Henri Laurens

Auf der Pariser Weltausstellung von 1937/38 erhält Laurens zahlreiche staatliche Dekorationsaufträge für seine weiblichen Naturallegorien. Nach dem Krieg wird Laurens 1948 eine Einzelausstellung auf der Biennale von Venedig gewidmet, zahlreiche Würdigungen folgen ab 1949 mit einer Ausstellung in Brüssel, 1951 der großen Retrospektive in Paris und zahlreichen nationalen und internationalen Ausstellungen bis heute.

Henri Laurens wird 1885 in Paris geboren. Nach der Ausbildung an der Pariser Kunstgewerbeschule und in unterschiedlichen Dekorationsateliers widmet er sich schließlich der figuralen Bildhauerei. Entscheidend für seinen frühen Werke wird die Begegnung mit Pablo Picasso und Georges Braques, deren kubistische Experimente ihn in seinen ersten Skulpturen beeinflussen. In seinen Konstruktionen aus bemaltem Metall und Holz gestaltet er labil erscheinende figürliche Gebilde aus flächigen Einzelteilen (Le Clown, 1915; Tête, 1915 — 1918). Seine erste Einzelausstellung findet in Paris 1916 statt. Einige Zeit später nutzt er die Materialien Keramik und Stein und wendet das kubistische Prinzip der analytischen Auffächerung der Volumina an, um Köpfe, Stilleben und Figuren zu gestalten (Tête de jeune fille, 1920).

1919 kehrt Laurens zur rundplastischen Körpergestaltung zurück. Vor allem die weiblichen Akte in Stein und Terrakotta zeigen nun oft klare und beruhigte Umrisse, gewölbte gerundete Oberflächen und statische Haltungen (Femme accroupie, 1922). Diese Ausrichtung verstärkt sich Mitte der 20er Jahre hin zu einem figuralen Klassizismus. Laurens’ Arbeiten werden großformatiger, die Orientierung an den Traditionen der Aktskulptur mischt sich mit dem Interesse an einer deutlicher architektonisch ausgerichteten Figurgestaltung (Femme à la draperie, 1928; Karyatide 1929). Ab 1925 entstehen auch Entwürfe für die Ballets Russes.

In den 30er und 40er Jahren wandelt sich Laurens Figurauffasung nochmals entscheidend. Biomorphe Darstellungsprinzipien, in denen sich surrealistische Vorstellungen von natürlicher Metamorphose ausdrücken, werden zur Leitlinie seiner weiblichen Akte. Die weich erscheinenden, anatomisch verformten und massigen Körper werden zum Ausdruck natürlicher Stoffe. Zoomorphe Wesen mit fließenden biegsamen Konturen entstehen, die zeitgleich mit den Werken Henry Moores eine archetypisch orientierte Erneuerung der weiblichen Aktdarstellung anstreben. Während Moore jedoch vornehmlich die Zerteilung und Zerlegung des Körpers in allegorischen Landschaftsdarstellungen inszeniert, sucht Laurens die prozesshafte Verlebendigung in Tier-Mensch-Metamorphosen, die ab den 40er Jahren vermehrt mythologische Themen zum Vorbild nehmen (La Grande maternité 1932; L’Océanide 1933; Les Ondines 1933). Auf der Pariser Weltausstellung von 1937/38 erhält Laurens zahlreiche staatliche Dekorationsaufträge für seine weiblichen Naturallegorien (La Terre, 1937; L’Eau, 1937). Nach dem Krieg wird Laurens 1948 eine Einzelausstellung auf der Biennale von Venedig gewidmet, zahlreiche Würdigungen folgen ab 1949 mit einer Ausstellung in Brüssel, 1951 der großen Retrospektive in Paris und zahlreichen nationalen und internationalen Ausstellungen bis heute.

Henri Laurens stirbt 1954 in Paris.

Literaturauswahl

Henri Laurens. Rétrospective: Ausst.-Kat. Musée d’Art Moderne de la Commune Urbaine de Lille, Villeneuve d’ Asq, Paris 1992

Henri Laurens. Skulpturen, Collagen, Zeichnungen, Aquarelle Druckgrafik. Œuvreverzeichnis der Druckgrafik: Ausst.-Kat. Sprengel Museum, Hannover 1985

Hofmann, Werner: Henri Laurens. Das plastische Werk, Stuttgart 1970

Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014 Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum Foto: Tobias Roch, Hagen

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