Alexander Archipenko

»Archipenko verändert die traditionelle Auffassung der Skulptur, die zu dieser Zeit generell monochrom war. Seine Arbeiten waren mit strahlenden Farben bemalt. Anstatt der üblichen Materialien wie Marmor, Bronze oder Ton nutzte er einfaches Material wie Holz, Glas, Metall und Draht. Sein bildhauerisches Vorgehen bestand nicht aus schnitzen und modellieren im traditionellen Sinne, sondern er nagelte, klebte und montierte die Materialien miteinander, ohne diese Verbindungen zu verstecken. Sein Arbeitsprozess war eine optische Parallele zur kubistischen Malerei«. (Juan Gris)

Alexander Archipenko wird am 30. Mai 1887 in Kiew geboren. Sein Vater arbeitet als Mechaniker. In den Jahren 1902 — 06 studiert Archipenko Bildhauerei an der Kunstakademie in Kiew. Er wird 1906 der Akademie wegen »Rebellion gegen die Lehrmethode« verwiesen und lässt sich als freier Künstler in Moskau nieder. 1908 übersiedelt Archipenko nach Paris, studiert kurzzeitig an der École des Beaux-Arts, die er ebenfalls wegen der klassischen Unterrichtsführung schnell wieder verlässt.

Nach und nach wächst Archipenko in den Kreis der Pariser Avantgarde hinein. Er hat Kontakt zu Picasso und Braque, deren Kubismus er in die Bildhauerei überträgt, in dem er den menschlichen Körper geometrisiert, mechanisiert und mit Aussparungen versieht. Der Torso ist ein immer wieder aufgegriffenes Motiv seines bildhauerischen Arbeitens. Doch stehen seine schön fließenden Konturen und Silhouetten noch deutlich unter dem Einfluss des Jugendstils. 1910 kann sich Archipenko sowohl am XXVI. Salon des Indépendants, der von den Kubisten dominiert ist, wie am Salon d’Automne des gleichen Jahres beteiligen. Sein künstlerischer Denkansatz scheint jedoch mehr durch den Kreis um die Brüder Marcel Duchamp und Raymond Duchamp-Villon geprägt zu sein. Auf Marcel Duchamps Nu descendant un escalier No.2 von 1912 reagiert Archipenko im gleichen Jahr mit seiner Schreitenden Frau, mit der sich erstmals die seit 1910 experimentell entwickelte Sculpture-Peinture manifestiert. Archipenko entwickelt diese später in den USA zur Archipentura weiter und lässt sie sogar patentieren (1927).

Doch hat Archipenko auch Kontakt zu Modigliani und Léger, deren beider blockhafte und mechanistische Gestaltung des menschlichen Körpers ihn nachhaltig beeinflussen. Archipenko ist von Paris aus europaweit vernetzt: 1912 bereits zeigt das Folkwand Museum in Hagen seine Arbeiten, er stellt aber auch mit den Futuristen 1914 in Rom aus und korrespondiert 1918 rege mit Theo van Doesburg, dem Gründer der Gruppe De Stijl. Seine erste eigene Kunstschule gründet Archipenko 1912 in Paris. Juan Gris beschreibt dessen Arbeiten dieser Zeit so: »Archipenko verändert die traditionelle Auffassung der Skulptur, die zu dieser Zeit generell monochrom war. Seine Arbeiten waren mit strahlenden Farben bemalt. Anstatt der üblichen Materialien wie Marmor, Bronze oder Ton nutzte er einfaches Material wie Holz, Glas, Metall und Draht. Sein bildhauerisches Vorgehen bestand nicht aus schnitzen und modellieren im traditionellen Sinne, sondern er nagelte, klebte und montierte die Materialien miteinander, ohne diese Verbindungen zu verstecken. Sein Arbeitsprozess war eine optische Parallele zur kubistischen Malerei«.

1913 ist Archipenko auf der legendären Armory-Show in New York vertreten. Während des I. Weltkrieges hält er sich in Nachbarschaft zu Modigliani, Chaime Soutine und Matisse in Ciminez bei Nizza auf. In den Jahren 1921 — 23 lebt Archipenko in Berlin, unterhält auch dort eine Kunstschule und heiratet 1921 die deutsche Bildhauerin Angelika Schmitz (1893 — 1957), die unter ihrem Pseudonym Gela Forster der Dresdener Sezession angehört. Von Berlin aus hat Archipenko Kontakt zu Herwarth Waldens Sturm, zu den Berliner Dadaisten und zum Bauhaus.

Mit der Übersiedelung des Künstlerpaars in die USA im Jahr 1923 wendet sich Archipenko zunächst der Lehrtätigkeit zu und unterrichtet in New York an verschiedenen Kunstschulen. 1924 entwickelt er, angeregt durch den Konstruktivismus, motorbetriebene, bewegliche und bemalte Skulpturen, die bereits erwähnten Archipentura. Nach verschiedenen Lehrstationen in den Vereinigten Staaten gründet er 1937 in Chicago seine School of Creative Fine Arts und lehrt, auf Vermittlung László Moholy-Nagys auch kurzfristig am New Bauhaus.

1939 kehrt Archipenko nach New York zurück und experimentiert als einer der ersten Künstler mit den Materialien Plastik und Plexiglas, für die er eine eigene »Schnitz«-Technik entwickelt. Ähnlich wie auch Moholy-Nagy in dieser Zeit arbeitet auch Archipenko mit Lichtmodulationen und von innen beleuchteten Skulpturen. Seit 1929 amerikanischer Staatsbürger, vertieft er schließlich nach dem II. Weltkrieg – seine Arbeiten sind 1937 in der Ausstellung »Entartete Kunst« geschmäht worden – den persönlichen Kontakt zum Saarlandmuseum in Saarbrücken, das letztlich 1967 das testamentarische Erbe von mehr als 100 Gipsmodellen antritt.

In den USA durch Galerien vertreten und mit Ausstellungen gewürdigt, ist Archipenko ab 1955 auch in Deutschland in Retrospektiven, so 1960 in Hagen, Münster, Saarbrücken und Düsseldorf präsent. Im gleichen Jahr publiziert er selbst eine Werkübersicht »Fifty Creative Years, 1908 — 1958«. Seine ehemalige Schülerin und Künstlerin Frances Gray heiratet er ebenfalls 1960. Archipenkos bildhauerisches Werk ist lebenslang begleitet von Zeichnungen und lithographischen Serien.

Am 25. Februar 1964 stirbt Alexander Archipenko in New york. Im Jahr 2000 gründet seine Witwe Frances Gray »The Archipenko Foundation«.

Literaturauswahl

Alexander Archipenko: Ausst.-Kat. Saarlandmuseum Saarbrücken, hg. v. R. Melcher, München, 2008

Barth, A.: Alexander Archipenkos plastisches Œuvre, Frankfurt/M. 1994

Schmoll gen. Eisenwerth, H. (Bearb.): Alexander Archipenkos Erbe. Wiss. Katalog: Werke von 1908 bis 1963 aus dem testamentarischen Vermächtnis, Saarbrücken 1986

Alexander Archipenko: Fifty Creative Years 1908 — 1958, New York 1960

www.archipenko.org

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