Günther Kieser

Seine Plakate sind fester Bestandteil der neuen Musikszene und ihrer visuellen Kultur geworden. Sie stehen mit zeitaktuellen Themen und politisch-kritischen Perspektiven im Kontext des Zeitgeschehens. Kiesers Arbeiten wurden vielfach plakatiert, auf Programmheften, Plattencovern veröffentlicht, aber auch im Rahmen von Ausstellungen, so im Frankfurter Museum für Kunsthandwerk oder Museum of Modern Art in New York und in Ausstellungshäusern in Berlin, Bern, in Mexiko, Polen oder China gezeigt.

Satz mit Arcimboldo ist verkrunkelt, 2 — 3 Sätze daraus machen.

(Karl Georg) Günther Kieser wird 1930 in Kronberg nahe Frankfurt/M. geboren. Er studiert, durch die kriegsbedingte Schließung unterbrochen, 1946 — 1949 an der Werkkunstschule in Offenbach, arbeitet ab 1949 als freier Grafiker. Noch während des Studiums begegnet Kieser Hans Michel, mit dem er 1952 eine Ateliergemeinschaft gründet, die bis 1962 besteht. Während dieser Zeit entstehen u.a. Arbeiten für die Deutsche Bundespost und den Hessischen Rundfunk, die beide Grafiker gemeinsam mit »M+K« signieren. 1956 wird Kieser Mitglied des Deutschen Werkbunds, schließlich der Alliance Graphique Internationale (AGI). 1981 erhält er eine Professur für Visuelle Kommunikation an der Bergischen Universität Wuppertal, die er bis 1992 innehat.

Ende der 1940er Jahre lernt Kieser Horst Lippman, den Gründer einer der ersten Konzertagenturen für Jazz in Deutschland, Lippmann & Rau, und Mitbetreiber des Frankfurter »Hotclubs« kennen, kann in dessen Auftrag 1948 erste Plakate gestalten: »(…) mit ihnen entstand eine kontinuierlich publizierte Bildsprache, die sich ungehindert entwickeln durfte.« Auch gemeinsam setzen Kieser und Michel die freie Entwurfsarbeit für die Agentur mit Konzertplakaten für Duke Ellington, Ella Fitzgerald, Count Basie, Oscar Peterson oder John Coltrane fort. Während Michels abstraktere Arbeiten meist von der Verbindung der Fotografie mit dem Linolschnitt gezeichnet sind, bringt Kieser eher Zeichnung und Collage verdankte grafische Qualitäten in die gemeinsamen Entwürfe ein.

Nach dem Ende der Ateliergemeinschaft 1962 arbeitet Kieser v.a. für das Konzertbüro Lippmann+Rau, das Deutsche Jazz Festival Frankfurt oder die Berliner Jazz Tage. Grafische Entwürfe, die Zeichnung und Schrift zu blockhaften Gefügen verbinden, entstehen beispielsweise mit dem Entwurf für das American Folk Festival 1966, das am Beginn eines langfristigen Werbe- und Gestaltungskonzepts steht. Kiesers Plakate sind nun fester Bestandteil der neuen Musikszene und ihrer visuellen Kultur geworden. Sie finden sich in Kneipen, Veranstaltungssälen, an Plakatwänden, stehen mit zeitaktuellen Themen und politisch-kritischen Perspektiven im Kontext des Zeitgeschehens. Die im Laufe der kommenden Jahre entstehenden, meist fotografisch erfassten Plakatsujets verbinden plakative Entwürfe mit objekthaften Arrangements, Zeichnerisches und Malerisches mit dreidimensionalen Phantasieobjekten, die Kieser eigens für seine Plakate herstellen lässt. Entwürfe wie Jimi Hendrix, Experience, ein Konzertplakat von 1969 für die Frankfurter Festhalle, das zum Symbol einer neuen Musikszene und Generation avanciert, zeigt solch multimedial angelegte Strategien zwischen Plakat-, Objektkunst und fotografischer Vermittlung.

