Gregor Schneider

Schneider lässt reale Räume verschwinden, indem er in die vorhandene Architektur neue Wände, Böden, Decken, Winkel, Nischen, Treppen sowie Fenster und Türen baut. Mit Leuchten hinter den Einbauten simuliert er Tageszeiten. Der neue »Kunst-Raum« ist quasi eine reale Illusion.

Gregor Schneider wird 1969 in Rheydt geboren. Von 1989 bis 1992 studiert er an den Kunstakademien Münster, Düsseldorf und Hamburg. 1999 bis 2003 hat er Lehraufträge und Gastprofessuren inne, unter anderem in Amsterdam, Hamburg und Kopenhagen. 2009 wird er Professor für Bildhauerei an der Universität der Künste, Berlin. 2012 wechselt er an die Akademie der Bildenden Künste nach München.

Schneider lässt reale Räume verschwinden, indem er in die vorhandene Architektur neue Wände, Böden, Decken, Winkel, Nischen, Treppen sowie Fenster und Türen baut. Mit Leuchten hinter den Einbauten simuliert er Tageszeiten. Der neue »Kunst-Raum« ist quasi eine reale Illusion. So beginnt er 1985 ein Wohnhaus in Mönchengladbach umzuwandeln, das Haus u r. Nicht nur baut er es über Jahre beständig zu einem labyrinthartigen Gehäuse um, das verlassen und unbehaust wirkt, sondern er lässt mit Hilfe von Motoren die Decken, Böden und Wände sich bewegen, sich senken, kaum merklich aufeinander zu rücken. So erschafft er eine äußerst beklemmende Atmosphäre.

Das Haus u r wird zum Ausgangspunkt weiterer Arbeiten und seines Beitrags zur Venedig Biennale 2001: Den deutschen Pavillon gestaltet er als Totes Haus u r zu einem alten Wohnhaus mit 24 Räumen aus Bauteilen des Mönchengladbacher Projekts um. Während Schneider für diesen Biennale-Beitrag mit dem Goldenen Löwen geehrt wird, gerät seine Arbeit Cube 2005 zum politischen Streitfall: Er baut einen hausgroßen schwarzen Kubus in Anlehnung an die Kaba. Die Kaba ist das Zentrum der islamischen Pilgerstätte in Mekka in Gestalt eines großen, fast quadratischen Gebäudes, dessen Wände mit einem tiefschwarzen Vorhang vollständig bedeckt sind. Schneider sieht seinen Kubus als Beitrag zur Biennale 2005 vor, die Aufstellung wird aber aus Sorge vor interreligiösen Streitigkeiten verboten, bis der Cube mit dem veränderten Titel Das schwarze Quadrat. Hommage an Malewitsch 2007 auf dem Gelände der Hamburger Kunsthalle ausgestellt werden kann. Bereits ein Jahr später kommt Schneider mit seinem Plan für das öffentliche Sterben eines Todkranken in einem Kunstraum in die Schlagzeilen. Er will den Tod als normales Phänomen betrachten. Die Empörung in der Politik, im Kunstbetrieb und beim Publikum ist immens.

2008/2009 stellt der Künstler eine Installation vor dem Museum Abteiberg in Mönchengladbach auf: End. Auch hier sind Teile aus dem Haus u r integriert. Die Front erinnert stark an Malewitschs Schwarzes Quadrat. Allerdings betritt der Besucher dieses »Raumbild« in Gänze; er taucht in das Schwarz ein, tastet sich in tiefer Dunkelheit an den Wänden entlang, klettert über Leitern und arbeitet sich überwiegend orientierungslos durch das höhlenartige Gebilde bis zum Museumseingang vor. So wirken Schneiders Räume stets wie Metaphern für die menschlichen Ängste und für das Leben, durch das wir mal mehr, mal weniger straucheln.

1985 zeigt die Galerie Kontrast in Mönchengladbach Schneiders erste Soloschau, 1998 folgen das Germanische Nationalmuseum Nürnberg und das Palais Tokyo, Paris. Im Jahr 2000 nimmt Schneider an der Ausstellung des Sprengelmuseums Hannover »Aller Anfang ist Merz – Von Kurt Schwitters bis heute« teil, 2004 präsentiert ihn das Museum of Contemporary Art in Los Angeles, USA, 2009 das Museum Herzliya in Israel. Schneider erhält 1995 den Förderpreis des Landes NRW, 1996 das Karl Schmidt-Rotluff-Stipendium und 1997 den Förderpreis der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung. 1999 ist er Stipendiat in der Villa Romana in Florenz.

Gregor Schneider lebt und arbeitet in Rheydt.

Literaturauswahl

Gregor Schneider, Udo Kittelmann: Gregor Schneider, Totes Haus Ur, La Biennale di Venezia 2001, Ostfildern 2002

Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014 Foto: Tobias Roch, Hagen Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger

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