Allan Kaprow

Er gilt als Erfinder der Bezeichnung »Happening«, zu dem er später unter dem Titel »Assemblage, Environments and Happening« eine Schrift verfasst. Von Beginn an kennzeichnet der Publikumsbezug die Aktionen Kaprows. Er will keine Zuschauer, sondern Beteiligte.

Allan Kaprow wird 1927 in Atlantic City / New Jersey geboren. 1945 nimmt er seine umfangreichen Studien der Kunst und Kunstgeschichte auf, die ihn an verschiedene Universitäten führen: Bis 1949 studiert er an der New York University, 1947 — 48 an der Hans Hofmann School of Fine Arts, 1949/50 an der New York University, 1950 — 52 an der Columbia University und 1956 — 58 schließlich an der New School for Social Research in New York. Dort schließen sich Studien der musikalischen Komposition bei John Cage an. Seit 1956 lehrt Kaprow u.a. an der State University, New York, am California Institute of the Arts und an der University of California, San Diego.

In einer kurzen, aber intensiven ersten künstlerischen Phase orientiert sich Allan Kaprow vom Abstrakten Expressionismus hin zu malerischen Collage und Assemblage-Techniken. Seine expressiv-gestischen wie spirituell-aktionistischen Bilder, die sich auf reale Landschaften beziehen, baut er Ende der 1950er Jahre durch die Integration von Raum und Zeit wie die Verbindung unterschiedlicher Materialien konsequent zu Environment und Happening aus, wobei er Malerei, Musik und Theater verbindet. Kaprow gilt als Erfinder der Bezeichnung »Happening«, zu dem er später unter dem Titel »Assemblage, Environments and Happening« eine Schrift verfasst. 1959 setzt er in der von ihm mitbegründeten Reuben Gallery in New York das erste Happening (18 Happenings in 6 Parts) um. Für die aus drei Räumen bestehende und durch Plastikfolie getrennte Installation erhalten die Zuschauer am Eingang ein Programm und drei Kärtchen, auf denen angegeben wird, in welchen Raum sie sich wann zu begeben haben.

Von Beginn an kennzeichnet der Publikumsbezug die Aktionen Kaprows. Er will keine Zuschauer, sondern Beteiligte. Unmittelbar werden sie über alle Sinne (Geräusche, Lichteffekte, Gerüche etc.) angesprochen und aktiv in seine stark improvisatorische Kunst einbezogen. In seinem bekanntesten und mehrfach realisierten Environment Yard (1961 New York, 1970 Köln, 1986 Dortmund) häuft Kaprow alte Autoreifen aufeinander und überlässt es dem experimentierfreudigen Publikum, darauf zu balancieren. Die unsichere Bewegung wird zum Ausgangspunkt einer veränderten Körper-, Form- und Materialerfahrung. Und auch Kaprows Happenings – die wie Household von 1964 das Autowaschen als kollektiven Akt anlegen, oder das Happening Gas von 1966, das stillgelegte Schrottautos zum dreidimensionalen Bildgrund einer Malaktion werden lässt – sind von dem Motiv getragen, Kunst als soziales Instrument zu begreifen. Kunst wird hinterfragt, Kunst und Leben auf spielerische Weise zusammen geführt: »What is a Happening? – A game, an adventure, a number of activities, engaged in by participants for the sake of playing.« (Kaprow 1967). Der selbsterklärte »Non-Artist« Kaprow setzt dabei an denjenigen Lebensbereichen an, an denen Massenmedien und Freizeitindustrie den stärksten Einfluss auf die Bildung in der modernen Gesellschaft haben.

1965 gibt Kaprow seine Environments auf, um sich ganz auf Happenings zu konzentrieren, die er bald in »Activities« umbenennt und anhand seiner »Scores« bzw. Handlungsanleitungen für die Teilnehmer international aufführt. Als zentrale Figur der Aktions- und Happeningkunst ist Kaprow seit den 1960er Jahren auf zahlreichen internationalen Einzel- und Gruppenausstellungen präsent. 1977 wird er zur Documenta 6 und 1987 zur Documenta 8 nach Kassel geladen.

Allan Kaprow stirbt am 5. April 2006 in Encinitas bei San Diego, wo er zuletzt am Visual Art Department der University of California lehrte.

Literaturauswahl

Ursprung, Philip: Grenzen der Kunst, Allan Kaprow und das Happening, Robert Smithson und die Land Art, München 2003

Allan Kaprow, Collagen, Environments, Videos, Broschüren, Geschichten, Happening- und Activity-Dokumente, 1956 — 1986: Ausst.-Kat. Museum am Ostwall, Dortmund, Solingen 1986

Kaprow, Allan: Assemblage, Environments and Happenings, New York 1966

Becker, J. und W. Vostell, Happenings, Hamburg 1965

Bildrechte: Calder Foundation New York / Foto Stiftung Lehmbruck Museum Foto: Tobias Roch, Hagen Bildrechte: gemeinfrei, Foto: Peter Hinschläger Bildrechte: VG Bild Kunst, Bonn 2014

Zu Sammlung hinzufügen…

×
×
×

Liebe Besucherinnen und Besucher,

seit 2006 gibt die museumsplattform nrw einen umfassenden Einblick in die Sammlungen und Aktivitäten ausgewählter NRW-Museen – und regt damit zugleich auch ein neues Publikum zum Museumsbesuch an. Monatlich 13.000 Besucher*innen belegen das Interesse an diesem einzigartigen Instrument zum interaktiven und kommunikativen Umgang mit Kunst im Netz.

Ein intensiv gepflegter und konstant ausgebauter Newsbereich mit Hinweisen zu Ausstellungen und Veranstaltungen oder Features aus der Kunstszene NRWs gehört ebenfalls dazu. 2013 erhielt die bereits seit zehn Jahren aktive Online-Plattform den bedeutenden Grimme Online Award.

Für den Ausbau dieses Online-Angebots sind wir auf den dauerhaften Beteiligungswillen der Museen angewiesen. Auch wenn die aktive Ausgestaltung derzeit nicht erfolgen kann, laden wir Sie doch herzlich ein, unser breites Angebot zum interaktiven und kreativen Umgang mit der Bildenden Kunst und ihren vielfältigen Formen medialer Vermittlung spielerisch zu erkunden.

Ihr NRW KULTURsekretariat