Douglas Allsop

Seine Werke sind auf Perzeption, Interaktion und Reflexion angelegt; die aktive Mitwirkung des Betrachters ist vor allem dort eingefordert, wo Oberflächen auf ein Dahinter deuten, wo sich scheinbar Ausblicke oder Einblicke in Räume öffnen und durch die Eigenbewegung im Raum überdies variierbar sind. Allsops Bilder sind in ihrer stets engen Raumbezüglichkeit an den Grenzen der Medien angesiedelt, ambivalent gehalten, kaum kategorisierbar.

Douglas Allsop wird 1943 in London geboren. Nach der Schule nimmt er 1964 — 65 an der Postgraduate Arts Council Digswell Scholarship teil, ist 1965 — 75 Fellow an der Digswell House Arts Community in Hertfordshire. Seine Lehrtätigkeit setzt er 1995/96 als Director of Studies an der Byam Shaw School of Art in London fort und hält dort seit 2006 eine Professur in Fine Art.

In seinen frühen Bildern der 1960er Jahre befasst sich Allsop gleichermaßen mit dem Bild wie dem Bild- und Betrachterraum. Durch den Einsatz glänzender Oberflächen erzielt er Raum und Licht reflektierende Wirkungen, die sich bald nicht mehr im Medium der traditionellen Malerei entwickeln lassen. Sie führen zu veränderten Verfahren, wie beispielsweise der sandgestrahlten Bild- und Objektoberfläche (Rotational Window), aber auch zur fotografisch ausgerichteten Bildvermittlung. Seine Erfahrungen mit polarisierndem oder getöntem Glas, das Transparenz, Oberflächen- und Farbwirkung vereint, benennt Allsop als ebenso maßgeblich für seine Abwendung von der Malerei wie sein Interesse an den lichtkinetischen Objekten Moholy-Nagys oder an den zeitaktuellen Technik und Material ausgerichteten künstlerischen Tendenzen in Deutschland und den Niederlanden der 1960er Jahre, zu denen er im Falle der Zero-Mitglieder Mack und Piene auch in Verbindung steht. So verwundert kaum, dass Allsops Ausstellungspräsenz in den 1970er Jahren vor allem in Deutschland ihren Anfang nimmt (1972, Kunstmesse Düsseldorf; Kunstmuseum Gelsenkirchen).

Mit Titeln aus Technik und Ingenieurswesen, die Allsop so spezifisch wie möglich anlegt und die dennoch immer mehrdeutig gehalten sind, drückt sich der programmatische wie zugleich auch offene Charakter der späteren, seit den 1970er Jahren entstehenden Bildobjekte (Reflective Grid, 1974/75) und Installationen aus (vgl. Video-Interview anl. der Ausst. Fast surface, Blind screen and Reflective editors, University of the Arts, London 2009). Geometrische Grundformen, Ordnungssysteme, Rasterstrukturen und Rahmenformen, industrielle Materialien wie Lochbleche und Acryglas beschreiben eine berechnete, nüchterne und von eingeschränktem Farbspektrum bestimmte Bildlichkeit. Vordefinierte Regularien und strikte Maße – basierend auf einer Einheit von 99,25 cm – sind ebenso bestimmende Größen wie das Format der Werkfolge oder nummerierten Serie. Dennoch sind Allsops Bilder in ihrer stets engen Raumbezüglichkeit an den Grenzen der Medien angesiedelt, ambivalent gehalten, kaum kategorisierbar.

Ausgangspunkte der meist im All Over gehaltenen Bildkonzepte liegen erklärtermaßen in der Minimal und Concrete Art, doch sind nicht nur die Mehrdeutigkeit der Betitelung, sondern auch räumliche und architektonische Bezugsfelder wie auch spezielle optische und teils der Fotografie entnommene Effekte der Irritation erkennbar auf Überschreitung des ursprünglich maßgebenden Spektrums an Farbe, Form und Regelwerk angelegt. So geben sich Allsops schwarz gerahmte weiße Feldraster unterschiedlichen Formats und verschiedener Anordnung, die stets jener Idee des »Fensters« verpflichtet sind, seine Lochrasterstrukturen in Schwarz-Weiß, die reflektierenden Bildscheiben, mit denen Allsop ebenso in den Raum eingreift wie mit den semitransparenten Raumteilern aus Videoband, immer als Stellungnahmen zum Bildbegriff zu verstehen. Sie entfalten dabei stets perzeptive Qualitäten, führen über und aus dem Bild heraus, öffnen Räume oder greifen in diese ein. Auch durch ihre Figur-Grund-Konstellationen, Farbkontrastwirkungen und Materialeigenschaften werden optische Prozesse, visuelle Ambivalenzen und Nachbilder ausgelöst, die die Bild- und Raumwahrnehmung engführen.