Mit dem provokanten Tourplakat Frank Zappa’ s Mothers of Invention von 1970 beispielsweise wird die tragende Funktion der zeittypisch-blockhaften Schrifttypen, die bei Kieser immer in enger Beziehung zu den Bildinhalten stehen, sprichwörtlich. Wie der aufcollagierte Unterleib des David Michelangelos, der an heikler Stelle den bärtigen Kopf Zappas trägt, fungieren die beiden informativen Textblöcke im unteren Teil gleichsam als bein- wie bildstützende Elemente. Auch in den Entwürfen der 1980er und 90er Jahre hält Kieser an so heterogenen Bildelementen durch geschickte durch geschickte Komposition, Textsatz und Fotografie vereinenden Gestaltungsmethoden fest. Plakatentwürfe wie für das Frankfurter Jazzfestival 1990, das die verschlungene Objektkonstruktion eines Kopfes aus Blasinstrumentteilen zum (auch hier) alleinigen Plakatsujet erhebt, zeugt erneut von dem weit über grafische Mittel hinausgehenden, medienübergreifenden Designverständnis. Wie bei Kieser üblich – ganz ohne digitale Methoden der Bildherstellung –, wandert er hier auf den Spuren eines Arcimboldo und gibt überdies Orientierungspunkte in der Geschichte der Kunst preis.

Kiesers Arbeiten wurden vielfach plakatiert, auf Programmheften, Plattencovern veröffentlicht, aber auch im Rahmen von Ausstellungen, so im Frankfurter Museum für Kunsthandwerk oder Museum of Modern Art in New York und Ausstellungshäusern in Berlin, Bern, in Mexiko, Polen oder China gezeigt.

Günther Kieser lebt und arbeitet in Frankfurt/M.

Literaturauswahl

Politik, Pop und Afri-Cola. 68er Plakate: Ausst.-Kat. Museum Folkwang, Essen 2008

PERSONA 2002: Günther Kieser: Ausst.-Kat. Galeria Sztuki Wozownia, hg. v. Z. Schubert, R. Janska, Torun 2002

Günther Kieser – Plakate, Exchange: Ausst.-Kat. Museum für Kunsthandwerk, Funkhaus Frankfurt/M., hg. v. Hessischen Rundfunk, Mainz 1995

Kontraste – Musikplakate von Günther Kieser und Niklaus Troxler: Ausst.-Kat. 1994

Das zweite Gesicht. Plakate von Günther Kieser: Ausst.-Kat. hg. v. F. Mellinghoff, Mainz 1989

Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum Foto: Tobias Roch, Hagen Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014

Zu Sammlung hinzufügen…

×
×
×

Liebe Besucherinnen und Besucher,

seit 2006 gibt die museumsplattform nrw einen umfassenden Einblick in die Sammlungen und Aktivitäten ausgewählter NRW-Museen – und regt damit zugleich auch ein neues Publikum zum Museumsbesuch an. Monatlich 13.000 Besucher*innen belegen das Interesse an diesem einzigartigen Instrument zum interaktiven und kommunikativen Umgang mit Kunst im Netz.

Ein intensiv gepflegter und konstant ausgebauter Newsbereich mit Hinweisen zu Ausstellungen und Veranstaltungen oder Features aus der Kunstszene NRWs gehört ebenfalls dazu. 2013 erhielt die bereits seit zehn Jahren aktive Online-Plattform den bedeutenden Grimme Online Award.

Für den Ausbau dieses Online-Angebots sind wir auf den dauerhaften Beteiligungswillen der Museen angewiesen. Auch wenn die aktive Ausgestaltung derzeit nicht erfolgen kann, laden wir Sie doch herzlich ein, unser breites Angebot zum interaktiven und kreativen Umgang mit der Bildenden Kunst und ihren vielfältigen Formen medialer Vermittlung spielerisch zu erkunden.

Ihr NRW KULTURsekretariat