Carlos Cruz-Diez

Seine künstlerische Arbeit wird mit vielen Preisen international honoriert. Ausstellungen widmen sich seinem Œuvre seit 1947 kontinuierlich. Carlos Druz-Diez Werke zeigen mit variierenden Farbklängen, Moiré-Effekten, aber auch dynamischen Linien- und Streifenformationen die bewusste Wahrnehmungsorientierung und Abhängigkeit der Werke von Betrachterstandort und -bewegung im Raum, die Bedingungen aktiven Betrachterverhaltens.

Carlos Cruz-Diez wird 1923 in Caracas geboren. 1940 — 45 studiert er dort an der Kunsthochschule, der Escuela de Artes Plásticas y Aplicadas, und arbeitet 1946 — 51 als Creative Director für die Werbeagentur McCann Erickson in Caracas. 1947 reist er in die USA, um sich als Werbefachmann fortzubilden. 1953 — 55 lehrt Cruz-Diez neben seiner Arbeit als Designer und Illustrator, u.a. für die Zeitung »El Nacional«, an der Caracas School of Fine Arts. Interessiert an europäischer Kunst vor allem der geometrischen Abstraktion der Gegenwartskunst, aber auch an den modernen Verbindungen von Bildender und Angewandter Kunst u.a. am Bauhaus, übersiedelt Cruz-Diez 1955 — 57 in die Nähe von Barcelona und besucht auch verschiedentlich Paris. Nach seiner Rückkehr setzt er seine Arbeiten als Grafiker u.a. auch für das venezolanische Erziehungsministerium fort, wendet sich nun aber auch verstärkt unabhängigen künstlerischen Aufgaben zu. 1956 eröffnet er in Caracas das Estudio de Artes Visuales, ist 1958 — 1960 Assistant Director und Professor an der Caracas School of Fine Arts und unterrichtet zwischen 1959 und 1960 Typografie und Graphik-Design an der Central University of Venezuela. Nun, wie viele seiner Kollegen zwischen Venezuela und Frankreich pendelnd, setzt Cruz-Diez 1965 seine Lehrtätigkeit als Grafik-Designer am Centre Culturel Noroit im französischen Arras fort und unterrichtet 1972 — 73 Kinetische Techniken an der Pariser École Nationale Supérieure des Beaux-Arts, deren Jurymitglied er bis in die 1980er Jahre bleibt, und an der Université d’Enseignement et de Recherches. 1986 — 1993 ist Cruz-Diez Professor und Direktor des Fachbereichs Kunst am Institute of Advanced Studies (IDEA) in Caracas. 1997 wird er Präsident und Mitglied der neu gegründeten »Fundación Museo de la Estampa y del Diseño Carlos Cruz-Diez«.

Cruz-Diez’ unabhängige künstlerische Ansätze entwickelt er in engem Zusammenhang mit seiner grafischen und fotografischen Praxis als Grafiker, Gestalter und Illustrator. Schwerpunkte seiner Arbeit liegen von Beginn an in der Beschäftigung mit Farbe, Farbtheorie und bewegten Farbstrukturen. Beeindruckt von den künstlerischen Entwicklungen der Moderne in Europa, dem Werk Georges Seurats und Josef Albers, aber auch von den neuen kinetischen Strömungen, behandelt er diese in seinen Arbeiten und Publikationen. Ähnlich den venezolanischen Künstlerkollegen Jesus Soto and Alejandro Otero, gilt seines besonderes Augenmerk den Farb- und Formstrukturen in den neuen, bewegten Medien dynamischer Tableaux’ und kinetischer Objekte, vor allem den systematisch entwickelten, auf Mehransichtigkeit und Betrachterbewegung angelegten Strukturen der seit 1959 in Caracas und Paris entstehenden vibrierenden Physichromien.

Mit Fragen der Farbinterferenzen und -kontraste sowie der Farb- und Formperzeption nähert sich Cruz-Diez auch den Schwerpunkten der Op Art (Construction en chaîne, 1957). Seine Werke zeigen mit variierenden Farbklängen, Moiré-Effekten, aber auch dynamischen Linien- und Streifenformationen die bewusste Wahrnehmungsorientierung und Abhängigkeit der Werke von Betrachterstandort und –bewegung im Raum, die Bedingungen aktiven Betrachterverhaltens. Seit den 1960er Jahren experimentiert Cruz-Diez auch mit farbigem Licht, veränderlichen Lichtprojektionen und Environments (Transchromie, 1967, Eingang des Torre Phelps, Caracas; Colonne Chromointerférente, 1971, Universität Paris 13; Transcromía Manipulable, 1974). Die Arbeiten strukturieren bisweilen einzelne Architekturelemente wie Fenster oder Eingangstore, verändern jedoch zunehmend auch umfassendere Raum- und Architekturkontexte zu strukturierten Wahrnehmungsfeldern dynamischer Farbmodulation (Chromatic Environnement, 1974, Simón Bolívar Airport, Caracas; Chromatic Environnement, 1975, UBS-Sitz Zürch). Überdies entwickelt Cruz-Diez Räume, die neben der visuellen Erschließung und Interaktion auch über akustische und taktile Reize erfahrbar werden.

