Axel Hütte

Seine Bilder zeigen städtische Szenarien jenseits spektakulärer Ansichten. Sie sind keine dokumentarischen Erfassungen des urbanen Raums oder Interieurs, sondern höchst individuelle Einstellungen von Orten unter speziellen Raum- und Lichtbedingungen. Die menschenleeren und damit nicht skalierbaren städtischen Situationen, die Hütte zeigt führen grundsätzlich Vertrautes vor Augen und rücken doch erheblich von gewohnten Ansichten und Einblicken ab.

Axel Hütte wird 1951 in Essen geboren. Von 1973 bis 1981 studiert er an der Kunstakademie in Düsseldorf, zunächst in der Filmklasse, dann bei Bernd Becher. Stipendien führen ihn u.a. 1982 nach London (DAAD) und 1985 an das Deutsche Studienzentrum in Venedig. Seit Ende der 1980er Jahre werden seine Fotografien neben Galerienausstellungen in musealen Einzelausstellungen gezeigt – so u.a. 1987 im Fotomuseum Winterthur, 1988 im Regionalmuseum Xanten, 1993 in Hamburger Kunsthalle und Kunstraum München, 2000 im Museum Kurhaus Kleve, 2002 im Neuen Museum in Nürnberg oder 2004 im Madrider Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofía.

Zunächst noch an dokumentarisch-experimentellen Slow-Motion-Filmen interessiert, wendet sich Hütte bald der Fotografie zu. Seine Bilder zeigen städtische Szenarien jenseits spektakulärer Ansichten. Sie sind keine dokumentarischen Erfassungen des urbanen Raums oder Interieurs, sondern höchst individuelle Einstellungen von Orten unter speziellen Raum- und Lichtbedingungen, die sich weit von den Arbeiten seines Akademie-Lehrers entfernt haben. Die menschenleeren und damit nicht skalierbaren städtischen Situationen, die Hütte zeigt, die Firmengelände, Brücken, Hausflure, Wohn- und Arbeitsstätten führen grundsätzlich Vertrautes vor Augen und rücken doch in Motivwahl, Bildausschnitt, in Farbgebung oder deren luzider Auflösung bis zur Grenze des Erkennbaren erheblich von gewohnten Ansichten und Einblicken ab (Certosa, 1988/89; Berlin, 1994).

Dass Hüttes Raumaufnahmen, wie er selbst beschreibt, »im weitesten Sinne mit Zeit zu tun haben, insofern sie das Gefühl vermitteln, die Zeit sei zusammen mit den Aktivitäten des Lebens zum Stillstand gekommen und der Ort verlassen worden, ohne zu ahnen, wann und wie lange schon« (Hütte zit. n. KF, 142, 1998, 284) lässt sich auf ihre teils extremen Ausschnitte zurückführen, die den Gegenstand überdies (oft an den Rand) verrücken. Eine gewisse »topografische Unschärfe« (V. Loers, Ausst.-Kat. 1988, 7), die trotz Titelgebung und örtlicher Anhaltpunkte tatsächlich vom konkreten städtischen Bezugsraum ablenkt, stützt diesen Eindruck. Die Bilder wirken seltsam aus urbanem wie zeitlichem Kontext gelöst, still gestellt. Vor allem die bezugreich gewählten Orte des Transits, U-Bahn-Stationen, Passagen, »wo die Zeit stillsteht oder unterbrochen wird (…)«, wo »kein Fluss, sondern ein Übergang (…)« ist (ebd.), zeigen dies.

Seit Ende der 1990er wendet sich Hütte zunächst in Italien verstärkt der Landschaftsfotografie zu. Sie umfasst ebenso Bilder dörflicher Randzonen (Italien, Riverzana, 1996), vielfach vergrößerte Miniatur-Landschaftsausschnitte (Oberalp, Schweiz, 1996) wie auch großformatige Naturszenarien, die das Erfasste bewusst über die Grenzen des Realen hinaus führen. Zu der eigenwilligen Distanz, die sich bisweilen zum Gegenstand aufbaut, trägt mitunter dessen gleich mehrfach gefiltertes Bild bei: So finden sich in den Fotografien bisweilen Störungen, Kratzer, Wassertropfen, die sich auf Objektiv oder vorgeblendeter Scheibe – z.B. eines Zugfensters – befinden und dem festgehaltenen Landschaftsausschnitt Subjektivität wie Bewegung einschreiben (Unterer Truchsessweiher, 2004). Auch die Fotografien von Spiegelungen in jüngerer Zeit zeigen vergleichbare mediale Vermittlungen, beispielsweise eines im Wasser reflektierten Waldes, dessen Bild durch leichte Wellen und Trübungen der Oberfläche gestört wird, wenngleich sich eigentlich erst dadurch sein Zauber entfalten kann (Elfenweiher I, 2004).

Die Großfotografien karger Gebirgszüge, naturgewaltiger Gletscherformationen oder Wasserfälle zeigen eine erkennbare Annäherung Hüttes an die Landschaftsgemälde des ausgehenden 18. und beginnenden 19. Jahrhunderts und ihren Blick auf die Erhabenheit der Natur (Hüfigletscher, 1997; Geltenhorn, 2007). Zur Inszenierung dieser Natureindrücke gehört auch, dass sie oft den Blicken entzogen werden. Die Aufnahmen bergen teils nur noch reduzierte und an den Bildrand gerückte topografische Anhaltspunkte, entziehen die Natur z.B. auch durch große verhüllende Nebelschwaden dem taxierenden Blick (Furkapass, 1994;Furka / Gletscher, 1995).

Die Landschaftsfotografien sind ohne die vorangegangene Bewegung des Künstlers, ohne Wanderungen und Reisen in die Schweizer Berge, nach China, Australien, zu den Polen oder amerikanischen Vulkanlandschaften nicht denkbar. Die Erfahrung des Fremden und »Erhabenen«, die wandernd-meditative Erschließung von Räumen ist essentieller Teil der Landschaftsfotografien. Die Titel von Hüttes in Fotobänden und Ausstellungskatalogen dokumentierten Reisen (»Fecit«, »Terra Incognita« oder »Kontinente«) lassen ihn dabei ebenso als Entdecker und Forscher wie auch als Künstler in Erscheinung treten, der für das Resultat seiner Bewegungen im Raum, das Bild, verantwortlich zeichnet.

Axel Hütte lebt und arbeitet in Düsseldorf.

Literaturauswahl

Axel Hütte, Terra Incognita: Ausst.-Kat. Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofia, Madrid 2004

Axel Hütte: Secret Garden, Misty Mountain: Ausst.-Kat. Galerie Max Hetzler, Berlin 2002

Axel Hütte, As Dark as Light: Ausst.-Kat. Amsterdam 2001

Axel Hütte, Kontinente, Texte v. Cees Nooteboom, München 2000

Axel Hütte: Fecit: Ausst.-Kat. Museum Kurhaus Kleve, Kleve 2000

Axel Hütte 1981 — 1988, Architektur. Berlin, London, Paris, Venezia, Xanten: Ausst.-Kat. Regionalmuseum Xanten 1988

Foto: Tobias Roch, Hagen Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014 Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger

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