Herbert Brandl

Er konzentriert sich überwiegend auf abstrakte, leinwandfüllende Farbformationen. Herbert Brandls Bilder offenbaren besonderes Interesse an der Materialität der Farbe wie der Oberflächenstruktur des Bildes und stehen damit konzeptuellen Ansätzen nahe, wenn sie sich auch an der Grenze zur Gegenständlichkeit positionieren.

Herbert Brandl wird 1959 in Graz geboren. 1978 schreibt er sich an der Hochschule für angewandte Kunst Wien ein, studiert bei Herbert Tasquil und Peter Weibel. 1985 bis 1991 ist er Gastdozent an der Wiener Hochschule für Angewandte Kunst, seit 2004 lehrt Brandl an der Kunstakademie Düsseldorf.

Brandls frühe Gemälde entstehen in einer Zeit der Wiederbelebung der Malerei in den beginnenden 1980er Jahren. Doch widmet sich der Künstler den wiederentdeckten Möglichkeiten malerischen Ausdrucks nicht im Rahmen jener Bewegungen, die unter den Begriffen »Neue Figuration« oder auch »wilde« Malerei gefasst werden, auch wenn seine meist unbetitelten Werke auch bisweilen in solchem Rezeptions- und Ausstellungskontext erscheinen. Brandl konzentriert sich überwiegend auf abstrakte, leinwandfüllende Farbformationen. Sie offenbaren besonderes Interesse an der Materialität der Farbe wie der Oberflächenstruktur des Bildes und stehen damit konzeptuellen Ansätzen nahe, wenn sie sich auch an der Grenze zur Gegenständlichkeit positionieren. Brandls Zugang ist individuell, er zeigt – durchaus in der Auseinandersetzung mit der malerischen Tradition der Moderne (Blumen, 1982/84) und bisweilen auch mit zeitaktueller Farbpalette – Konzentration auf Probleme der Bewegung und des Lichts (Der heilige Berg, 1982/83), deren Behandlung ihn auch zur Gegenständlichkeit führen kann (Wasserfall,1983). Das Spektrum der malerischen Lösungen ist weit gefasst, beinhaltet gleichermaßen bewegte, dunkelfarbige All-Over-Kompositionen, die mit ihren gestischen Strukturen ebenso an die informelle Kunst wie Pollocks Drippings erinnern, wie auch ruhigere Kompositionen in hellerem Farbspektrum.

In den vorübergehend auch kleinformatigeren Arbeiten der 1990er Jahre gewinnen Aspekte der Materialität und Farbtiefe an Bedeutung, ohne die gestischen Kratz- und Schabtechniken zu verdrängen. Die Farbschichtungen lassen nun auch den Entstehungsprozess der Bilder deutlicher sichtbar werden, führen eine zeitliche Dimension in die Gemälde ein (Ohne Titel, 1998). In jüngerer Zeit wendet sich Brandl stärker von diesen abstrakteren Farbkonzeptionen ab, bleibt diesen jedoch mit der oft erinnernden Annäherung an Gegenständliches verbunden. Auf der Basis von Fotografien entstehen seit Ende der 1990er Jahre Landschaftsbilder, großformatige Berg- und Auenlandschaften, die die Aufmerksamkeit stärker auf das Sujet und die Vermittlung einer Stimmung verlagern, aber auch riesige, seriell angelegte unbetitelte Gemälde, die sich wie abstrahierende Ausschnitte landschaftlicher Kompositionen ausnehmen. Trotz des Gegenstandsbezugs, den auch die jüngeren Gemälde von gewaltigen Bergpanoramen und Berggipfeln herstellen, zeigen auch diese Landschaftsbilder Brandls ungebrochenes Interesse an reiner, zum Teil auch in Schwarz-Weiß gehaltener, gestischer Malerei.
Neben den weit bekannteren Gemälden und zum Teil in losem Bezug zu diesen entstehen auch zahlreiche Zeichnungen, Aquarelle, Fotografien und Videoarbeiten.

Seit der ersten Einzelausstellung Brandls im Jahr 1984 (Neue Galerie am Landesmuseum Joanneum, Graz) werden seine Bilder im Ausstellungskontext internationaler Positionen der Malerei gezeigt (Biennale von Paris, 1985; Kunsthalle Wien, 1993; Museum Haus Esters, Essen 1994; »Painting on the Move«, Kunsthalle Basel 2002). 1992 ist Brandl auf der Documenta IX vertreten, 2007 gestaltet er den Österreichischen Pavillon auf der Biennale von Venedig.

Herbert Brandl lebt und arbeitet in Wien.

Literaturauswahl

Fleck, R.: Herbert Brandl. La Biennale Di Venezia 2007. Ostfildern-Ruit 2007

Schwarze Raucher – Erze und Fauna aus ozeanischen Tiefen: Ausst.-Kat. Landesmuseum Joanneum, Graz 2004

Chromophobie, Herbert Brandl – Eine Übersicht: Ausst.-Kat. Neue Galerie Graz am Landesmuseum Joanneum, Ostfildern-Ruit 2002

Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014 Foto: Tobias Roch, Hagen Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum

Zu Sammlung hinzufügen…

×
×
×

Liebe Besucherinnen und Besucher,

seit 2006 gibt die museumsplattform nrw einen umfassenden Einblick in die Sammlungen und Aktivitäten ausgewählter NRW-Museen – und regt damit zugleich auch ein neues Publikum zum Museumsbesuch an. Monatlich 13.000 Besucher*innen belegen das Interesse an diesem einzigartigen Instrument zum interaktiven und kommunikativen Umgang mit Kunst im Netz.

Ein intensiv gepflegter und konstant ausgebauter Newsbereich mit Hinweisen zu Ausstellungen und Veranstaltungen oder Features aus der Kunstszene NRWs gehört ebenfalls dazu. 2013 erhielt die bereits seit zehn Jahren aktive Online-Plattform den bedeutenden Grimme Online Award.

Für den Ausbau dieses Online-Angebots sind wir auf den dauerhaften Beteiligungswillen der Museen angewiesen. Auch wenn die aktive Ausgestaltung derzeit nicht erfolgen kann, laden wir Sie doch herzlich ein, unser breites Angebot zum interaktiven und kreativen Umgang mit der Bildenden Kunst und ihren vielfältigen Formen medialer Vermittlung spielerisch zu erkunden.

Ihr NRW KULTURsekretariat