Allsops Werke sind auf Perzeption, Interaktion und Reflexion angelegt; die aktive Mitwirkung des Betrachters ist vor allem dort eingefordert, wo Oberflächen auf ein Dahinter deuten, wo sich scheinbar Ausblicke oder Einblicke in Räume öffnen und durch die Eigenbewegung im Raum überdies variierbar sind. So kennzeichnen und umschreiben Allsops Fast surfaces, Blind screens und Reflective editors gleichermaßen Wahrnehmungsphänomene an einer Grenze, an der Oberfläche oder auf/über eine Reflexionsebene.

Spätere Ausstellungen von Allsops Werken fokussieren diese Aspekte seiner konkreten Kunst, aber auch durch ihren Blick auf jene Grenzphänomene und bildüberschreitenden Strategien, die Allsops Werk generell kennzeichnen (»Emotionalität und Rationalität«: Galerie ART IN, Nürnberg, 1995; »Positionen – Reisen an die Grenzen der Malerei«: Museum Folkwang Essen, 1996; »The Thinking Eye«: Painting Faculty, Royal College of Art, Hong Kong, 1996; »Zeit-Räume«: Städt. Galerie, Villa Zanders, Bergisch Gladbach, 2000; Reflexions on both sides, Allsop & Dahlhausen, Ges. für Kunst und Gestaltung Bonn, 2008). Einzelausstellungen der letzten Jahre finden u.a. 2001 im Städt. Museum Gelsenkirchen (Douglas Allsop – Zeichnungen, Objekte und Installationen 1971 — 2001), 2006 im Centre d’Arts Plastiques et Visuels in Lille, 2007 im Wilhelm-Hack-Museum, Ludwigshafen oder 2008 in der Städtischen Galerie Villa Zanders in Bergisch Gladbach statt.

Douglas Allsop lebt in London.

Literaturauswahl

Douglas Allsop – blind screen: Ausst.-Kat. Städtische Galerie Villa Zanders u.a.O., Bergisch Gladbach 2008

Douglas Allsop. Zeichnungen, Objekte und Installationen 1971 — 2001: Ausst.-Kat. Emschertal-Museum, 2001

Douglas Allsop: Ausst.-Kat. Galeria Koto, 1999

Positionen – Reisen an die Grenzen der Malerei»: Museum Folkwang, Essen 1996

Surface: Douglas Allsop: Ausst.-Kat. Kapil Jariwala Gallery, hg. v. Rohan Harris, Sally Musgrove, Text v. Stephen Bann, London 1996

Douglas Allsop: Lacunae: Ausst.-Kat. Galerie Emilia Suciu, 1995

Douglas Allsop: Ausst.-Kat. Laure Genillard Gallery, m. Einl. v. Stephen Bann, London 1990

Foto: Tobias Roch, Hagen Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014 Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger

Zu Sammlung hinzufügen…

×
×
×

Liebe Besucherinnen und Besucher,

seit 2006 gibt die museumsplattform nrw einen umfassenden Einblick in die Sammlungen und Aktivitäten ausgewählter NRW-Museen – und regt damit zugleich auch ein neues Publikum zum Museumsbesuch an. Monatlich 13.000 Besucher*innen belegen das Interesse an diesem einzigartigen Instrument zum interaktiven und kommunikativen Umgang mit Kunst im Netz.

Ein intensiv gepflegter und konstant ausgebauter Newsbereich mit Hinweisen zu Ausstellungen und Veranstaltungen oder Features aus der Kunstszene NRWs gehört ebenfalls dazu. 2013 erhielt die bereits seit zehn Jahren aktive Online-Plattform den bedeutenden Grimme Online Award.

Für den Ausbau dieses Online-Angebots sind wir auf den dauerhaften Beteiligungswillen der Museen angewiesen. Auch wenn die aktive Ausgestaltung derzeit nicht erfolgen kann, laden wir Sie doch herzlich ein, unser breites Angebot zum interaktiven und kreativen Umgang mit der Bildenden Kunst und ihren vielfältigen Formen medialer Vermittlung spielerisch zu erkunden.

Ihr NRW KULTURsekretariat