Charlotte Posenenske

In ihrem »Manifest« erklärt Posenenske, dass die Dinge, die sie macht, variabel und so einfach wie möglich wiederholbar sein sollen, und sie formuliert, dass die Einfachheit geometrischer Grundformen schön und angemessen sind. Zugleich bekennt sie sich dazu, Monotonie zu lieben.

Die Bühnenbildnerin, Malerin und Bildhauerin Charlotte Posenenske ist am 28. Oktober 1930 als Charlotte Mayer in Wiesbaden geboren. Ihr Vater, promovierter, jüdischer Pharmazeut und Kunstsammler begeht während des Naziregimes Suizid. Charlotte, die das Gymnasium verlassen muss, wird von Bekannten in Wiesbaden in einem Antiquitätenlager verborgen und überlebt so das Dritte Reich.

Noch als Schülerin arbeitet sie bereits im Malersaal des Hessischen Staatstheaters in Wiesbaden mit. Nach ihrem Abitur 1950 geht sie an die Kunstakademie in Stuttgart und studiert dort unter Willi Baumeister, einem Vertreter des abstrakten Expressionismus, der malerisch auf der Suche nach den Urformen menschlichen Ausdrucks war, Malerei. Mit ihm gemeinsam erarbeitet sie Bühnenbilder für das damalige Landestheater in Darmstadt. Hier vereinen sich bereits die bestimmenden Aspekte, die ihre Kunst später prägen: Raum, Bild und Konstruktion.

Bühnen- und Kostümbildnerin ist sie am Stadttheater Lübeck von 1952 bis 1954, in diesem Jahr kehrt sie zurück an das Landestheater Darmstadt und heiratet den Architekten Paul Friedrich Posenenske (1920 2004), der eine klare, konstruktivistische, modulbestimmte Architektur vertritt und auf ihre zwischen 1965 und 1968 entstehenden Skulpturen und minimalistischen Raumarbeiten sicher Einfluss ausübt. Im Jahr der studentischen Unruhen und der Generationenrevolte 1968 stellt Posenenske ihre künstlerische Arbeit ein und beginnt ein Soziologiestudium. Bis zu ihrem frühen Tod im Jahr 1985 arbeitet sie als Soziologin im Bereich der Arbeitnehmersituation.

Nur zwei Jahre jünger als die führenden Vertreter der amerikanischen Minimal Art, Donald Judd und Sol LeWitt, konzipiert Posenenske minimalistische, materialreduzierte, raumgreifende, skulpturale Installationen, die im künstlerischen Rang dem amerikanischen Minimalismus gleichgestellt sind. Zu diesem minimalistischen und puristischen Ansatz, der die Person des Künstlers regelrecht überwindet, gelangt die Künstlerin in drei Werkphasen: Nach ihrem Studium in Stuttgart entstehen große Blätter mit zarten, wie über das Blatt fliegenden Farbbändern, die Landschaftsformationen wie die der Bretagne als Impression haben. In den Jahren 1960 bis 1964 entstehen große Blätter oder Hartfaserplatten mit Acryl-Farbauftrag in geometrischen Formationen, die durchaus noch dem abstrakten Expressionismus verpflichtet sind. 1965 folgen Blätter, die unterschiedlich breite, farbige Klebebänder tragen und wie geologische Sedimentationen anmuten und zugleich eine künstlerische Handschrift oder Geste eliminieren, Posenenske betitelt sie Streifenbilder. Der nächste Schritt der Purifizierung und Reduzierung stellen Posenenskes Faltungen und Krümmungen von farbigen Aluminiumblechen der Jahre 1966/67 dar. Die Aluminiumbleche sind farbig gespritzt, sodass sie wie industrielle Werkstücke erscheinen. Sie sind in Reihe gestellt, was das Serielle betont und wieder den Aspekt der anonymen Massenproduktion unterstützt. Und doch erstellt die Künstlerin durch die Farbentscheidung, ihre Folge der Reihung oder Faltung ästhetisch anmutige Wandreliefs.

In ihrem »Manifest«, erschienen in Art International (no. 5) im Mai 1968, erklärt Posenenske, dass die Dinge, die sie macht, variabel und so einfach wie möglich wiederholbar sein sollen, und sie formuliert, dass die Einfachheit geometrischer Grundformen schön und angemessen sind. Zugleich bekennt sie sich dazu, Monotonie zu lieben. All diese Grundsätze verwirklicht sie in ihren skulpturalen Arbeiten der Jahre 1967/68, die entweder aus industriell vorgefertigen Aluminiumvierkantrohren montiert sind oder aus starken Wellpappen gebaut und verschraubt sind und bis heute die Aktualität der Normierung formaler und gesellschaftlicher Prozesse veranschaulichen.

1985 stirb Charlotte Posenenske in Frankfurt am Main.

Literaturauswahl

Brunn, Burkhard (Hg.): Manifesto, Serie D, Charlotte Posenenske, Berlin 2013

Friedrich, Julia (Hg.): Spachtel-, Streifen- und Spritzbilder, Charlotte Posenenske, Grafische Sammlung Museum Ludwig, Köln 2013

Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum Foto: Tobias Roch, Hagen Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014

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