In den 1970er Jahren entstehen großflächige, zum Teil chromatische Farbstrukturen im urbanen Raum. Zum Teil auch auf vogelperspektivische Erfassung angelegt –, kennzeichnen sie städtebaulich exponierte Orte, übernehmen– so beispielsweise Cruz-Diez’ Zebrastreifen in Caracas – bisweilen aber auch auch verkehrtechnische wie kartografische Funktionen (Inducción del amarillo, 1975, Caracas; Induction Chromatique, 1986, Fortaleza). Die früheren Chromostrukturen expandieren nun in raumgreifenden Varianten im architektonischen und urbanen Kontext (Chromostructure, 1980, Bahnhof St.Quentin en Yvelines). Zugleich schafft er mit den neuen Physichromien Synthesen von baulicher Fassadenstruktur und permeabler Fensterfassade (1983, Technische Schule, Saint-Priest). Und auch die großen, zum Teil ausschweifend geschwungenen Doppelwände, mit denen der Künstler offene Platzsituationen im urbanen Umfeld farblich markiert, strukturiert und in mehreren Blickachsen neu definiert (Fisicromía Doble Faz, 1990, Oloron-Ste. Marie; Fisicromía para Madrid, 1991, Ausstellungspark Rey Juan Carlos I), knüpfen ebenso an die frühen objekthaften Chromostrukturen an wie die geometrischen, farbig bepflanzten Landschaftsstrukturen, die erneut auf eine multiperspektivisch- dynamische Erschließung angelegt sind (Laberinto Cromovegetal, 1994, Universität Simón Bolívar, Caracas).

Cruz-Diez’ künstlerische Arbeit wird mit vielen Preisen international honoriert. Ausstellungen widmen sich seinem Œuvre seit 1947 kontinuierlich. In den vergangenen Jahrzehnten werden seine Werke, die in Museumssammlungen weltweit vertreten sind, u.a. im Josef Albers Museum, Bottrop (1988), in der Stiftung für Konstruktive und Konkrete Kunst, Zürich (1989), im Städtischen Museum Gelsenkirchen und Museo de Arte Moderno de Bogotá (1998), 2007 im Maison de l’Amérique Latine in Paris und 2008 in der Americans Society in New York gezeigt. Auf Biennalen ist Cruz-Diez u.a. 1953, 1979 und 2000 in Sao Paulo, 1962 und 1970 in Venedig vertreten. Themenausstellungen zu Kinetik und Op Art zeigen Cruz-Diez’ Werke in den letzten Jahren u.a. im Centre Georges Pompidou, Paris (2003), im Musée d’Art Moderne et Contemporain in Strassburg (2005) oder in der Schirn Kunsthalle, Frankfurt (2007).

Carlos Cruz-Diez lebt und arbeitet in Caracas und Paris.

Literaturauswahl

Barnitz, J.: Twentieth-Century Art of Latin America, Austin 2001

Bois, Y.A. u.a.:
Geometric Abstraction. Latin american art from the Patricia Phelps de Cisneros Collection: Ausst.-Kat. hg. v. Y.A. Bois u.a., Harvard University Art Museums, Cambridge 2001

Sullivan, Ed.: Latin American Art in the Twentieth Century, London 1996

Cruz-Diez, L’avvenimento-colore: Ausst.-Kat. Galleria Vismara, Mailand 1993

Cruz-Diez, Reflexión sobre el color / Reflection on Color, Caracas 1989, 2009

Cruz-Diez, Didattica e dialettica del colore: Ausst.-Kat. Pordenone 1981

Boulton, A.: Cruz-Diez, Caracas 1975

www.cruz-diez.com

 

Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum Foto: Tobias Roch, Hagen Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014

Zu Sammlung hinzufügen…

×
×
×

Liebe Besucherinnen und Besucher,

seit 2006 gibt die museumsplattform nrw einen umfassenden Einblick in die Sammlungen und Aktivitäten ausgewählter NRW-Museen – und regt damit zugleich auch ein neues Publikum zum Museumsbesuch an. Monatlich 13.000 Besucher*innen belegen das Interesse an diesem einzigartigen Instrument zum interaktiven und kommunikativen Umgang mit Kunst im Netz.

Ein intensiv gepflegter und konstant ausgebauter Newsbereich mit Hinweisen zu Ausstellungen und Veranstaltungen oder Features aus der Kunstszene NRWs gehört ebenfalls dazu. 2013 erhielt die bereits seit zehn Jahren aktive Online-Plattform den bedeutenden Grimme Online Award.

Für den Ausbau dieses Online-Angebots sind wir auf den dauerhaften Beteiligungswillen der Museen angewiesen. Auch wenn die aktive Ausgestaltung derzeit nicht erfolgen kann, laden wir Sie doch herzlich ein, unser breites Angebot zum interaktiven und kreativen Umgang mit der Bildenden Kunst und ihren vielfältigen Formen medialer Vermittlung spielerisch zu erkunden.

Ihr NRW KULTURsekretariat