Claes Oldenburg

Oldenburgs »Eingriffe« in das Eigenleben der Alltagsobjekte, die überdimensionalen, durch Farbe oder Material entfremdeten Objekte, lassen sich als dem gezeigten Gegenstand verbundene, diesen extkontextualisierende, umdeutende Objekte, die Objekteigenschaften hinterfragende Arbeiten verstehen, lassen aber auch eigenständige, architekturartige Eigenschaften erkennen.

Claes (Thure) Oldenburg wird 1929 in Stockholm geboren, die Familie übersiedelt 1936 nach Chicago. 1946 — 50 studiert Oldenburg Kunst und englische Literatur an der Yale University, New Haven, arbeitet als Journalist für das City News Bureau of Chicago und setzt 1952 für zwei Jahre seine Studien am Art Institute, Chicago bei Paul Weighardt fort. Zunächst eröffnet er ein Studio für Magazin-Illustration und Malerei und widmet mit satirischen Zeichnungen auch 1953 seine erste Ausstellung dem Schnittbereich zwischen seiner jounalistischen und künstlerischen Arbeit.

Im gleichen Jahr wird Oldenburg amerikanischer Staatsbürger, zieht 1956 nach New York um. Dort kommt er schnell in Kontakt zur aktuellen Fluxus- und Happeningszene, arbeitet mit George Brecht, Allan Kaprow, George Segal und Robert Whitman. Oldenburg avanciert schnell zu einem der wichtigsten Akteure und beteiligt sich an zahlreichen Aktionen der Gruppe in den späten 1950er und beginnenden 60er Jahren. Sein Interesse an medienübergreifender künstlerischer Arbeit manifestiert sich auch in seinen ersten New Yorker Ausstellungen, die ebenso großformatige Figuren und Objekte wie zeichnerisch gefasste, collagierte oder in Papier Maché gefertigte Alltagsutensilien zeigen. Auch die Arbeit an seinen Ausstellungen wie beispielsweise The street in der Judson Gallery (1960), in der er seine Eindrücke großstädtischen Elends in Figuren und Objektfragmenten aus Pappe und Leinen fasste, oder auch die Atelierausstellung The store (1961) knüpfen mit ihrem Extreme anvisierenden kritischen Blick auf Alltägliches, Abfall und Kommerz daran an und zeigen Oldenburgs grundlegende Auseinandersetzung mit der Gesellschaft, der Alltags-, Konsum-, und Medienkultur in den USA, die ihn auch mit der Pop Art verbindet. In diesen Zusammenhang gehört auch das The Bedroom Ensemble von 1963, jenes überdimensionale Schlafzimmer-Interieur, das mit seinen überzogenen, die Materialität des Objekts verhüllenden Umkleidungen und Bemalungen öffentliches Straßenleben in die heimischen Wände transferriert und – ähnlich den Atelierausstellungen und Museumsentwürfen Oldenburgs – größere inhaltliche Zusammhänge über die räumlichen Grenzen herstellt.

Ende der 1960er Jahre entstehen erste Projekte im Außenraum, die zunächst noch an der Grenze von Objekt- und Aktionskunst angesiedelt (Placid Civic Monument, 1967), Mitte der 60er zur Aufstellung der bekannten monumentalen Giant objects in verschiedenen Städten führen: 1969 realisiert Oldenburg die Arbeit Lipstick (Ascending) on Caterpillar Tracks auf dem Gelände der Yale University.
»Objekte lassen sich auf vielfältige Weise verändern. Eine Möglichkeit ist, Waren, wie in einem Geschäft zu kaufen, oder andere Dinge, wie sonstwo auftreibbar, aus ihrem Kontext zu befreien, wie ich das im Fall der Toilette aus Zeitungspapier erreicht habe. Aber auch die Wahl eines anderen Maßstabs verwandelt die Objekte auf ungeahnte Weise. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, Objekte die Reise durch die eigene Seele antreten zu lassen, um ihnen so zu mehr Ausdruck zu verhelfen. Die Palette der Möglichkeiten, Sinn zu verändern und zu stiften, ist unendlich. Manchmal reicht es aus, Objekte sich selbst zu überlassen, manchmal wiederum sind stärkere Eingriffe nötig, um etwas zu bewirken.« (Oldenburg, in: Kunstforum 134, 1996). Oldenburgs »Eingriffe« in das Eigenleben der Alltagsobjekte, die überdimensionalen, durch Farbe oder Material entfremdeten Objekte, die er seit Mitte der 70er Jahre gemeinsam mit seiner Frau, der niederländischen Künstlerin Coosje van Bruggen umsetzt, lassen sich als dem gezeigten Gegenstand verbundene, diesen extkontextualisierende, umdeutende Objekte, die Objekteigenschaften hinterfragende Arbeiten verstehen, lassen aber auch eigenständige, architekturartige Eigenschaften erkennen. So erscheint folgerichtig, dass das Künstlerpaar Oldenburg/van Bruggen seit den 1970ern tatsächlich auch gemeinsame Projekte mit Architekten verfolgt oder mit eigenen Entwürfen direkte Bezüge zur Architektur, urbanen oder landschaftlichen Räumen herstellt (Giant Poll Balls, 1977; Spitzhacke, Dokumenta 7; Tools of the Trade, 1989). In engem Architekturbezug entstand– ebenso wie beim Chiat/Day-Gebäude in Los Angeles – auch 1985 gemeinsam mit Frank O. Gehry die »experimentelle« Theateraktion Il Corso del Coltello im Venezianischen Arsenal »zwischen« den Diszplinen, zwischen Architektur, Literatur, Objektkunst und Malerei. Von diesem Ereignis tritt auch Oldenburgs Knife Ship,jenes im Zusammenhang zur alten venezianischen Schiffswerft entstandene, zum Schiff mutierte monumentale Schweizermesser seine Ausstellungswanderung durch Europa und die USA an.

Zahlreiche Ausstellungen zeigen die Arbeiten und Projekte Claes Oldenburgs seit den 1960er Jahren. Auf der Documenta 4 — 7 ist er ebenso vertreten wie 1964 — 72 auf der Biennale. Retrospektiven werden seinem Œuvre u.a. 1995 in der National Gallery of Art, Washington, D.C. und dem Solomon R. Guggenheim Museum, New York gewidmet. Große Arbeiten, wie etwa Mouse-Museum / Ray Gun Wing werden u.a. 1979 im im Museum Ludwig, Köln, 1983 die monumentale Skulptur einer Zahnbürste im Museum Haus Esters in Krefeld installiert.

Claes Oldenburg lebt und arbeitet in New York.

Literaturauswahl

Claes Oldenburg, eine Anthologie: ausst.-Kat. National Gallery of Art, Washington, D.C., Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland, u.a., hg. v. Guggenheim Museum, Bonn 1995

Claes Oldenburg, Multiples 1964 — 1990: Ausst.-Kat. Portikus, Frankfurt/M., Lenbachhaus München u.a., hg. v. M. Hentschel, Frankfurt/M. 1992

Claes Oldenburg – Nur ein anderer Raum: Ausst.-Kat. Museum für Moderne Kunst, hg. v. Coosje van Bruggen, Frankfurt/M. 1991

Claes Oldenburg, Coosje van Bruggen – A bottle of notes and some voyages: Ausst.-Kat. Wilhelm-Lehmbruck-Museum, Duisburg 1989

Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014 Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum Foto: Tobias Roch, Hagen

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