Claus Föttinger

Das »Nicht-Vergessen« steht hier an erster Stelle – und Fragen nach gültigen Formen der Erinnerung in einer sich permanent wandelnden Welt, die heranwachsende Generationen ansprechen und die Öffentlichkeit einbeziehen. 

Claus Föttinger wird 1960 in Nürnberg geboren. Ab 1982 studiert er Malerei an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf und schließt 1989 nach einem Meisterschülerjahr bei Alphonso Hüppi ab. 1991 ist er Gründungsmitglied des Kunstvereins WP8 in Düsseldorf, den er von 1992 bis 1994 ehrenamtlich leitet. Anschließend wirkt er als Gastkurator am Schloss Ringenheim (Niederrhein). Seit 1997 konzentriert sich Claus Föttinger ausschließlich auf eigene künstlerische Projekte.

Sein wichtigstes Thema ist der Umgang mit politischer und kultureller Geschichte und Gegenwart. Dazu gehört insbesondere die »Erinnerungskultur«, wie sie seit den 1990er Jahren angesichts der deutschen Geschichte im 20. Jahrhundert intensiv diskutiert wird, beispielsweise anlässlich von Gedenkstätten in der neuen Hauptstadt Berlin. Hier verweben sich Geschichtsschreibung, Fragen nach politischer und gesellschaftlicher Verantwortung, Gegenwarts- und Zukunftsgestaltung aufs Engste mit der konkreten Formgebung in Architektur, Stadtplanung und Darstellung. Das »Nicht-Vergessen« steht hier an erster Stelle – und Fragen nach gültigen Formen der Erinnerung in einer sich permanent wandelnden Welt, die heranwachsende Generationen ansprechen und die Öffentlichkeit einbeziehen. Hier bringt sich Claus Föttinger mit seinen Arbeiten ein. Er tut dies bisweilen mit einer gestalterischen Leichtigkeit, die dem Betrachter die Schwere der Inhalte sozusagen erst durch die Hintertür präsentiert. So rückt der Künstler beispielsweise in der »Verkleidung« einer Freizeitvergnügung die heutige Nutzung des Nürnberger Reichsparteitagsgeländes in den Fokus: In der Ausstellung »Das Gelände«, in der Kunsthalle Nürnberg 2008 zeigt er die Rauminstallation Triumph der Freizeit, die aus einer Bar und Lichtkugeln besteht – von Föttinger häufig genutzte Elemente. Der Bartresen und die Leuchtobjekte sind mit Fotodrucken von Ereignissen auf dem Reichsparteitagsgelände beklebt – mal zeigen sie Autorennen, mal Fußballspiele, mal Konzerte oder andere Unterhaltung.

Diese irritierenden Verschränkungen von gestern und heute, Geschichte und Kunst, sind Föttingers bevorzugte künstlerische Verfahren. Das Ziel ist eine teils unerwartete Begegnung mit dem historisch, kulturell oder geographisch weit Entfernten, dem Abgewiesenen, Abgespaltenen und dem Fremden. Dabei steht letztlich eben nicht das Betrachtete im Fokus, sondern vielmehr der eigene Blick und das Denken, das diesen Blick lenkt. Ebendies erzielt Föttinger mit seinen Kombinationsverfahren. Der Besucher kann sich an die Bars stellen, die Objekte anfassen und so zu einer sinnlichen und kognitiven Begegnung mit den Bildern und ihren Inhalten kommen. Damit vermehrt der Künstler die Wirkungsebenen und -felder seiner Kunst.

Föttinger zeigt seine erste Solo-Schau 2001 im Museum Ludwig, Köln, weitere folgen unter anderem bei der Galerie Sies + Höke auf der Armory Show in New York 2003. 2010 zeigt das Leopold-Hoesch-Museum in Düren »Claus Föttinger – Saigon Wrap and other Natural Phenomenons«. Seit den 1980er Jahren ist Föttinger auch an Gruppenausstellungen beteiligt, wie 1997 in der Kunsthalle Nürnberg und 2004 bei der Schau »Auschwitz-Prozess 4 Ks 2/63« im Haus Gallus, Frankfurt/Main und dem Martin-Gropius-Bau Berlin. Seine enge Zusammenarbeit mit dem Fotografen Andreas Gursky zeigt er unter anderem 2006 im Kunstverein Bremerhaven von 1866 und der Galerie Sies + Höke, Düsseldorf. 2008 ist er in der Überblicksschau »Visite« in der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland, Bonn, vertreten.

Föttinger lebt in der Nähe von Arnheim (NL).

Literaturauswahl

Das Gelände. Winfried Baumann, Ross Birrell, Claus Föttinger, Bernd Krauß, Nina Svensson, Susanne Kriemann, Jonathan Meese, Bernhard Prinz, Patrick Ruckdeschel, Wolf Sakowski, Juergen Teller, Artur Zmijewski: Ausst.-Kat. Kunsthalle Nürnberg, hg. v. Angela Lohrey und Ellen Seifermann, 2008

Accessoiremaximalismus: Ausst.-Kat. Kunsthalle zu Kiel, hg. v. Dirk Luckow, 2003

Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014 Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum Foto: Tobias Roch, Hagen

Zu Sammlung hinzufügen…

×
×
×

Liebe Besucherinnen und Besucher,

seit 2006 gibt die museumsplattform nrw einen umfassenden Einblick in die Sammlungen und Aktivitäten ausgewählter NRW-Museen – und regt damit zugleich auch ein neues Publikum zum Museumsbesuch an. Monatlich 13.000 Besucher*innen belegen das Interesse an diesem einzigartigen Instrument zum interaktiven und kommunikativen Umgang mit Kunst im Netz.

Ein intensiv gepflegter und konstant ausgebauter Newsbereich mit Hinweisen zu Ausstellungen und Veranstaltungen oder Features aus der Kunstszene NRWs gehört ebenfalls dazu. 2013 erhielt die bereits seit zehn Jahren aktive Online-Plattform den bedeutenden Grimme Online Award.

Für den Ausbau dieses Online-Angebots sind wir auf den dauerhaften Beteiligungswillen der Museen angewiesen. Auch wenn die aktive Ausgestaltung derzeit nicht erfolgen kann, laden wir Sie doch herzlich ein, unser breites Angebot zum interaktiven und kreativen Umgang mit der Bildenden Kunst und ihren vielfältigen Formen medialer Vermittlung spielerisch zu erkunden.

Ihr NRW KULTURsekretariat