Ilja Kabakov

Er konstruiert Räume, die als »vollständiges Universum« angelegt sind: Meist dem sowjetischen Alltag entnommene Motive und Themen werden zum Gegenstand eingehender Betrachtung. Ilja Kabakovs Installationen liefern Ansichten und museale Erinnerungsformen für die im Westen weitestgehend unbekannten Lebenszusammenhänge des sowjetischen Alltags.

Ilya Kabakov wird 1933 im ukrainischen Dnjepropetrowsk geboren. 1943 beginnt er das Studium an der Kunstschule der Leningrader Kunstakademie in Samarkand, Usbekistan. Nach der Übersiedelung nach Moskau im Jahr 1945 besucht er die Kunstschule in Moskau. Ein weiteres Studium führt ihn 1951 — 57 an die graphische Fakultät des Surikov-Instituts. Im Anschluss setzt Kabakov – ähnlich wie sein Kollege Erik Bulatov – die schon 1955 begonnene freiberufliche Arbeit u.a. als Kinderbuchillustrator fort. 1956 entstehen erste Zeichenmappen, die sogenannten »Bildwörterbücher«, die 1970 — 78 in Alben zusammengefasst werden (Der fliegende Komarow, 1972 — 75; Der Mathematische Gorsky, 1972 — 75). 1962 werden Kabakovs Arbeiten mit der Gruppe des Beljutins-Ateliers in Moskau erstmalig ausgestellt. Die Aufnahme in den sowjetischen Künstlerverband erfolgt 1963. Zu diesem Zeitpunkt sind bereits 100 illustrierte Bücher Kabakovs entstanden. Mit parodistisch verfremdeten Darstellungen beschäftigt sich Kabakov seit 1965 – im Jahr der ersten Reisen ins westliche Ausland und der ersten Ausstellung in Italien. Das aus der Buchillustration stammende Interesse an einer pädagogischen Text-Bild-Anordnung wird Kabakov bald zum Analyseinstrument russischer Bildpropaganda: In seinen SHEK-Tafeln, die 1978 — 82 in Anlehnung an die Bezeichnung SHEK (= Büro für Wohnungsverwaltung) entstehen, nutzt er die Bildrhetorik des sozialistischen Realismus für eine Parodie auf überkommene Verbots- und Hinweistafeln (Hinaustragen des Mülleimers, 1980; Sonntagabend, 1980). Die Tafeln werden bald in umfangreichere Installationen integriert, die Beginn der 80er Jahre zum maßgeblichen und theoretisch reflektierten Gestaltungsmittel Kabakovs avancieren. Seine Idee zu einer »Expoart« formiert sich Ende der 70er Jahre als Antwort auf die Hindernisse, mit denen er bei Ausstellungen in der UdSSR konfrontiert wird. Als Vorstufe seiner späteren Installationen inszeniert er 1982 — 83 ein Environment als imaginäre Ausstellung für das Pushkin-Museum, die sich als Sammlungsort russischer Kulturartefakte versteht. In der Folge konstruiert Kabakov Räume, die als »vollständiges Universum« angelegt sind: Meist dem sowjetischen Alltag entnommene Motive und Themen werden zum Gegenstand eingehender Betrachtung (Der in den Kosmos Geflogene, 1985). Nun wird Kabakov mehr und mehr international bekannt. Er emigriert schließlich 1987 in den Westen und nimmt ein Jahr darauf an der Biennale in Venedig teil. Seine in den Folgejahren enstehenden Installationen liefern Ansichten und museale Erinnerungsformen für die im Westen weitestgehend unbekannten Lebenszusammenhänge des sowjetischen Alltags (Mutter und Sohn, 1990; Der rote Waggon, 1990/91; In der kommunalen Küche, 1991; Der rote Pavillon, 1993). 1992 realisiert Kabakov die Ausstattung und Kostüme für Alfred Schnittkes Oper »La vie avec un idiot«, die unter der Leitung Mstislav Rostropovitchs in Amsterdam aufgeführt wird. Von 1992 — 93 lehrt er an der Kunstakademie Frankfurt. Ilya Kabakov lebt und arbeitet in New York. Literaturauswahl

Ilya Kabakov, Installationen 1983 — 2000: Werkverzeichnis, 2 Bde. hg. von Toni Stooss, Düsseldorf 2003

Ilya Kabakov, Universalsystem zur Darstellung von allem / Ilya Kabakov. A Universal System for Depicting Everything: Ausst.-Kat. Kunsthalle Göppingen hg. v. Werner Meyer, Düsseldorf 2002

Groys, Boris; Ross, David A.; Blazwick, Iwona: Ilya Kabakov, London 1998

Wallach, Amei: Ilya Kabakov, The Man who Never Threw Anything Away, New York 1996

Foto: Tobias Roch, Hagen Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014 Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger

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