César

Das Interesse an der grotesken Verzahnung von Resten der Alltagskultur mit künstlerischen Ausdrucksformen verschafft César bereits früh einen beträchtlichen Bekanntheitsgrad. Die Verschweißung von vorgefertigten Metallelementen und Eisenplatten zu stelenartigen Monumenten oder figürlichen Mischwesen bleibt ein von César bis ins hohe Alter verfolgtes künstlerisches Verfahren.

César (César Baldaccini) wird 1921 in Marseille geboren. Neben der künstlerischen Ausbildung an der École des Beaux Arts in Marseille (1935 — 39) und an der Pariser École Nationale Supérieure des Beaux Arts (1943 — 1947) spielen für den künstlerischen Beginn bereits früh Kontakte zu Künstlerkollegen eine besondere Rolle. Césars Interesse gilt der modernen Skulptur, deren wichtigste Vertreter zeitgleich in Paris arbeiten. In der französischen Hauptstadt lernt César zunächst seinen Hausnachbarn Alberto Giacometti kennen, dann auch Pablo Picasso und Germaine Richier. Auch César faszinieren zunächst die Materialien Gips und Eisen, gegen Ende der 1940er Jahre wendet er sich jedoch den verfremdenden Techniken der Montage u.a. mit Schweißarbeiten und Verschraubungen zu. Er verwendet vorgefundene Schrottreste, die er zu meist grotesken Fabelwesen und später mit Bleiplatten und Draht zu figurativen, teils archaischen Skulpturen zusammensetzt (Le coq, 1947, Le Scorpion, 1954; Nu assis Pompei, 1954). Orientierung findet César in Arbeiten des 1942 verstorbenen Julio González, aber auch in den Metall-Objekten Picassos. Die Verschweißung von vorgefertigten Metallelementen und Eisenplatten zu stelenartigen Monumenten oder figürlichen Mischwesen bleibt ein von César bis ins hohe Alter verfolgtes künstlerisches Verfahren, u.a. mit der 18 Meter hohen Skulptur Hommage à Eiffel (1984) oder Arbeiten wie Plaque Eiffel(1989) und Rambaud (1990).

Das Interesse an der grotesken Verzahnung von Resten der Alltagskultur mit künstlerischen Ausdrucksformen verschafft César bereits früh einen beträchtlichen Bekanntheitsgrad. 1956 stellt er auf der Biennale in Venedig, 1957 auf den Biennalen in São Paolo und Carrara aus. 1958 ist er auf der Weltausstellung in Brüssel, 1959, 1964 und 1968 auf der Documenta 2, 3 und 4 in Kassel zu sehen.

Césars künstlerisches Selbstverständnis und seine werkspezifischen formalen Ansätze stimmen weitgehend mit der Ausrichtung des »Nouveau Réalisme« überein, dessen Manifest Pierre Restany im Jahr 1960 veröffentlicht. Doch erst seine im gleichen Zeitraum entstehenden Compressions (Kompressionen) – mit dem Hydraulikhammer in kubische Formen zusammengepresste Autowrack- und Metallteile – werden zu den charakteristischsten Zeugnissen seiner Lust am gewaltsamen Verfremdungsakt. Das zerknautschte und funktionsuntüchtige Material bewahrt trotz allem die Reste seiner vertrauten Herkunft und transportiert sie in die Räume der Galerien und Museen. Das hier aufscheinende Gegenmodell zu rationalen Gebrauchsorientierung der Moderne verfolgt César auch in anderen Materialien. Holz, Papier, Jute und andere Textilien werden auf ähnliche Weise gepresst und in Form gebracht (Compression de cartons, 1976; Sac de jute, 1976;Affiches / Murale, 1976). César setzt seine Compressions bis in die 1990er Jahre fort (Renault 977 VL 06, 1989; Lits, 1990).

Eine neue Werkgruppe entsteht mit den skulpturalen Vergrößerungen, die César ab Mitte der 60er Jahre beschäftigen. Zunächst rückt der menschliche Körper in den Fokus, diesmal im peniblen Abguss seiner Einzelteile, die ihrem funktionalen Zusammenhalt entzogen und einem maßlosen Wachsen ausgesetzt werden. Die Doubles von phallischem Daumen, Brust und Hand lässt César vergrößern und in Eisen oder farbigem Polyester gießen (Le Pouce, 1965; Le Sein, 1966; La Main, 1968). Dem Prinzip der Verformung geht César noch weiter nach. Insbesondere das Material Polyurethan inspiriert ihn zu den Expansions (Ausdehnungen). Er gestaltet in dieser Werkgruppe Alltags- und Gebrauchsgegenstände, die unkontrolliert aus der Form geraten und sich im Raum auszubreiten scheinen (Expansion Œuf n°2, 1967; Expansion théière rouge, 1968). Als außer Rand und Band geratene Fetische der Warenwelt erinnern sie an das Objektverständnis der Pop Art. Bei weitem abstrakter sind die Arbeiten, die als Bodenskulpturen träge Massen Polyurethanschaums vor Augen führen und an Süßspeisen und amorphe Körper erinnern (Expansion n°3 La Lunaire, 1969, Expansion n°16, 1970).

Neben der Beteiligung an zahlreichen Gruppenausstellungen sind Césars Arbeiten auf Einzelausstellungen u.a. 1993 im Centre de la Vieille Charité in Marseille, im französischen Pavillon der Biennale in Venedig von 1995, 1997 in einer großen Retrospektive in der Galerie Nationale du Jeu de Paume in Paris und ebenso 1998 im Palazzo Reale in Mailand zu sehen.

César stirbt 1998 in Paris.

Literaturauswahl:

Nouveau Réalisme, Revolution des Alltäglichen: Ausst.-Kat. Sprengel Museum, Ostfildern-Ruit 2007

César, Rétrospective: Ausst.-Kat. Musée du Jeu de Paume, Paris 1997

Durand-Ruel, D.: César, Catalogue raisonnée Bd. I, 1947 — 64, Paris 1994

César, Œuvres de 1947 à 1993: Ausst.-Kat., Centre de la Vieille Charité, Marseille 1993

Restany, Pierre: César, Paris u.a. 1988

César: Ausst.-Kat. Fondation Cartier, Jouyan-Josas 1985

Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014 Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger Foto: Tobias Roch, Hagen

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