Bernard Schultze

Beeinflusst von Wols und Jean-Paul Riopelle, von Tachismus und Action Painting, entwickelt Schultze einen eigenen Stil der gestisch lyrisch- abstrakten Malerei. In seinen meist farbintensiven und detailreichen Gemälden finden sich vielfach Anspielungen und Zitate, die Verbindungen zur Natur, Assoziationen an natürliche Vegetation herstellen und eigenwillige Gegenwirklichkeiten imaginieren.

Bernard Schultze wird am 31.05.1915 in Schneidemühl / Westpreußen (heute Polen) geboren. Die Familie zieht 1922 nach Berlin, wo Schultze die Schule besucht. Er studiert 1934 — 39 an der Hochschule für Kunsterziehung und der Kunsthochschule in Berlin, schließlich an der Kunstakademie in Düsseldorf. Seine frühen Arbeiten werden durch einen Luftangriff auf Berlin zerstört.

Seit 1947 in Frankfurt/M. und ab 1951 regelmäßig in Paris, verarbeitet Schultze seine dortigen Eindrücke des Tachismus in ersten informellen Bildern mit K.O. Götz, Otto Greis und Heinz Keutz. Gemeinsam gründen die Künstler 1952 in Frankfurt die Künstlergruppe »Quadriga« – das Zentrum der deutschen informellen Malerei. Schultze, Götz, Greis und Keutz werden nun auch international wahrgenommen. Beeinflusst von Wols (Otto Wolfgang Schulze) und Jean-Paul Riopelle, von Tachismus und Action Painting, entwickelt Schultze einen eigenen Stil der gestisch lyrisch-abstrakten Malerei. In seinen meist farbintensiven und detailreichen Gemälden finden sich vielfach Anspielungen und Zitate, die Verbindungen zur Natur, Assoziationen an natürliche Vegetation herstellen und eigenwillige Gegenwirklichkeiten imaginieren.

1956 entstehen erste Relief-Bilder, in denen sich Farbschichten überlagern. Ende der 50er Jahre entfernt Schultze sukzessive jene Formen vom Malgrund und entwickelt 1961 erste, von der Leinwand gelöste Migofs – die von Schultze so bezeichneten Farbkörper, die als Konstruktionen aus dünnem Draht von Textilien überspannt werden – und Zungen-Collagen, in die er bemalte dreidimensionale Elemente integriert. Später ergänzt Schultze diese Skulpturen, angeregt von der Pop-Art, auch durch signifikante Objekte der Konsumgesellschaft. Auch mit seinen Schaufensterpuppen, die er zu freistehenden Farb-Plastiken verwandelt, arbeitet Schultze an einer nun dreidimensional angelegten Bildsprache.

1964 — 67 reist Schultze mehrfach nach New York, siedelt 1968 nach Köln über und ist zwischen 1972 und 1992 Mitglied der Akademie der Künste in Berlin, aus der er 1992 austritt. Ab 1970 unternimmt er zahlreiche Studienreisen nach Leningrad, in die USA, nach Südostasien, Mexiko und Guatemala. In dieser Zeit kehrt er mit der Grisaille-Technik zum traditionellen Tafelbild zurück. In den 1980er Jahren wendet sich Schultze zunehmend von den dreidimensionalen Migofs ab und erobert, dem Informel weiter folgend, mit erweiterter Farbpalette und von dem zuvor oft bestimmenden Grundton abweichend, die Fläche großformatiger Leinwände, an denen er bis kurz vor seinem Tod arbeitet.

Schultzes Werke sind neben zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen auf der Documenta 1954, 1964 und 1977 vertreten. Anlässlich seines 80. Geburtstags wird Schultze 1994 in Köln mit einer Schau »Das große Format« gewürdigt, auf die bis 1996 große Wanderausstellungen in Bologna und Budapest folgen.

Bernard Schultze stirbt am 14. April 2005 in Köln.

Literaturauswahl

Vom Expressionismus zur Gegenwart. Meisterwerke der Moderne aus der Sammlung des Museum am Ostwall: Ausst.-Kat. Kunsthalle Krems, hg. v. C. Aigner u. I. Bartsch, Wien 2001

Kunst des Informel, Malerei und Skulptur nach 1952: Ausst.-Kat. Museum am Ostwall, Dortmund 1997

Bernard Schultze – Das große Format: Ausst.-Kat. hg. v. Evelyn Weiss, Museum Ludwig Köln, Köln / München 1994

Romain, Lothar; Wedewer, Rolf: Bernard Schultze, München 1991

Bernard Schultze: Ausst.-Kat. Museum am Ostwall, Dortmund o. J. (1984)

Bernard Schultze, Im Labyrinth, Werke von 1940 — 1980: Ausst.-Kat., Düsseldorf u.a. 1980/81

Informel, Götz / Schultze / Hoehme: Ausst.-Kat. Museum am Ostwall, Dortmund 1980

Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014 Foto: Tobias Roch, Hagen Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum

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