA (1985), aber auch für die spätere kalligraphischere Zugangsweise im Werk Der Revisor (2000). Charakteristisch für seinen Arbeitsprozess, der sich kaum in chronologische Abschnitte einteilen lässt, ist auch die rhythmisierte Interaktion mathematischer und organizistischer Formgebilde, die kontrastreich gegenübergestellt werden (Wanderschaft 1985,Metaphysischer Realismus, 2002). Durch Einfügen collagierter farbiger Papierfragmente gestaltet sich diese Dynamik von Farbfeldern und zeichnerischen Elementen noch dichter, öffnet sich zu räumlichen, aufgesetzten Staffelungen, konstruierten Überlagerungen und Verbindungen, deren zeitliche Dimensionen Partenheimer in der Titelgebung reflektiert (Herangang, 1988; Zeitstab, 1988).
Seit 1987 erweitert der Künstler das technische Repertoire seiner Arbeiten, nutzt Linolschnitt und Radierung, wendet sich enkaustischen Verfahren zu. Diese technische Variabilität kommt insbesondere seinen Projekten der Buchgestaltung zugute, die mit dem Künstlerbuch Giant Wall (1990) einen Schwerpunkt seiner Arbeit markieren.

Neben der Zeichnung widmet Partenheimer sich auch der Skulptur, zunächst ab 1980 in vereinzelten Arbeiten (Anna Livia Plurabelle, 1983), ab 1991 entstehen vermehrt skulpturale Werke. Sie übernehmen die kurvig mäandernde Struktur seiner Zeichnungen (Fraktale Schleife, 1994) und bestehen bisweilen aus objekthaften kubischen Elementen, deren rätselhaftes Deutungsspektrum den Künstler interessiert (Weltachse, 1994; Wunschkasten, 2003). Mit der Aufstellung seiner Weltachsevor dem Kaiserlichen Archiv der Verbotenen Stadt und dem internationalen Symposium »Crossmapping – Partenheimer in China« (2001) unterstreicht der Künstler den transkulturellen Zugang seiner Arbeiten.

Partenheimer verfolgt neben seiner künstlerischen Arbeit ein umfangreiches theoretisches Werk, das er u.a. als Mitherausgeber der Zeitschrift Irrawaddy (1981 — 1983) und mit dem poetischen Manifest »De Coloribus – Versuch über die Farben« von 1991 publiziert.
Er nimmt 1986 an der Biennale in Venedig teil, von 1987 bis 1990 hat er eine Professur an der Rijksakademie in Amsterdam inne, 1991 ist er Gastdozent in Edinburgh. Er wird durch zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen bekannt, so 1988 in der Nationalgalerie Berlin, 1990 in der Hamburger Kunsthalle, 1994 im Kunstmuseum Bonn oder 1997 im Stedelijk Museum Amsterdam.

Der Künstler lebt und arbeitet in der Nähe von Köln.

Literaturhinweise

Jürgen Partenheimer – Der Schein der Dinge: Ausst.-Kat. Museum am Ostwall, Düsseldorf 2004

Jürgen Partenheimer – La robe des choses: Ausst.-Kat. Stedelijk Museum voor Aktuele Kunst, Gent 2002

Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum Foto: Tobias Roch, Hagen Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014

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