Jean Fautrier

Fautrier beginnt 1926, die sogenannten »Schwarzen Bilder« zu malen: Akte, Stillleben, Tierkörper, Blumenstudien und Landschaften. Aus düsterem, diffusem Hintergrund tauchen die ebenfalls dunklen Motive in Schwarz, schmutzigem Grau, Braun oder Rot auf, fast skizzenhaft, matt, meist im Gegenlicht und mit unklaren Konturen.

Jean Fautrier wird 1898 in Paris geboren. Nach dem frühen Tod des Vaters 1907 zieht die Mutter mit ihm nach London, wo er bereits von 1912 bis 1915 die Royal Academy of Arts, ab 1915 die Slade School of Fine Arts besucht. 1917 wird er zur französischen Armee bis 1919 in den Ersten Weltkrieg eingezogen, nach einer schwerwiegenden Gasverätzung und einem halbjährigen Krankenhausaufenthalt entlassen. Er wird sein Leben lang unter den gesundheitlichen Beeinträchtigungen leiden. Zwischen 1920 und 1921 zieht er sich nach Tirol zurück und lässt sich erst dann erneut in Paris nieder. 1923 entstehen erste grafische Werke. Motive sind vor allem Frauenakte, Stillleben und Portraits. Er lernt Jeanne Castel kennen, die ihm wichtige Kontakte vermittelt, sodass er erste Ausstellungen zeigen und 1924 einen Exklusiv-Vertrag mit dem Kunsthändler Paul Guillaume abschließen kann. Fautrier beginnt 1926, die sogenannten »Schwarzen Bilder« zu malen: Akte, Stillleben, Tierkörper, Blumenstudien und Landschaften. Aus düsterem, diffusem Hintergrund tauchen die ebenfalls dunklen Motive in Schwarz, schmutzigem Grau, Braun oder Rot auf, fast skizzenhaft, matt, meist im Gegenlicht und mit unklaren Konturen. Er entwickelt seinen eigenen Malgrund, in dem er Schichten von Papier auf Leinwand klebt und mehrfach grundiert. So legt er die ästhetische Tiefe bei gleichzeitig weich scheinender Plastizität seiner Bilder an.

Fautrier arbeitet auch grafisch und illustriert Bücher, vor allem Lyrikbände, und kann zunächst von seiner künstlerischen Arbeit leben. Jedoch trifft auch ihn und seine Auftraggeber die Wirtschaftskrise hart, zudem ist auf dem Kunstmarkt die Abstraktion gefragt. 1934 zieht er sich erneut nach Südtirol zurück und schlägt sich als Skilehrer durch. In dieser Zeit entstehen vor allem Aquarelle, Gouachen und Kleinplastiken. Erst nach weiteren Stationen in Marseille und Aix en Provence siedelt er 1940 erneut nach Paris, das nun von den Nazis besetzt ist. Fautrier wird von der SS der Résistance verdächtigt, kurzzeitig inhaftiert und befragt. Er findet nach seiner Freilassung bis 1945 eine Unterkunft in einer Klinik in Châtenay vor Paris. Dort wird er Zeuge der Erschießung mehrerer Geiseln durch die Deutsche Wehrmacht – ein Erlebnis, auf das sich sein Bilderkomplex Les Otages bezieht: Motive geschundener Köpfe und kaum erkennbarer, versehrter Leiber in schrundigem Duktus und heller, pastoser Farbigkeit vor rau gestalteten, dunklen Bildgründen. Die Bilder sind plastisch wie Reliefs, die Motive stechen aus dem dunklen Fond heraus, sie sind eher aus Farbplacken gebildet als mit dem Pinsel gemalt. Mit dieser Serie gelingt Fautrier 1945 der künstlerische Durchbruch. Er illustriert mehrere Bücher, von unter anderem Georges Batailles, André Frénaud und Jean Paulhan. Das Leiden der Menschen beschäftigt Fautrier zeit seines Lebens. Unter dem Eindruck des russischen Einmarsches in Ungarn malt Fautrier 1956 den Zyklus Têtes de partisans.

Fautriers erste Soloausstellungen finden 1927 in der Galerie Bernheim-Jeune und 1933 in der Galérie de la Nouvelle Revue Francaise in Paris statt. 1945 stellt die Galérie René Drouin, Paris Les otages aus. 1958 wird die erste Soloausstellung in Deutschland im Städtischen Museum Schloss Morsbroich in Leverkusen gezeigt. Fautrier nimmt 1959 an der Documenta II und 1960 auf der Biennale in Venedig teil, wo er den Großen Preis für Malerei erhält. 1961 gewinnt er auf der Grafik-Biennale in Tokio den Großen Preis. Seine erste Retrospektive zeigt 1964 das Musée d’Art Moderne de la Ville de Paris.

Im selben Jahr stirbt Fautrier nahe Paris.

Literaturauswahl

Yves Peyré: Fautrier ou les outrages de l’impossible, Paris 1990

Fautrier 1898 1964: Ausst.-Kat. Musée d’Art Moderne de la Ville de Paris, Paris 1989

Rainer Michael Mason: Jean Fautrier, die Druckgraphik. Neuer Versuch eines Werkverzeichnisses, hg. v. der graphischen Sammlung der Staatsgalerie, Stuttgart 1987

Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014 Foto: Tobias Roch, Hagen Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger

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