Jörg Immendorff

Seine Text-Bilder verstehen sich als moralische Embleme, die Werbung, politische Realität und bürgerliche Alltagswelt enthüllen. Die Malerei verbindet er mit gesellschaftskritischen und satirischen künstlerische Aktionen. Jörg Immendorf beteiligt sich an der Documenta 5 (1972) und 7 (1982). 2005 erhält er eine umfassende Retrospektive in der Neuen Nationalgalerie Berlin.

1945 wird Jörg Immendorff in Bleckede bei Lüneburg geboren. Sein Studium an der Kunstakademie Düsseldorf beginnt er zunächst im Bereich der Bühnenkunst, wechselt dann jedoch 1964 — 66 in die Klasse von Joseph Beuys. Seine Text-Bilder verstehen sich als moralische Embleme, die Werbung, politische Realität und bürgerliche Alltagswelt enthüllen (Milde Sorte, 1964; Pass (Deutsche Farben), 1965; Hapmi lieb, 1966). Die Malerei verbindet Immendorff mit gesellschaftskritischen und satirischen künstlerische Aktionen (Hört auf zu malen! 1966). Im Zeitkontext von Fluxus und der politischen Studentenbewegung tritt er in Performances, wie beispielsweise 1968 — 70 den anarchischen Lidl-Aktionen auf. Von 1968 bis 1980 ist Immendorff als Kunsterzieher in Düsseldorf tätig, beteiligt sich an der Documenta 5 (1972) und 7 (1982). Lehrtätigkeiten an der Hamburger Kunsthochschule (1982/83), der Kölner Werkkunstschule (1984/85) und ab 1998 an der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste (Städel-Schule) in Frankfurt/M. schließen sich an.

Entscheidend wird für Immendorff 1976 der Kontakt zu dem in Dresden lebenden Künstler A.R. Penck. Im selben Jahr entsteht seine Brechtserie (Fragen eines lesenden Arbeiters). In diesen Bild-Text-Gestaltungen offenbart sich am nachdrücklichsten seine Vertrautheit mit politischem Vokabular und Vorgehensweisen der Brechtschen Bühnenkunst. Penck und Immendorff beschließen im Folgejahr ein deutsch-deutsches Aktionsbündnis mit gemeinsamen Arbeiten und Aktionen (Immendorff besucht Y, 1979). In einer monumentalen 16-teiligen Bildserie behandelt Immendorff schließlich die Thematik der deutschen Teilung. Diese Rückkehr zum Historien- bzw. Ereignisbild bildet eine u.a. mit den Arbeiten von Baselitz vergleichbare Hinwendung zur menschlichen Figur und figuralen Bilderzählung. Politische Symbole und Versatzstücke traditioneller Ikonographie bilden dramatisierte Motive in expressionistischen nachtdunklen Großstadtszenarien seiner Café Deutschland-Bilder (1978 — 82). Ab 1984 werden seine Bilder auch in zahlreichen großen Museumsausstellungen, so u.a. in Hamburg, Oxford, Wien, Rotterdam, den Haag und Paris (1993) gezeigt.

Ab 1977 arbeitet Immendorff auch als Bildhauer. Seine Skulpturen mit expressivem Gestus und politisch-ikonographischen Motiven sind meist aus bemaltem Holz oder Bronze gestaltet (Versuch, Hammer zu werden 1987; Auf die Wiedervereinigung, 1989; Malertod II, 1990). Mit der 25 Meter hohen Skulptur Elbquelle entsteht 1999 in Riesa seine bislang monumentalste Arbeit. Aber auch an den Arbeiten für das Theater hält Immendorff fest, gestaltet 1994 Bühnenbild und Kostüme zu Igor Stravinskys Oper »A Rake’s Progress« im Rahmen der Salzburger Feststpiele.

Seit 1996 hat Jörg Immendorff eine Professur an der Kunstakademie Düsseldorf inne. Seine Arbeiten lassen seit 1998 einen gewissen Wandel erkennen. Die meist unbetitelten Bilder lösen sich vom erzählerischen Kontext, figurale Gestalungen erscheinen vor ornamentalem oder dunklem monochromen Hintergrund, geheimnisvolle Chiffren und zitatähnliche Verweise auf die Kunstgeschichte, u.a. auf Graphiken Baldung Griens treten auf. 2005 erhält er eine umfassende Retrospektive in der Neuen Nationalgalerie Berlin.

Jörg Immendorff stirbt im Mai 2007 in Düsseldorf.

Literaturauswahl

Jörg Immendorff. Male Lago: Ausst.-Kat. Nationalgalerie, Staatliche Museen zu Berlin, hg. v. Anette Hüsch und Peter-Klaus Schuster, Köln 2005

Immendorff, Bilder: Ausst.-Kat. Museum am Ostwall Dortmund, hg v. Tayfun Belgin, Dortmund 2000

Jörg Immendorff. Bild mit Geduld: Ausst.-Kat. Kunstmuseum Wolfsburg, Wolfsburg 1996

Immendorff. Malerei 1983 — 1990: Ausst.-Kat. Galerie der Stadt Esslingen, Villa Merkel, Museum moderner Kunst Wien, Stuttgart 1991

Jörg Immendorff. Café Deutschland: Ausst.-Kat. Kunstmuseum, Basel 1979

Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger Foto: Tobias Roch, Hagen Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014

Zu Sammlung hinzufügen…

×
×
×

Liebe Besucherinnen und Besucher,

seit 2006 gibt die museumsplattform nrw einen umfassenden Einblick in die Sammlungen und Aktivitäten ausgewählter NRW-Museen – und regt damit zugleich auch ein neues Publikum zum Museumsbesuch an. Monatlich 13.000 Besucher*innen belegen das Interesse an diesem einzigartigen Instrument zum interaktiven und kommunikativen Umgang mit Kunst im Netz.

Ein intensiv gepflegter und konstant ausgebauter Newsbereich mit Hinweisen zu Ausstellungen und Veranstaltungen oder Features aus der Kunstszene NRWs gehört ebenfalls dazu. 2013 erhielt die bereits seit zehn Jahren aktive Online-Plattform den bedeutenden Grimme Online Award.

Für den Ausbau dieses Online-Angebots sind wir auf den dauerhaften Beteiligungswillen der Museen angewiesen. Auch wenn die aktive Ausgestaltung derzeit nicht erfolgen kann, laden wir Sie doch herzlich ein, unser breites Angebot zum interaktiven und kreativen Umgang mit der Bildenden Kunst und ihren vielfältigen Formen medialer Vermittlung spielerisch zu erkunden.

Ihr NRW KULTURsekretariat